Irgendwann gegen Ende meiner Kindergartenzeit habe ich mir selbst das Lesen beigebracht. Tatsache ist jedenfalls, dass ich es zu Beginn der ersten Klasse bereits konnte. Ich weiß sogar noch, dass der Text, mit dem ich meine Grundschullehrerin verblüffte, weil ich ihn bereits fehlerfrei vorlesen konnte, „Anna ist krank“ hieß.
Durch diese Anekdote versteht man vielleicht, dass meine erste Reaktion auf die Schule „O nein, jetzt kommt derselbe Unsinn wie im Kindergarten noch einmal!“ war. Ich betone es vielleicht zu oft in meinem Leben, aber meine Erinnerungen an den Kindergarten sind zum größten Teil äußerst negativ. (Die Erinnerungen meiner Kindergartentanten an mich wahrscheinlich auch… Ich versinke vor Scham jedes Mal fast im Boden, wenn ich einer von ihnen zufällig begegne…) Wie auch immer, nach einer von Trotzreaktionen begleiteten Regenschirmmalphase durfte ich endlich richtige Wörter schreiben.
Es ist wahrscheinlich zu vereinfacht, zu behaupten, dass es ab dieser Zeit bergauf ging und ich mich von da an für das Schreiben interessierte, aber ungefähr dürfte diese Aussage tatsächlich zutreffen. Jedenfalls habe ich bereits in der Grundschule erste kleine Geschichten geschrieben und von da an nie mehr damit aufgehört.
Es muss dann etwa in der sechsten Klasse gewesen sein, als Ken zum ersten Mal in meinen Kopf kam.
Ich hatte ein Buch gelesen, in dem ein Charakter vorkam, der rein äußerlich eine vage Ähnlichkeit mit ihm hatte, jedoch böse, intrigant und brutal war. Vielleicht war dies der Auslöser, der Ken entstehen ließ, obwohl die beiden sonst grundverschieden sind: Ken ist jemand, an dessen Hand man blind auf ein Drahtseil mitkommen würde, das über eine endlos tiefe Schlucht gespannt ist. Kurz gesagt: vollkommen gutartig – auch wenn er natürlich seine Fehler hat – und darüber hinaus extrem zuverlässig. Eine Art großer Bruder oder bester Freund, wie es sie in der Realität nur äußerst selten gibt.
Nach und nach entstanden seine Freunde und seine Welt. Sie veränderten sich mehrmals stark. Dies alles im Detail auszuführen würde wahrscheinlich länger als alles, was ich bisher über ihn geschrieben habe, also lasse ich es mit dieser Andeutung auf sich beruhen.
Ich weiß gar nicht mehr, wie es war, als sie noch nicht existierten. Das genügt.
Gerade weil mir jeder Einzelne von ihnen so viel bedeutete, fiel es mir unendlich schwer, einen geeigneten Anfang zu finden. Zwischenzeitlich versuchte ich, meine Ideen zu „Die Frage“ umzusetzen, scheiterte jedoch, weil mir Ken im Kopf herumspukte.
Ein paar Kurzgeschichten, einige Ideen für andere Geschichten und viele vergebliche Anfänge später hatte ich es dann geschafft: Das erste Kapitel meiner Geschichte über Ken war fertig.
Das war im Herbst 2006. Mittlerweile (Januar 2011) habe ich wieder einiges umgeschrieben; es existieren neue handschriftliche Seiten (mal wieder ca. 3 Kapitel), aber ich bin im letzten Jahr kaum dazu gekommen, weiterzuschreiben, weil die Uni - Einlesen, Hausaufgaben, Referate, Hausarbeiten und demnächst meine Zulassungsarbeit - den größten Teil meiner Zeit beanspruchen. (Nicht, dass ich es nicht gern machen würde - ich studiere meine Fächer sogar sehr gern. Alle. Auch wenn ich eine leichte Vorliebe für Geschichte habe. Zum Schreiben komme ich aber kaum noch, seit ich - im Modulsystem - studiere.)
Ich werde aber nicht aufgeben! Das ist ein Versprechen!