Montag, 27. Dezember 2010

"Der Name der Rose": Klösterliche Überlieferungen

Ich hoffe, ihr konntet alle ein schönes, ruhiges Weihnachtsfest verleben! Zu den letzten Tagen des Jahres gibt es von mir ein paar Gedanken über Vergängliches - nämlich über alte Manuskripte.

Für ein Seminar lese ich gerade „Der Name der Rose“ von Umberto Eco. In einer Passage (3. Tag, Terz) denkt Adso, der Erzähler, darüber nach, wie städtische Schulen und Universitäten die Klöster dadurch verändern, dass diese im 14. Jahrhundert längst nicht mehr die alleinigen Träger des Wissens sind. Er überlegt sich, dass die unverfälschte Bewahrung des (antiken) Wissens eigentlich nur dann erfolgen könnte, wenn es niemanden erreicht – wenn die Mönche Bücher nur kopieren, aber nicht verstehen würden. Außerdem zeigt er sich besorgt über den Verfall alter Manuskripte dadurch, dass man sie öffnet, berührt, liest: „sie aufzuschlagen hieß also, sie zu biegen, sie der zerstörerischen Einwirkung von Luft und Staub auszusetzen, die das feine Geäder, mit dem sich das Pergament im Laufe der Zeit überzogen hatte, aufplatzen lassen [...] würde“ (engl. Ausgabe: „opening them meant folding them, exposing them to the harsh action of air and dust, which would erode the subtle winkles of the parchment“) ...

Einer meiner Dozenten erzählte von Archiven, die jahrhundertealte, wertvolle und zerbrechliche Urkunden selbst der Forschung nicht mehr zugänglich machen, aus Angst, dadurch ihren Verfall zu beschleunigen. Seine Meinung dazu war eindeutig: „Dann könnte man sie auch gleich wegwerfen.“
Ich finde, er sagte da etwas sehr Wahres: Wenn vorhandenes Wissen nicht genutzt und niemandem zugänglich gemacht wird, ist es so, als würde dieses Wissen überhaupt nicht existieren. Als wäre die antike, mittelalterliche oder frühneuzeitliche Handschrift, Urkunde, Akte, etc. gar nie geschrieben oder uns nie überliefert worden.
Gut, sie mag ediert worden sein, es mag auch eine Übersetzung geben. Und dennoch – manche Dinge sieht man als Historiker bzw. Philologe nur an einem Original: das Papier, der Strich der Handschrift, Details des Siegels (sofern vorhanden), Unebenheiten im Text...
Das Wohl eines Buches besteht darin, gelesen zu werden. Bücher sind aus Zeichen gemacht, die von anderen Zeichen reden, die ihrerseits von den wirklichen Dingen reden. Ohne ein Auge, das sie liest, enthalten sie nur sterile Zeichen, die keine Begriffe hervorbringen, und bleiben stumm.
(The good of a book lies in its being read. A book is made up of signs that speak of other signs, which in their turn speak of things. Without an eye to read them, a book contains signs that produce no concepts; therefore it is dumb.)
William von Baskerville in „Der Name der Rose“, 5. Tag, Versper, gegen Ende der Passage
Sicher, es gibt auch die Position, erworbenes Wissen, das gefährlich werden könnte, schnellstmöglich zu vernichten oder den Zugang dazu stark einzuschränken. Ein Beispiel: die Erfindung der Atombombe. Doch ich denke, Friedrich Dürrenmatt hat nicht ganz unrecht, wenn er in seinem Theaterstück „Die Physiker“ (über die Verantwortung des Wissenschaftlers gegenüber seinen Erkenntnissen) die pessimistische Sichtweise äußert: „Was einmal gedacht wurde, kann nicht mehr zurückgenommen werden.“

Sonntag, 5. Dezember 2010

Frankenstein: Hybris und Ehrgeiz

etzte Woche habe ich eine Vorlesung besucht, in der es u.a. um "Frankenstein" ging, einen Roman, den ich sehr mag und zu dem ich demnächst mal eine Rezension schreiben sollte.

Mein Professor lehnt es ab, die Erschaffung des "Monsters" durch Frankenstein als Hybris zu deuten, da Frankenstein eine durchaus ambivalente Figur ist, die durchaus ihre guten bzw. faszinierenden Seiten hat. Eine Erklärung mit Ehrgeiz, der sich über das dem Menschen (gegenüber den Göttern) zustehende Maß erhebt, würde - wenn ich meinen Professor richtig verstanden habe - für ihn eine Verdammung Frankensteins als Mensch bedeuten.

Ich deute Frankensteins Erschaffung des "Monsters" als Hybris (was besagter Professor übrigens auch weiß), betrachte diese jedoch eben nicht als einen Grund, der eine Verdammung Frankensteins rechtfertigen würde. Im Gegenteil halte ich einen solch starken Ehrgeiz für eine zutiefst menschliche Eigenschaft, die allein deshalb schon nicht in eine bloße Verurteilung derjenigen münden kann, bei denen diese Eigenschaft auftritt.

Die Ursache der Hybris sehe ich in der (ebenfalls zutiefst menschlichen) Sehnsucht nach Ewigkeit: Der Mensch kann oder will zunächst einmal nicht akzeptieren, dass nichts auf dieser Welt "für immer" ist, dass all sein Streben irgendwann im Vergessen verschwinden wird – spätestens dann, wenn es keine Menschen mehr gibt, sehr wahrscheinlich aber schon viel früher. Der Mensch sehnt sich danach, irgendeine "Spur" seines Lebens für die Nachwelt zurückzulassen, sei es durch soziale bzw. karitative Tätigkeit, durch das Hinterlassen eines Erbes, durch Nachkommen, durch besondere wissenschaftliche oder politische Leistungen usw.

Manche Menschen haben die Sinnlosigkeit eines solchen Strebens nach Ewigkeit erkannt. Sie richten ihre Bemühungen entweder darauf, "den Augenblick zu leben" – darauf, die Tätigkeit, die sie im Moment ausüben, möglichst bewusst und gut auszuüben – und streben nicht mehr nach Höherem. Oder sie richten nach der Erkenntnis, dass nichts "ewig" ist, ihr Streben auf eine spirituelle Instanz – etwa den christlichen Gott – und hoffen, die Ewigkeit, die sie in diesem Leben niemals erreichen können, in einem anderen, jenseitigen Leben zu erlangen.
Die letztere Möglichkeit erscheint mir als wenig geeignete Kompensation für das Streben nach Höherem in diesem Leben (obwohl ich ja an Gott glaube – aber so möchte ich den Glauben nicht verstanden wissen, das ist für mich eher Realitätsflucht). Die erstere dagegen ist weise.

Die beiden Möglichkeiten, die ich soeben angedeutet habe, treffen allerdings weder auf meinen Professor noch auf mich zu – sonst wäre er nicht Professor, und ich würde nicht studieren, sondern vermutlich in einem Heizungsinstallationsbetrieb ein Rohr zurechtschweißen. (Etwas, das mir manchmal durchaus noch erstrebenswert erscheint – vor allem dann, wenn ich gerade besonders viel geistig anstrengende Arbeit leisten muss. Körperliche Arbeit, bei der man sich konzentrieren muss, laugt geistig nicht aus.)

Sind mein Professor oder ich also "böse", weil wir ehrgeizig sind? – Nein, natürlich nicht. Der Gedanke wäre absurd. Wieso sollte also jemand "böse" sein, wenn wir ihn dem Vorwurf der Hybris aussetzen? Hybris ist die reinste, am stärksten übersteigerte Form des Ehrgeizes. Aber zwischen ihr und dem "gewöhnlichen" Ehrgeiz besteht nur ein gradueller Unterschied, kein Wesensunterschied. Beide sind Ausdruck einer Ewigkeitssehnsucht, die dem Menschen in diesem Leben versagt bleiben muss. Der Ehrgeiz als Ausdruck dieser Sehnsucht ist an sich weder gut noch böse, ebenso wie der Mensch an sich weder gut noch böse ist. Deshalb ist auch "Hybris" ein Begriff, der für mich keine bloße moralische Verdammung bezeichnet. Vor diesem Hintergrund bezeichne ich Frankensteins wissenschaftliches Streben, das in der Erschaffung des "Monsters" endet, als "Hybris".

Sonntag, 21. November 2010

Waterloo

Heute bin ich in einem Übersetzungstext aus dem Englischen mal wieder über Waterloo gestolpert.

Waterloo - manchmal frage ich mich, ob die wallonische Gemeinde wirklich wegen der Schlacht bei Waterloo (18. Juni 1815) so bekannt ist, die die endgültigen Niederlage Napoleons gegen die Engländer (General Wellington) und die Preußen (Feldmarschall Blücher) bedeutete - oder doch eher wegen des gleichnamigen ABBA-Songs, der eine Liebesbeziehung mit besagter verlorener Schlacht vergleicht, als Symbol für eine vernichtende Niederlage.

Und nein - man spricht den Namen der Stadt nicht englisch aus. Das "W" wird zwar wie im Englischen ausgesprochen, etwa wie das "w" in "wish" oder "will". Das "r" dagegen wird gerollt (es ist "rhotisch", sagen die Sprachwissenschaftler). Ansonsten spricht man den Namen genauso aus wie im Deutschen.

Die englische Aussprache von "Waterloo" weckt bei mir dagegen ganz andere Assoziationen... Jemand, den ich kenne, singt entsprechend beim Refrain des ABBA-Songs auch immer "Wa-wa-wa-wa-wa- Wasserklo" (water = Wasser, loo = Klo)... ;)

Diesen Witz konnte ich mir nun wirklich nicht verkneifen, angesichts des Welttoilettentags, der vor Kurzem wieder stattgefunden hat - Theomix hat darauf hingewiesen. Eine Entschuldigung an die Bewohner von Waterloo - es ist nicht beleidigend gemeint, sondern einfach nur witzig - und an alle ABBA-Fans, zu denen ich übrigens auch selbst gehöre.

Donnerstag, 11. November 2010

Konzert: Eric Fish

Hiermit endet hoffentlich meine nicht ganz freiwillige einmonatige Blog-Abstinenz. Sorry. Ich hatte letzten Monat wohl zu viel um die Ohren, aber jetzt geht es wieder.

Letzte Woche war ich zusammen mit einer Freundin auf einem Eric Fish-Konzert. Eric Fish ist Sänger und Musiker der Folk-/Metal-Band Subway to Sally. Ich kenne zwar einige Lieder von "Subway to Sally", hatte mich bisher aber kaum mit Eric Fishs Soloprojekt "Eric Fish & Friends" beschäftigt. Wenn mich besagte Freundin nicht eingeladen hätte, hätte ich also ein super schönes Akustikkonzert verpasst!

Besonders hat mir der Cellist gefallen, der sich "B.Deutung" nennt und seit dem aktuellen Album "Alles im Fluss" auf den Alben der Band zu hören ist. Seit ich Apocalyptica kenne, weiß ich zwar, dass mit diesem Instrument so gut wie nichts unmöglich ist, aber dass jemand das Cello tatsächlich auch mal hält wie eine Gitarre und mit einem Plektron anschlägt, habe ich auch noch nie gesehen.
Ja, ich wusste, dass das prinzipiell möglich ist - die Saiten verstimmen sich halt schneller als bei einer Gitarre - und dass ein paar Bands E-Celli statt E-Bässen verwenden. Aber ich finde es trotzdem immer wieder toll, wie vielseitig sich dieses Instrument verwenden lässt. Und mein eigenes Cello liebe ich sowieso! ;)

Freitag, 8. Oktober 2010

Was unwahrscheinlich war: Valentine

Eben bin ich über diese Nachricht gestolpert: "Valentine Romanski veröffentlicht am 15. Oktober 2010 ihre neueste Single 'Black Sheep' und am 29. Oktober ihr drittes Album 'Love Like Gold'".

"Wer ist Valentine?", werdet ihr euch nun vielleicht fragen. "Muss man die kennen?"

Nein, muss man nicht. Aber trotzdem, hier ist die Antwort: Valentine ist eine Berliner Popmusikerin, die Ende Mai 2005 ihre erste Single "Feel So Bad" veröffentlicht hat. Sie wurde in vielen Musikkritiken gelobt und ist auch mal bei Stefan Raab aufgetreten. So wurde auch ich auf sie aufmerksam - was eigentlich ziemlich unwahrscheinlich war, denn ich sehe mir keine Sendungen mit Stefan Raab an. (Einmal abgesehen vom "Bundesvision Song Contest" 2008, bei dem die Mittelalter/Folk/Metal-Band Subway to Sally für das Bundesland Brandenburg mit "Auf Kiel" aufgetreten ist und verdient auf den ersten Platz gewählt wurde.) Aber auf irgendeiner Internetseite bin ich dann doch auf einen Link gestoßen, der Valentines Auftritt zeigte.

"Feel So Bad" ist eine schöne, ruhige Ballade, die von Valentines Stimme und der Pianobegleitung lebt. Sie gefiel mir, also habe ich mir die gleichnamige Single gekauft. Diese enthält neben einer Radio-Version auch eine Demo von "Feel so Bad", auf der nur Valentine zu hören ist, wie sie singt und sich selbst auf dem Klavier begleitet. Die Demo-Version von "Feel So Bad" ist - soweit ich ihre Lieder kenne - Valentines schönster Song. Außerdem ist auf der Single das Lied "Sad" zu hören, das in eine ähnliche Richtung geht wie "Feel So Bad". Die Texte finde ich zwar nicht so gut, obwohl sie offenbar reale Erlebnisse Valentines verarbeiten, aber für eine Single, die etwas mehr als 12 Minuten dauert, reicht es mir, "nur" hübsche Musik geboten zu bekommen. (Die Single müsste es übrigens noch als mp3-Download bei diversen Internet-Musikshops geben.)

Nachdem ich die Demo-Version nicht gefunden habe, kann man sich hier die Single-Version von "Feel So Bad" anhören:



Die Meinungen zu Valentines ersten Album "Ocean Full of Tears" (2005) waren dann allerdings eher negativ. Ich habe reingehört und hatte auch den Eindruck, dass Valentines Stimme durch eine unzureichend abgestimmte Instrumentierung leider meistens untergeht. Als Pop-Album ist es sicher ganz in Ordnung, aber auf mich wirkte "Ocean Full of Tears" dahinplätschernd: eine hübsche Stimme, zugedeckt von Streichern und Schlagzeug. Damals habe ich zwar noch keinen Metal gehört, aber meine Ansprüche waren doch höher als das. Und "Emo-Musik" fand und finde ich in den meisten Fällen entweder langweilig oder nervend.

Valentine veröffentlichte danach noch drei Singles und ein weiteres Album, "Blue Merry-Go-Round" (2006), das jedoch nicht mehr an den relativen Erfolg von "Feel So Bad" und "Ocean Full of Tears" anknüpfen konnte. Es war still um sie geworden.

Aber kehren wir zurück ins Heute: Wer möchte, kann sich mit diesem offiziellen Link *klick* ein Live-Video und den Anfang eines Videoclips mit der Acoustic-Version von Valentines neuer Single "Black Sheep" anhören. Wobei ich von der Live-Version abraten würde. Die Acoustic-Version ist aber hübsch, und das Video dazu ist schön gemacht, obwohl es vom Artwork her doch an Avril Lavignes "Alice" erinnert. (Auch so ein Song, von dem ich nie erfahren hätte, wenn ich nicht Alan Rickman als Raupe in Tim Burtons "Alice in Wonderland hätte sehen wollen... xD)

Ich hoffe, dass es auf Valentines künftige Singles auch ein paar Acoustic-Versionen schaffen werden. Davon abgesehen ist ihre Musik für mich leider uninteressant.

Mittwoch, 6. Oktober 2010

Der Sar(r)azene

Ich bin gerade auf der Suche nach Karikaturen zum Thema Integration.



Aaah, was habe ich gelacht! :D

Ich lasse das jetzt einfach mal unkommentiert, bzw. ich lasse die Karikatur für sich selbst sprechen.

Mittwoch, 29. September 2010

Interview with Cardinal Richelieu

Als ich klein war, lief im Fernsehen eine Serie, deren englischer Titel "Dogtanian and the Three Muskehounds" heißt. Wie der Name schon sagt, wird im Wesentlichen die Geschichte von "D'Artagnan und den drei Musketieren" von Alexandre Dumas erzählt - nur, dass die Protagonisten überwiegend Hunde sind.

Kürzlich habe ich das folgende YouTube-Video entdeckt, das diese Serie und besonders die Figur des Kardinal Richelieu darin auf die Schippe nimmt.
Einige Äußerungen sind eindeutig zweideutig, aber insgesamt ist es eine total witzige Parodie. Und obwohl ich verstanden habe, worum es geht, finde ich die Stelle am witzigsten, in der Richelieu erzählt, dass er gefragt wurde, wie er seine spirituelle Rolle als Kardinal ausfüllen kann, wo er doch ein Hund ist und folglich keine Seele hat. Und die Stelle am Schluss, in der er sich über den Text des Thema-Songs der Fernsehserie lustig macht: "They certainly drunk their beer and swore!" (to swear = schwören/fluchen). :D


Interview with Cardinal Richelieu



Taking a break from his Machiavellian machinations and attempts to thwart Dogtanian and the Muskehounds, Cardinal Richelieu gives his thoughts on religion and also the behaviours of some of his peers...

Live from Paris

"After a busy day, extracting confessions, it was necessary to attach colours to the wicked creatures to stop them from licking or gnawing with the boons. I recall that once, after a particularly busy day, we ran out of the colours and I was forced to improvise. Luckily for me, I knew how to sail (?) on lampshades, so I was able to adapt them and use them as mock-shade (?) colours. I was quite pleased with myself about that one. Some really quick thinking on my part, I thought.
A friend once asked me how I manage to reckon with all my role as cardinal for the fact that I'm a dog, and consequently have no soul. They also wondered how I manage to sell the ideal of spiritual salvation in the afterlife through good deeds and apprehensive lifestyle to a congregation who are also dogs and therefore also lacked souls. I'm used to such questions, naturally, did have a very keen, in speech pervading response, pointing out the fact that faith allows me to rise above the fact that I'm canine. Unfortunately, I spotted a nearby cat and had to chase him out of the garden, before stopping to clean my own genitals with my tongue. I was therefore unable to reply. What a fauxpas!
Yes, yes, I remember! It went something like 'nanana, nanana, they drink their beer and swear they're faithful to their King...' Yes. Well, I don't know about 'faithful to their King', but they certainly drunk their beer and swore! Honestly, some of the language they use in the pub of an evening! I don't even know what a 'tally whacker' is. Do you know what a 'tally whacker' is? I don't."

Running text:
Later: Go-Go-Gadget terror charge! Inspector Gadget arrested in Kabul after expanding coat confusion
Coming up: She-Ra takes sexual discrimination claims to high court after finding out that she is paid less than He-Man
THIS JUST IN: Mr Benn to sue shopkeeper after Eunuch's costume has permanent side-effect

Dienstag, 28. September 2010

Neuer Haarschnitt

Heute war ich beim Friseur. Hier das Ergebnis:



Die Fotos sind ein bisschen überbelichtet und nicht ganz scharf, weil ich sie nur mit der Kamera an meinem Computer gemacht habe.

Irgendwie sehe ich älter aus als 21…

Sonntag, 26. September 2010

La raison, die Frucht der Erkenntnis?

Manchmal frage ich mich, ob die Frucht - ein Apfel war es ja wahrscheinlich nicht -, die Eva da vom Baum der Erkenntnis gepflückt hat, nicht genau das war, was Richelieu unter raison versteht (siehe vorangegangener Post)... Zum einen heißt es "Baum der Erkenntnis", zum anderen gibt es da diese frappierende klangliche Ähnlichkeit zwischen la raison und dem französischen Wort für die "Frucht", la raisin (auch wenn das mit dem althebräischen Original mit Sicherheit nul zu tun hat). Deshalb frage ich mich, ob Gott nicht vielleicht deshalb so wütend wurde, weil dem Menschen mit der Raison gleichzeitig die Macht gegeben war, Gottes Existenz in Frage zu stellen...

Auf den ersten Blick scheint das meiner sonstigen Auffassung zu widersprechen, wonach Gott den Menschen die Freiheit gegeben hat, sich in ihrem Leben dafür zu entscheiden, Gutes oder Böses zu tun.
Ich bin nämlich fest davon überzeugt, dass der Mensch an sich weder "gut" noch "böse" ist, sondern durch Anlagen und Umstände (seine "Um-Welt") eher in die eine oder in die andere Richtung gerät. Da ihm ja - wie Richelieu meint - von Gott die Raison gegeben ward, hat er die Fähigkeit, sich innerhalb eines von seiner Umwelt gesetzten Rahmens frei für das eine oder das andere zu entscheiden.

Ja, ich bin mir bewusst, dass ich damit die Vorstellung von einer "Erbsünde" verwerfe. Das bedeutet automatisch auch, dass ich die ganze Geschichte vom "Sündenfall" nicht so ganz ernst nehme und eher als Erfindung betrachte - einen Erklärungsversuch dafür, wie die Sünde in die Welt kam.
Und wo wir gerade dabei sind: Ich glaube auch nicht an den "Teufel". Menschen können schon teuflisch genug sein, da braucht man nicht auch noch übernatürliche Wesen. Der größte Kampf im Leben ist für mich ohnehin der gegen sich selbst - der darum, Gutes zu tun und Schlechtes zu unterlassen. Deshalb haben meine Überlegungen in diesem Post auch eher philosophisch-hypothetischen Charakter.

So, ich denke, das waren meine wesentlichen "undogmatischen" Gedanken. Der Schluss ist wieder etwas versöhnlicher und versucht, die Geschichte vom "Sündenfall" wieder ein Stück weit für mich zu retten:

Vielleicht hatte Gott in seiner Voraussicht ja bedacht, dass Eva den Apfel nehmen würde, und wollte vor allem wissen, ob der Mensch tatsächlich bereit ist, die Bürde der Freiheit - die "Vertreibung aus dem Paradies" - auf sich zu nehmen. Ob der Mensch bereit ist, den steinigen Weg zu wählen statt der Bequemlichkeit des Paradieses, in dem dem Menschen kein Schaden zugefügt werden kann, in dem er aber auch nicht selbstständig denken muss... Und als Eva den Apfel nahm, bestätigte sie die Antwort, die Gott ohnehin erwartet hatte...

Samstag, 25. September 2010

Richelieu und die Raison

In der vergangenen Zeit habe ich mich ein wenig mit dem raison-Begriff bei Kardinal Richelieu beschäftigt.

Wilhelm Mommsen, einer der bedeutendsten deutschen Historiker des 20. Jahrhunderts, weist in seinem Aufsatz "Richelieu als Staatsmann" darauf hin, dass die Begriffe raison und raisonnable, die bei Richelieu häufig auftreten, sich im Deutschen am ehesten entweder mit "Verstand" oder "Vernunft übersetzen lassen (vgl. HZ 127 (1923), S. 211 f.). Die Begründung, die Richelieu dafür gibt, dass man sich in der Staatsführung in erster Linie durch die Raison leiten lassen soll, ist in mehrfacher Hinsicht interessant und verdient es, einmal etwas ausführlicher zitiert zu werden:
La lumière naturelle fait connoistre à un chacun que, l’homme ayant esté fait raisonnable, il ne doit rien faire que par raison, puisqu’autrement il feroit contre sa nature, et, par conséquent, con-tre celuy mesme qui en est l’autheur.
Elle enseignent encore que, plus un homme est grand et eslevé, plus il doit faire estat de ce privilège et que moins il doit abuser du raisonnement qui constitute son estre, parce que l’avantage qu’il a sur les autres hommes contai[gne]nt à conserver ce qui est de la nature et ce qui est de la fin que celuy dont il tire son élévation s’est proposé.
De ces deux principles il s'ensuit clairement que l'homme doit souverainement faire régner la raison, ce qui ne requiert pas seulement qu'il ne fasse rien sans elle, mais l'oblige, de plus, à faire que tous ceux qui sont sous son authorité la révèrent et la suivent religieusement.
Cette conséquence est la source d'une autre qui nous enseigne qu'ainsy qu'il ne faut rien vouloir qui ne soit raisonnable et juste, il ne faut rien vouloir de tel que l'on ne fasse exécuter et où les commandemns ne soient suivis d'obéissance, parce qu'autrement la raison ne règneroit pas souverainement.

(Françoise Hildesheimer (Hrsg.), Testament politique de Richelieu (Société de l'histoire de France), Paris 1995, S. 245.)
Für alle, die entweder kein Französisch gelernt haben oder mit dem Schwierigkeitsgrad des Textes nicht zurechtkommen, folgt ein Auszug aus einer deutschen Übersetzung, die allerdings nicht zu 100% wörtlich ist:
Die natürliche Einsicht läßt jeden erkennen, daß, da der Mensch "raisonnable" geschaffen ist, er alles nur aus der Räson heraus tun darf, denn sonst würde er gegen seine Natur handeln und folglich gegen die Grundlage seines eigenen Wesens [wörtlich: gegen denjenigen selbst, der deren (d.h. der Natur) Schöpfer ist, Anm. Jary]. Sie lehrt weiter, daß, je größer und bedeutender ein Mensch ist, um so mehr muß er auf dieses Vorrecht halten, und um so weniger darf er das "raisonnement" mißbrauchen, das sein Wesen ausmacht, weil die Vorteile, die er vor andern voraus hat, ihn zwingen, das zu behaupten, was seiner Natur und dem Zweck dessen entspricht, dem er seine Erhöhung verdankt.
Aus diesen beiden Prinzipien geht klar hervor, daß, wenn der Mensch in hervorragender Weise "raisonnable" ist, so muß er in hervorragender Weise auch die Räson regieren lassen. Das aber erfordert nicht nur, daß er nichts ohne sie tut, sondern es verpflichtet ihn noch zu mehr, nämlich, daß alle, die unter seiner Herrschaft stehen, sie verehren und ihr gläubig folgen. Diese Folgerung ist die Quelle einer anderen, die uns lehrt, daß, wie man nichts wollen soll, was nicht "raisonnable" und gerecht ist, so darf man auch das nicht wollen, was sich nicht ausführen läßt, und wobei man, wenn man es befiehlt, nicht auf eine gehorsame Befolgung der Gebote rechnen kann, weil sonst die Räson nicht unumschränkt herrschen würde.

(Wilhelm Mommsen (Hrsg.), Richelieu, Politisches Testament und Kleinere Schriften. Übersetzung von Frieda Schmidt (Klassiker der Politik 14), Berlin 1926, S. 167.)
Die meisten neueren Historiker sind sich mittlerweile einig, dass Richelieus Glaube tief in seiner Persönlichkeit verwurzelt war und beileibe nicht die geringe Rolle gespielt hat, die ihm z.B. noch Wilhelm Mommsen zugesprochen hat. Für Richelieu fußt der Staat auf Gott, und die Raison ist ein Geschenk Gottes an die Menschen. Da der Mensch also als vernunftbegabtes Wesen geschaffen wurde, muss er auch seiner Natur, d.h. der Raison, folgen. Der Raison zu folgen bedeutet gleichzeitig, gerecht zu handeln und Gottes Willen zu entsprechen. Deshalb räumt Richelieu der Raison einen so hohen Stellenwert ein, dass er fordert, Untergebene müssten dazu gebracht werden, ihr "gläubig" zu folgen.

Richelieu war ein überaus rational denkender Mensch, der vor jeder Entscheidung das Für und Wider abgewogen hat, aber - zumindest nach Einschätzung vieler neuerer Historiker - gleichzeitig gläubiger Katholik, wenn auch kein dogmatischer. In dieser Hinsicht ist er mir, einer ebenfalls rational denkenden Katholikin, sehr sympathisch.
In anderen Hinsichten sieht die Sache wieder ganz anders aus, deshalb beschränke ich mich hier bewusst auf seinen Rationalismus. Außerdem hielt er Frauen generell - bedingt durch eigene Erfahrungen mit gewissen Regentinnen - für ziemlich irrational und impulsiv. Frauen, die sich zum Regierungsgeschäft eignen, wie Elisabeth I. von England, galten ihm als Ausnahme. Anstatt zu denken, dass es bei Frauen wie bei Männern solche gibt, die sich als Regentinnen eignen, und solche, die es nicht tun... Aber gut.

(Dieser Eintrag dient dazu, den morgigen vorzubereiten.)

Mittwoch, 22. September 2010

Desktophintergrund: Genfer See

Gerade haben es mir Bilder des Genfer Sees angetan. Gewässer symbolisieren für mich Freiheit, Berge haben für mich etwas Einengendes (auch wenn man ein Gebirge als undurchdringlichen Rückzugsraum und deshalb ebenso als Symbol für Freiheit interpretieren könnte). Ein See mitten in einem Gebirge drückt deshalb für mich ein besonders reizvolles Spannungsverhältnis aus. Deshalb verwende ich gerade zwei Bilder des Genfer Sees als Desktophintergrund.

Das folgende Bild benutze ich für meinen Mac:


Hier könnt ihr es euch "in groß" anschauen: http://commons.wikimedia.org/wiki/File:Lac_Léman.jpg (und wenn ihr dann noch mal auf das Bild klickt, bekommt ihr die Anzeige in voller Größe - 2048 × 1536 px).

Für mein Netbook verwende ich dieses Bild:


Die volle Auflösung gibt es hier zu sehen: http://de.academic.ru/pictures/dewiki/71/Genfersee_bei_montreux_2004_pischdi.JPG (2240 x 1680 px).

Welches Bild verwendet ihr gerade als Desktophintergrund? Habt ihr auch bestimmte "Themen" wie Wasser, Berge, Bäume etc., die euch besonders gefallen? Oder verwendet ihr als Desktophintergründe Kunst, Wallpapers von Bands etc.?

Samstag, 18. September 2010

Englische Eselsbrücken

Anlässlich des Papstbesuches in Großbritannien war vorgestern ein Kommentar in der New York Times, der mit den folgenden Zeilen beginnt:
A side benefit of a British education used to be learning the mnemonics helpful for sifting through events on this blustery island since 1066. One ditty lists all the kings and queens, ending with the catchy “Ned, George, Ned, George, at whose death came a second Elizabeth.”

Another addresses the fate of the six wives of Henry VIII: “Divorced, beheaded, died/ Divorced, beheaded, survived.”
Der Spruch ist als Merkhilfe ja nicht schlecht! :D

Zum Artikel: Natürlich geht es weiter mit einer kurzen Erklärung zur Abspaltung der Anglikanischen von der katholischen Kirche wegen der Entfremdung Heinrichs VIII. gegenüber seiner ersten Frau, Katharina von Aragón, die ihm keinen männlichen Thronfolger gebären konnte. Da Papst Clemens VII. Heinrichs Scheidung von Katharina ablehnte, trennte sich die Anglikanische Kirche ab 1534 von Rom - obwohl Heinrich selbst eigentlich ein zutiefst katholischer Mensch war und sogar für eine lateinische Verteidigung der sieben Sakramente von dem früheren Papst Leo X. den Ehrentitel "Defensor fidei" (d.h. "Verteidiger des Glaubens") bekommen hatte.

(Gut, so genau ist der Artikel nicht, einiges sind auch meine eigenen Ergänzungen - obwohl auch die nur eine grobe Zusammenfassung sind.)

Dann kommt die Überleitung, in der der Kommentator Kritik an der Unfähigkeit der katholischen Kirche zu Reformen wie der Abschaffung des Zölibats oder der Einführung des Frauenpriestertums und vor allem an fehlenden ernsthaften Entschuldigungen der Kirchenoberen für die Missbrauchsskandale übt.

Wer den Kommentar nachlesen möchte: A Pope in a Schismatic Isle *klick*

Mittwoch, 15. September 2010

Handschriftendeutung aus dem Internet #2

Vor über einem Jahr, am 26. April 2009, habe ich schon einmal eine Handschriftendeutung gepostet. (Ihr könnt sie *hier* nachlesen.) Kürzlich wurde ich dann darauf aufmerksam gemacht, dass es auch auf brigitte.de gerade einen graphologischen Test gibt: http://www.brigitte.de/job-geld/karriere/graphologie-1016673/ Normalerweise mache ich um Frauenzeitschriften und ihre Webpräsenzen ja einen großen Bogen und hätte das selbst wahrscheinlich nie gemerkt.

Nun gut, ich habe den Test mal zum Vergleich ausprobiert. Das ist mein Ergebnis:


Sie gehen mit Sorgfalt und Überlegung an Ihre Vorhaben heran. Sie denken realistisch und arbeiten gründlich. An Gewohntem halten Sie gern fest. Auf andere können Sie etwas unbeweglich und unentschieden wirken.

Sie haben eine gute Kombinationsgabe. Ihre Denkweise ist praktisch und folgerichtig. Was sie angefangen haben, führen Sie zu Ende, ohne sich stören zu lassen. Im Verhalten sind Sie eher konservativ. Sie können sich gut anpassen und fühlen sich wohl in einer Gemeinschaft mit gutem sozialem Umfeld.

Sie stecken voller Lebensfreude, sind tatkräftig und energiegeladen. Für Ihre Vorhaben setzen Sie sich mit Engagement und Entschlossenheit ein. Im mitmenschlichen Bereich erlebt man Sie kontaktfreudig, spontan und verantwortungsbewusst. Sie können aber auch eigensinnig sein und Ihren Willen gegen Widerstände durchsetzen.

Sie betrachten die Dinge nüchtern und sachlich. Im Denken sind Sie präzise und scharfsinnig, im Handeln bestimmt und zuverlässig. Ihren Mitmenschen gegenüber sind Sie vorsichtig und zurückhaltend.

Mit dem unerschütterlichen Willen zu Pflicht, Disziplin und Ordnung arbeiten Sie zuverlässig und mit einem guten Durchhaltevermögen. Sie sind bereit, sich Regeln zu unterwerfen und sich nach gesellschaftlichen Normen und Geboten zu richten.

Sie sind ein vorsichtiger Mensch, der seine Probleme nicht offen zur Schau stellt. Schwierige Situationen meistern Sie mit Beherrschung und Haltung. Belastungen können Sie gut aushalten.

Sie sind gewissenhaft und arbeiten konzentriert, zuverlässig und sorgfältig.

Engagiert und interessiert wenden Sie sich neuen Aufgaben zu. Sie sind weltoffen, kontaktfreudig und aufnahmebereit.

Ein Test von Christiane Sarreiter, www.graphologische-gutachten.de.


Wie bei dem ersten Test finde ich, dass die Aussagen ungefähr zutreffen; sie sind sich in manchen Formulierungen auch sehr ähnlich. Und wie bei ihm, so gilt auch bei diesem Test, dass die Deutungen nur bedingt eindeutig sind und dass es zu Widersprüchen kommen kann, weil nach dem Baukastensystem und mit begrenzten Merkmalen vorgegangen wurde.
So kommt es wohl auch zu den Aussagen "unbeweglich und unentschieden" und "konservativ", während ich unten als "weltoffen, kontaktfreudig und aufnahmebereit" beschrieben werde. Letzteres trifft meiner Meinung nach eher zu. Ein ehemaliger Lehrer von mir meinte zwar einmal, im Grunde seien alle Bayern irgendwie konservativ - selbst die linkesten SPDler - aber ich würde mich trotzdem nicht als "konservativ" bezeichnen. :D

Allerdings weiß ich nie, ob ich bei der Schrift nun "gerade" oder "nach rechts geneigt" nehmen soll, weil ich Linkshänderin bin, aber grundsätzlich immer das Blatt schräg halte, sodass ich schneller schreiben kann. Damit neigt sich meine Schrift automatisch nach rechts, obwohl sie eigentlich gerade ist.

Samstag, 11. September 2010

Rezension bei "Sternenzeit": Online-Schreibset "Black Pen"

Heute wurde auf dem Blog meiner Freundin Yve, "Sternenzeit", ein von mir geschriebenes Review über das Schreibset "Black Pen" (Füller und Kugelschreiber) von Online veröffentlicht.
Ein kleiner Auszug daraus:

Online Schreibset "Black Pen" (Füller und Kugelschreiber)

[...]

Black Pen Schreibset von Online
Bildquelle: http://www.online-pen.com
Technisches

Feder- und Minenstärke sind M; es handelt sich also um zwei Standardmodelle. Wahlweise passen eine große oder zwei kleine Online-Tintenpatronen in den Füller. Da die Verschlusskappe des Füllers sehr leicht ist, kann man sie beim Schreiben bequem an dessen hinteres Ende stecken. So kann sie beim Schreiben nicht vom Tisch heruntergestoßen werden.

Wie erwähnt, habe ich die ursprüngliche Feder durch eine Linkshänderfeder ausgetauscht. Federn für Linkshänder schreiben bei Online allgemein etwas breiter als Rechtshänderfedern, was ich persönlich sehr angenehm finde. Die Feder schreibt weich und die Tinte verschmiert nicht, wenn ich beim Weiterschreiben mit meinem Handgelenk über das Geschriebene wische.

Beim Schreiben drücke ich stark auf, weshalb ich Kugelschreiber normalerweise sehr ungern benutze, da sie nicht in der Art und Weise nachgeben wie eine Feder. Hier ist das aber auch nicht nötig: Der Kugelschreiber schreibt weich wie Butter - selbst dann, wenn ich ihn auf einer harten Unterlage benutze! Auch bei längeren Schreibeinsätzen bleiben meine Gelenke geschont. Ich besitze ihn nun schon seit einigen Monaten, und er schreibt nach wie vor absolut klecksfrei.

[...]

Die ganze Rezension könnt ihr hier *klick* nachlesen.

Schaut doch mal auf "Sternenzeit" vorbei!
Yve berichtet über getestete Schreibgeräte, über die Jugendbücher, die sie schreibt, und aus ihrem Alltag. Außerdem hat sie auf ihrem Blog vor Kurzem eine Online-Fortsetzungsgeschichte mit dem Titel "Zwischen den Grenzen" begonnen.

Mittwoch, 8. September 2010

Wie John Grisham zum Schreiben kam

In der New York Times vom Montag, 6. September 2010, ist ein Beitrag des Bestsellerautors John Grisham erschienen. Darin beschreibt Grisham, wie er nach mehreren Jobs - u.a. als Asphaltierer, Unterwäscheverkäufer, Kleinstadtanwalt und Lokalpolitiker - eher zufällig zum Schreiben kam. Vielleicht ist dieser Artikel eine Ermutigung und ein Ansporn für andere, die ebenfalls schreiben möchten, die vielleicht auch eher zufällig dazu gekommen sind und die das Schreiben auch immer wieder vor Schwierigkeiten stellt.

Ich zitiere mal die vier entscheidenden Absätze und gebe darunter meine eigene deutsche Übersetzung (mittlerweile bin ich im Englisch-Deutsch-Übersetzen recht flott):
Like most small-town lawyers, I dreamed of the big case, and in 1984 it finally arrived. But this time, the case wasn’t mine. As usual, I was loitering around the courtroom, pretending to be busy. But what I was really doing was watching a trial involving a young girl who had been beaten and raped. Her testimony was gut-wrenching, graphic, heartbreaking and riveting. Every juror was crying. I remember staring at the defendant and wishing I had a gun. And like that, a story was born.

Wie die meisten Kleinstadtanwälte träumte ich von dem großen Fall, und 1984 kam er endlich. Nur war der Fall diesmal nicht meiner. Wie gewöhnlich lungerte ich um den Gerichtssaal herum und tat so, als sei ich beschäftigt. Aber in Wirklichkeit schaute ich einer Verhandlung zu, an der ein junges Mädchen beteiligt war, das geschlagen und vergewaltigt worden war. Ihre Zeugenaussage war grauenerregend, anschaulich, herzzerreißend und fesselnd. Jedes Jurymitglied weinte. Ich erinnere mich daran, den Angeklagten angestarrt zu haben und mir gewünscht zu haben, ich hätte eine Waffe. Und so wurde eine Geschichte geboren.

Writing was not a childhood dream of mine. I do not recall longing to write as a student. I wasn’t sure how to start. Over the following weeks I refined my plot outline and fleshed out my characters. One night I wrote “Chapter One” at the top of the first page of a legal pad; the novel, “A Time to Kill,” was finished three years later.

Das Schreiben war kein Kindheitstraum von mir. Ich erinnere mich nicht daran, dass ich mich als Student danach gesehnt hätte, zu schreiben. Ich war mir nicht sicher, wie ich anfangen sollte. Während der folgenden Wochen entwickelte ich meinen Handlungsentwurf weiter und arbeitete meine Charaktere aus. Eines Nachts schrieb ich "Kapitel Eins" oben auf die erste Seite eines juristischen Blocks; der Roman "A Time To Kill" (dt. "Die Jury", wurde auch verfilmt, Anm. d. Ü.) wurde drei Jahre später fertig.

The book didn’t sell, and I stuck with my day job, defending criminals, preparing wills and deeds and contracts. Still, something about writing made me spend large hours of my free time at my desk.

Das Buch verkaufte sich nicht, und ich blieb bei meinem Hauptberuf, verteitigte Kriminelle, bereitete Testamente und Urkunden und Verträge vor. Dennoch hatte das Schreiben etwas, das mich beträchtliche Stunden meiner Freizeit an meinem Schreibtisch verbringen ließ.

I had never worked so hard in my life, nor imagined that writing could be such an effort. It was more difficult than laying asphalt, and at times more frustrating than selling underwear. But it paid off. Eventually, I was able to leave the law and quit politics. Writing’s still the most difficult job I’ve ever had — but it’s worth it.

Ich hatte nie in meinem Leben so hart gearbeitet und mir auch nie vorgestellt, dass das Schreiben so anstrengend sein könnte. Es war schwieriger, als Asphalt zu legen, und zeitweise frustrierender als Unterwäsche zu verkaufen. Aber es zahlte sich aus. Schließlich konnte ich die Juristerei verlassen und aus der Politik ausscheiden. Das Schreiben ist nach wie vor der schwierigste Beruf, den ich je hatte — aber das ist es wert.
Man kann den Artikel "Dreams of a Desk Job" ("Träume von einem Schreibtisch-Job") auch online lesen. Hier ist der Link: http://www.nytimes.com/2010/09/06/opinion/06Grisham.html?th&emc=th

Dienstag, 7. September 2010

Alltagsfreuden

Blogeinträge, bei denen ich über mich selbst schreibe und nicht über meine Meinung zu irgendetwas, sind bei mir ja relativ selten. Heute ist es aber mal Zeit für einen, weil mir kürzlich ein paar nette Dinge passiert sind.

Heute mittag bin ich durch die Augsburger Fußgängerzone gegangen. Ich wollte wegen einer CD zu Müller und bin auf dem Weg dorthin dem Vorsitzenden der Friedrich-Naumann-Stiftung und ehemaligen FDP-Vorsitzenden Wolfgang Gerhard über den Weg gelaufen. Dass er die Tage in Augsburg ist, hatte ich zwar noch im Hinterkopf, hätte aber natürlich nicht erwartet, dass ich zufällig am selben Ort sein würde wie er. So, wie es aussah, hat er sich die Hausfassaden über den Geschäften angeschaut; sie sind ja auch sehr schön.

Da sie die CD, die ich gesucht hatte, bei Müller nicht hatten, bin ich noch zu Karstadt gegangen. Es gab sie dort zwar auch nicht, aber dafür das CD/DVD-Package "Nights from the Alhambra" von Loreena McKennitt, das ich schon ziemlich lange gesucht hatte. Bisher hatte ich immer nur entweder die DVD oder die Doppel-CD gesehen. Trotz des stolzen Preises von 26,99 € bin ich damit zur Kasse gegangen - und habe dort erfahren, dass "Nights from the Alhambra" auf 9,99 € heruntergesetzt war! Der Aufkleber war noch nicht ausgetauscht worden.

Am meisten gefreut habe ich mich aber schon gestern Abend - über eine sehr freundliche E-Mail, die mir ein Dozent wegen der Hausarbeit, die ich bei ihm schreibe, gesendet hat. :) Er hat mir heute auch zwei Bücher und einige Aufsätze zur Verfügung gestellt, die ich kopiert habe (universitätsintern ist das ja vollkommen legal). Außerdem war ein Buch, das ich seit einer Woche suche, wieder in der Bibliothek!

Montag, 6. September 2010

Nachrichten: Dominik Brunner, Nino Haase

An dieser Stelle möchte ich kurz auf zwei sehr unterschiedliche Nachrichten eingehen.

Zum einen ist heute das Urteil im Prozess um den Tod des Dominik Brunner gefallen. Brunner ist vor fast genau einem Jahr (am 12. September 2009) auf einem Münchner S-Bahnhof im Zuge einer Schlägerei mit zwei jungen Männern gestorben, als er vier Jugendlichen helfen wollte, die von den beiden Männern bedroht worden waren.

Hier ein Artikel auf BR-online:
"Tödliche Attacke am S-Bahnhof Solln: Hohe Strafe für die Angeklagten" *klick*

Ich finde das Urteil von neun Jahren für den älteren Angeklagten und sieben Jahren für den jüngeren, bereuenden angemessen. Außerdem bin ich gerade über diesen Teil der Urteilsbegründung sehr froh:
Das Gericht begründete das Urteil unter anderem damit, dass die Angeklagten sich während der S-Bahnfahrt laut über die Möglichkeit unterhalten hätten, vier Schüler auszurauben. Brunner hätte die Angeklagten deshalb angesprochen und gesagt, sie sollten die Schüler in Ruhe lassen. Die Angeklagten, so das Gericht, hätten sich jedoch stark gefühlt und seien es nicht gewohnt gewesen, dass ihnen jemand widersprach. Sie hätten Dominik Brunner beleidigt und keine Anstalten gemacht, sich von ihrem Plan abhalten zu lassen.

Dominik Brunner hätte befürchtet, dass am Bahnhof Solln der angekündigte Angriff stattfinden werde. Der Manager hätte sich vorbereitet und eine Boxhaltung eingenommen. Die Angeklagten seien auf Brunner und die vier Schüler mit Grinsen und provozierenden Sprüchen zugegangen. "Dominik Brunner handelte klar in Notwehr", so die Staatsanwaltschaft. Laut Staatsanwältin wären die Angeklagten in der Lage gewesen, an Brunner und den Jugendlichen vorbeizugehen.
Damit wird der Vorwurf, Brunner sei quasi für seinen Tod selbst mitverantwortlich, weil er offenbar zuerst zugeschlagen hat, hoffentlich verpuffen.

Außerdem bin ich froh, dass die unerkannte Herzerkrankung Brunners vom Gericht als rechtlich unerheblich eingeschätzt worden ist. Ich hätte es erschreckend gefunden, wenn sie als strafmildernd anerkannt worden wäre. Was wäre denn, wenn man über einen Menschen, der so viel Zivilcourage gezeigt hat wie Brunner, am Ende sagen würde: "Selber schuld, dass er tot ist - was hat er sich auch eingemischt?" Das wäre eine fatale Entmutigung, Zivilcourage zu zeigen, und gleichzeitig eine Beleidigung für jeden mutigen Menschen.
Ich finde es ohnehin sehr traurig, dass offenbar so viele Menschen auf diesem S-Bahnhof waren und keiner eingegriffen hat. Aber das ist ja offenbar leider ein Phänomen, das Psychologen generell beobachten: Je mehr Menschen am Ort eines Verbrechens sind, desto geringer ist die Wahrscheinlichkeit, dass einige von ihnen helfen, statt wegzusehen.

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Bei der zweiten Meldung habe ich zuerst gezögert, ob ich sie nach meinem Beitrag über Dominik Brunner überhaupt erwähnen soll. Doch sie setzt vielleicht so etwas wie einen positiven Gegenakzent:

Der Mainzer Chemiedoktorand Nino Haase, der vor eineinhalb Jahren in der Unterhaltungsshow "Schlag den Raab" drei Millionen Euro gewonnen hat, ist auf dem Teppich geblieben und verfolgt weiterhin sein Dissertationsprojekt über Halbleiter. Ein Luxusleben ohne Arbeit kann er sich nicht vorstellen.

Eine dpa-Meldung bei der "Augsburger Allgemeinen":
"'Schlag den Raab'-Gewinner: Was tun mit drei Millionen?" *klick*

Diese Meldung sticht meiner Meinung nach wohltuend aus all dem Unsinn heraus, der über sogenannte "It-Girls" wie Paris Hilton, Daniela Katzenberger oder andere B-Promis geschrieben wird. Ein sehr sympathischer junger Mann.

Freitag, 3. September 2010

Omnias heidnisches Ritual

Heute ist die neueste Ausgabe der "Raven Times", der Fanzeitschrift der niederländischen Pagan Folk Band Omnia, in meinen Briefkasten geflattert. Omnia machen schöne, natürliche Folk-Musik und haben auch noch eine Menge Humor - ein Zitat von der Rückseite ihres Albums "Pagan Folk" (2006): "This CD has been tested on animals; they loved it." Sie sind Anhänger eines von ihnen selbst "erfundenen" heidnischen Glaubens, "Free-Paganism", und haben in besagtem Fanbrief eines ihrer "heidnischen Rituale" vorgestellt:
Wann immer Ihr Euch in einem Park oder in einem Wald oder irgendeinem anderen Teil der Natur inmitten von Menschen befindet, nehmt eine Papier- oder Plastiktüte mit.
Und wenn Ihr dann irgendwelchen unvermeidbaren menschlichen Müll herumliegen seht (Fast Food/Mc Donalds Verpackungen, leere Bier und Softdrink/CocaCola Dosen und all den anderen Scheiß der von dieser Wegwerfgesellschaft so produziert wird), dann hebt Ihr ihn einfach auf und sammelt ihn in Eurer Mülltüte (oder in Euren Händen, wenn Ihr den Beutel vegessen habt, wie ich manchmal) Und mit jedem Stück an nicht biologisch abbaubarem Müll, den Ihr aufhebt, tut Ihr dem wahren Geist des Lebens einen großen Gefallen, Ihr tut den Tieren und den Pflanzen einen Gefallen und wenn Ihr mal darüber nachdenkt, dann tut Ihr Euch selbst auch einen Gefallen. Meditiert während Ihr tut, über was Ihr tut, dankt der Natur, dass sie Euch diesen wundervollen Platz beschert hat und seid Euch darüber bewusst, dass dieses „Reinigungsritual“ eigentlich ein sehr starkes Gebet ist (auch wenn die meisten nackten Affen Euch hierbei nicht zustimmen würden oder Euch sogar auslachen oder mit negativen Kommentaren belegen werden), weil es für die meisten ignoranten Menschen als „stark“ gilt, ihren Scheiß einfach in die Gegend zu schmeißen und es ist eher „schwach“ sauber zu machen. Aber das macht nichts….Ihr tut es, um Mutter Natur zu danken...und wenn Du die Natur schätzt, dann schätzt sie auch Dich.
Das ist doch mal ein Ritual! :D Und wie auch immer man zu Paganism stehen mag - gut für die Umwelt ist das auf jeden Fall! Ich Anhängerin des Christentums werde mich das nächste Mal, wenn ich irgendwelchen Unrat in der freien Natur aufhebe, daran erinnern. ;)

Und damit ich diesmal nicht nur über die Band rede, sondern auch eine Hörprobe gebe, kann man sich an dieser Stelle Omnias wunderschöne Vertonung des großartigen Gedichts "The Raven" von Edgar Allan Poe (1809-1849) anhören:


Die neueste Omnia-CD, "Wolf Love", erscheint - wie "Poetry for the Poisoned" von Kamelot - am 10. September.

Mittwoch, 1. September 2010

Kamelot

An dieser Stelle möchte ich einmal allgemein über eine meiner Lieblingsbands schreiben: Kamelot.

Kamelot - Poetry for the Poisoned
Poetry for the Poisoned
Zum einen, weil ich mich schon sehr auf das Release ihres neuesten Albums Poetry for the Poisoned freue, das am 10. September in Deutschland erscheinen soll. Zum anderen, weil ich diese großartige Band anderen vorstellen möchte, die vielleicht noch nie etwas von Kamelot gehört haben, mit Metal möglicherweise noch nicht so in Berührung gekommen sind oder diese Art der Musik sogar für "Lärm" halten.
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Kamelot wurden 1991 in Tampa (US-Bundesstaat Florida) gegründet und brachten 1995 ihr erstes Album Eternity heraus, dem zwei Jahre später Dominion folgte. Auf den ersten Alben war ihr Stil noch nicht so ausgefeilt wie heute, und die Songtexte drehten sich vorwiegend um Fantasy bzw. Sagen und Erzählungen.

Roy Khan (Kamelot, Conception)
Roy Khan
Dann verließen der Schlagzeuger Richard Warner und der bisherige Sänger Mark Vanderbilt die Band. Neu hinzu kamen der Casey Grillo (Schlagzeug) und der norwegische Sänger Roy Sætre Khantatat (*12. März 1970), genannt Roy Khan.
Khan hatte drei Jahre lang Operngesang studiert und vor Kamelot für die norwegische Metal-Band Conception gesungen, mit der er vier Alben veröffentlicht hatte. Ich mag seine Stimme sehr. Seine professionelle Ausbildung als Opernsänger merkt man ihm an: Die Tonhöhen, die er gerade im Falsett (d.h. mit Kopfstimme) erreicht, sind manchmal schon... beachtlich.
Ja, ich bin nicht nur Kamelot- sondern auch Khan-Fan. ;)

Roy Khan sang das dritte Kamelot-Album Siège Perilous ein, das 1998 veröffentlicht wurde und noch sehr den Geist der frühen Kamelot-Jahre atmet. Songs wie "Parting Visions" sind einfach toll, aber leider ist die Abmischung nicht so gelungen, sodass die Tonqualität nicht die beste ist. :(

Kamelot - The Fourth Legacy
The Fourth Legacy
Auch das vierte Album The Fourth Legacy beschäftigt sich inhaltlich noch viel mit (historischer) Fantasy; so handelt z.B. "Nights of Arabia" von Scheherazade (persisch شهرزاد‎ - šahrzād).
Khan, der nun zusammen mit Thomas Youngblood das Songwriting übernahm, hat dem Album allerdings schon einen ersten Stempel aufgedrückt: Die Musik ist komplexer als auf den vorherigen Alben, und auch die Texte sind bereits tiefgründiger.
Meine Lieblingssongs auf diesem Album sind die Ballade "A Sailorman's Hymn" und "Lunar Sanctum": There's a piece of truth for everyone / Give me something to die for / Like a sacrifice for days bygone...

Auf ihrer "New Allegiance Tour" durch Europa im Jahr 2000 nahmen Kamelot ihr erstes Live-Album auf, The Expedition. Leider ist es derzeit nur gebraucht oder zu horrenden Sammlerpreisen erhältlich.

Kamelot - Karma
Karma
2001 veröffentlichten Kamelot dann ihr Album Karma, das viele Fans bis heute als ihr bestes betrachten. (Ich selbst kann mich nicht zwischen Karma und den beiden darauffolgenden Alben entscheiden, tendiere aber zu The Black Halo.) Karma erhält eine Referenz an den großen norwegischen Komponisten Edvard Grieg (Romantik), der besonders für seine Peer Gynt Suiten bekannt ist: Der Refrain des Songs "Forever" hat dieselbe Melodie wie "Solveigs Sång" von Grieg (Peer Gynt Suite No. 2, Op. 55 bzw. 23).
Insgesamt ist die Musik nun ausgefeilt, komplex, aber gleichzeitig eingängig - wie man es von Kamelot seitdem gewohnt ist. Die Texte sind nun weniger fantasylastig und beschäftigen sich stärker mit grundlegenden Problemen und Gefühlen der menschlichen Existenz - ein Markenzeichen der Kamelot-Lyrics. Bewegendes Glanzstück ist die Ballade "Don't You Cry", die Thomas Youngblood für seinen verstorbenen Vater geschrieben hat. Mir persönlich gefällt "Wings of Despair" besonders gut: Conquer the silence you fear / Tomorrow will not fade to black / Remember / No one's controlling your fate!

Kamelot - Epica
Epica
Zwei Jahre später, 2003, wurde Epica veröffentlicht, das wie der Nachfolger The Black Halo (2005) auf Goethes "Faust" basiert. Beide Alben verarbeiten die Thematik frei: So heißt Faust "Ariel", und "Helena" (statt Gretchen) ertränkt sich und ihr ungeborenes Kind. Textlich liegt der Schwerpunkt auf Ariels bzw. Fausts Streben nach letzter Erkenntnis, danach, zu "erkenne[n], was die Welt / Im Innersten zusammenhält" (Faust I, V. 382 f.); hier: die universal truth zu finden. Durch Wissenschaft, Alchemie und Religion konnte Faust/Ariel diese Wahrheit nicht erstreben. Doch auch seine Bindung an den Teufel Mephisto bringt ihn seinem Ziel nicht näher...

Für Epica möchte ich vor allem "Center of the Universe" hervorheben, meinen Lieblingssong von Kamelot. Das Streicher-Pizzicato zu Beginn des Songs ist ein echter Ohrwurm, und der Text ist einfach schön: If the war by Heaven's Gate released desire / In the line of fire someone must have known / That a human heart demands to be admired / 'Cause in the Center of the Universe / We are all alone... Außerdem liebe ich "Wander" (Silently we wander / In search of truth and confidence / So many hopes were lost here / Along the way / From morning to night...) und besonders "The Mourning After": Carry on / Carry on / Meet me on the other side / Once the mourning after turns to day... So schön! ♥

Kamelot - The Black Halo
The Black Halo
Aber alle Songs sind schön. Auch auf The Black Halo. Darauf mag ich besonders „The Haunting (Somewhere in Time)“, ein Duett von Roy Khan und Epica-Sängerin Simone Simons. (Epica, ebenfalls eine Lieblingsband von mir, hat sich übrigens nach dem gleichnamigen Kamelot-Album benannt.) Außerdem liebe ich die Ballade „Abandoned“: Why, oh why my God / Have you abandoned me / In my sobriety / Behind the old facade / I’m your bewildered child / So take me cross the river wide…

Auf der "Black Halo World Tour" wurde in der norwegischen Hauptstadt Oslo die Live-CD/DVD One Cold Winter's Night (2006) aufgenommen. Sie ist grandios geworden, und ich sehe sie mir immer wieder gerne an. Wenn Khan z.B. "Elizabeth" singt, einen Song von Karma, auf dem die verschiedenen Facetten seine Stimme besonders gut zur Geltung kommen, kann ich manchmal nur mit offenem Mund vor dem Bildschirm sitzen - besonders bei der "ah"-Passage zu Beginn...

Kamelot - Ghost Opera
Ghost Opera
2007 erschien dann das achte Kamelot-Album Ghost Opera. Im Gegensatz zu Epica und The Black Halo ist es kein Konzeptalbum, enthält aber ebenfalls wunderbare Musik und mit "The Human Stain" einen der besten Kamelot-Texte überhaupt. Hier ein längeres Zitat:
Talk about the growing hunger
Ask why with deep concern
Don't you think
The human race is ceaselessly vain

[...]

Hear the ticking of a clock
The sound of life itself
No one really wants to die
To save the world

Tell me that you're torn asunder
From how we fail to learn
And tell me
As the earth goes under
Where's your anger now?

[...]

Cause it costs to be alive, my friend
And this life that someone merely gave to you
That's the price you pay
Minute by minute
You beg for a minute more
 

Wie wahr! Wie wahr.

Montag, 30. August 2010

Rezension: Ich, Adrian Mayfield

von Floortje Zwigtman

Der 17-jährige Adrian Mayfield verliert seine Anstellung im Herrenmodepalais des Griechen Victor Procopius. Daran ist er zwar selbst nicht ganz unschuldig und die anstrengende Arbeit ist ihm verhasst, doch nun steht er auf der Straße - so kann es auch nicht weitergehen! Und was wird erst seine Mutter sagen, die sich so sehr darum bemüht hat, dass er die Anstellung bei Procopius bekommt?

Adrian weiß sich nicht anders zu helfen, als sich an den fülligen Maler Augustus Trops zu wenden: einen Kunden von Procopius' Laden, der ihm angeboten hat, für sich Modell zu sitzen - mit gewissen Hintergedanken.

Bei Trops fällt Adrian eine herumliegende Ausgabe von Oscar Wildes (1854-1900) Drama "Salomé" in die Hände. Sie enthält Illustrationen von Aubrey Beardsley (1872-1898), der wie Trops selbst zu den Künstlern um Oscar Wilde gehört. Adrian, der bisher herzlich wenig mit höherer Kultur in Berührung gekommen ist, gefallen vor allem Beardsleys ungewöhnliche Illustrationen.

Trops lässt Adrian vorläufig bei sich wohnen und führt ihn ebenso in den homosexuellen Künstlerkreis im Café Royal wie in die Kultur der Décadence ein. Die Welt, die sich so plötzlich vor ihm auftut, erscheint Adrian ungeheuer anziehend und faszinierend; zugleich beginnt er, sich seine eigene Homosexualität einzugestehen. Doch die Männer um Oscar Wilde sind keine wirklichen Freunde - sie sind zu wenig ernsthaft und nur zu bereit, für eine witzige Pointe alles zu geben.

Als Adrian beginnt, dem stillen, ernsthaften Kunstmaler Vincent Farley Modell zu sitzen - ein Job, den Trops ihm vermittelt hat -, kann er sich endlich eine eigene Wohnung leisten. Aber gibt es für einen wie Adrian, den Sohn eines Kneipenbesitzers aus dem armen Londoner Osten, wirklich so etwas wie Glück?

Tatsächlich hält Adrians "Traum" nicht an: Der Sommer beginnt, und die Mitglieder der höheren Schichten begeben sich auf Reisen oder ziehen sich auf ihre Landsitze zurück. Auch Vincent verreist, und Adrian, dem seine bisherige Einkommensquelle nun abhanden gekommen ist, sinkt zu einer der männlichen Prostituierten Londons herab...

Die ganze Rezension - einschließlich meiner persönlichen Meinung über das Buch - könnt ihr auf meinem WordPress-Blog lesen: http://himmelsnetz.wordpress.com/rezensionen/adrian-mayfield/


P.S.: Heute ist der 213. Geburtstag von Mary Wollstonecraft Shelley (1797-1851), deren berühmtestes Werk "Frankenstein" ist.
Ich aber muss gestehen, dass ich auch erst durch dieses Google Doodle darauf aufmerksam geworden bin:

Sonntag, 29. August 2010

Rezension: The Picture of Dorian Gray

von Oscar Wilde

Der 20-jährige, außerordentlich gutaussehende Dorian Gray sitzt dem Maler Basil Hallward Modell. Nachdem Hallward bereits einige Gemälde mit Dorian angefertigt hat, arbeitet er an einem Bild, das Dorian nicht in irgendeiner antiken Szenerie, sondern als sich selbst darstellt. Das Gemälde wird Hallwards Meisterwerk, doch er möchte es nicht ausstellen: in ihm zeige sich "zu viel von sich selbst", wie er seinem Freund Lord Henry Wotton gesteht - nämlich, dass er in Dorian sein Ideal sieht und dass das Zusammentreffen mit dem unverdorbenen jungen Mann seine künstlerische Schaffenskraft beflügelt hat.

Lord Henry, ein zynischer Lebenskünstler, der über einen außerordentlichen Wortwitz verfügt, ist fasziniert: einerseits vom Geständnis des Malers, den er sonst für einen reichlich langweiligen Menschen hält, andererseits von dem jungen Mann, der gar nicht um die Wirkung seiner äußeren Erscheinung weiß. Aus einer Laune heraus - und im Wissen um seinen Einfluss- macht Lord Henry Dorian seine eigene Schönheit und deren Vergänglichkeit bewusst. Er führt ihn in seine Lebensphilosophie ein: Die Welt sei reif für einen "neuen Hedonismus" - die Selbstentfaltung des Menschen ohne Einschränkung durch die Moral.

Unter dem Einfluss von Lord Henrys Gedanken spricht Dorian beim Anblick seines Bildnisses die fatalen Sätze: "How sad it is! I shall grow old, and horrible, and dreadful. But this picture will remain always young. It will never be older than this particular day of June. ... If it were only the other way! If it were I who was to be always young, and the picture that was to grow old! For that - for that - I would give everything! Yes, there is nothing in the whole world I would not give! I would give my soul for that!"

Als Dorian seine erste große Liebe, die Schauspielerin Sybil Vane, verstößt - sie begeht in der Folge Selbstmord -, zeigen sich erste Veränderungen an dem Gemälde: Dorian fällt ein grausamer Zug um seine gemalten Mundwinkel auf. Hat sich sein leichtfertig ausgesprochener Wunsch erfüllt? Altert das Gemälde wirklich an seiner Stelle und zeigt sein gemaltes Gesicht die Sünden, die auf seiner Seele liegen?

Die ganze Rezension - einschließlich meiner persönlichen Meinung über das Buch - könnt ihr auf meinem WordPress-Blog lesen: http://himmelsnetz.wordpress.com/rezensionen/the-picture-of-dorian-gray/

Samstag, 28. August 2010

"Untergegangene Welt": Fin de Siècle

Einige Historiker haben die Angewohnheit, in ihren (in der Regel älteren) Werken von der Vergangenheit als "untergegangener Welt" zu sprechen oder zumindest einen ähnlichen Begriff zu verwenden. Mir scheint so eine Bezeichnung meist zu pathetisch: Die Welt ist ja nicht untergegangen. Sie hat sich - aus unserer rückblickenden Perspektive - verändert; manchmal sehr stark, manchmal weniger stark.

Einer der Fälle, in denen auch ich einen so pathetischen Begriff verwende wie den einer "untergegangenen Welt" ist die Epoche des "Fin de Siècle": die Zeit gegen Ende des "langen 19. Jahrhunderts", um die Jahrhundertwende und vor dem Ersten Weltkrieg. Mit Fortschritten in der Wissenschaft, der zunehmenden Technisierung und der Entstehung der modernen Massengesellschaft gingen einerseits Fortschrittsoptimismus und positive Zukunftserwartungen einher, andererseits aber auch Unsicherheit, Zukunftsangst und Endzeitstimmung.

Künstler - bildende, insbesondere aber auch Literaten - hatten das Bewusstsein davon, dass mit dem Ende des 19. Jahrhunderts eine Epoche unwiderruflich zu Ende ging. Eine Vielzahl von Kunstströmungen wandte sich gegen den Naturalismus und hin zu einer Überfeinerung der Sinne, zu Subjektivismus und Ästhetizismus. Diese Strömungen werden oft unter dem Begriff der "Décadence" (frz. décadence = Verfall) zusammengefasst, da diese Überfeinerung der Sinne als Anzeichen eines kulturellen Verfalls gedeutet (und u.a. von Friedrich Nietzsche heftig kritisiert) wurde. Um es - wie so viele vor mir - etwas pathetisch zu formulieren: dies war eine "Welt im Bewusstsein ihres eigenen Untergangs".

Zu den Künstlern der "Décadence" bzw. des "Fin de Siècle" zählen so unterschiedliche Menschen wie Paul Gauguin (Malerei, Postimpressionismus), Claude Debussy (Musik, Impressionismus) oder Rainer Maria Rilke (Literatur, Symbolismus).
Die gehäufte Verwendung von -ismen in diesem Beitrag soll allerdings nicht über die Individualität der Werke der genannten Künstler hinwegtäuschen.

Und warum nun dieser Beitrag?
Weil ich schon seit Langem etwas über "The Picture of Dorian Gray" von Oscar Wilde schreiben möchte, der ebenfalls zu den Künstlern des "Fin de Siècle" gehört - und dessen eigenes Leben und gesellschaftlicher Fall vielleicht so etwas wie ein Spiegelbild dieser "Zeit im Bewusstsein ihres eigenen Untergangs" sind.

Dienstag, 24. August 2010

Das Kaleidoskop

Schon im antiken Griechenland waren Kaleidoskope bekannt. Wie so vieles Wissen dieser Zeit ging auch dieses irgendwann verloren, und so wurde das Kaleidoskop erst im Jahre 1816 von David Brewster, einem schottischen Physiker, wiederentdeckt. Der Name "Kaleidoskop" stammt aus dem Griechischen und bedeutet etwa "Schöne-Formen-Seher" (καλός = kalós = schön, εἴδος = eidos = Form, σκοπέω = skopéo = sehen).

Als ich etwa zehn Jahre alt war, hatte ich bei einer Privatlehrerin Gitarrenunterricht. Vor der Stunde musste ich meistens noch etwas warten und fand besonders das Spielzeug-Kaleidoskop mit den bunten Glassplittern interessant, das in einem Korb bei ihr herumlag. Ein eigenes Kaleidoskop ist also so etwas wie ein Kindheitswunsch für mich. Vor Kurzem habe ich dann zufällig mitbekommen, dass eine Firma optische Spielzeuge aus Pappe zum Nachbauen anbietet...

Dieses Modell ist einem der ersten Salon-Kaleidoskope des 19. Jahrhunderts nachempfunden.
Ja, ich gebe zu, dass ich ein gewisses Faible für astronomisches Spielzeug aus dieser Zeit entwickelt habe, seit ich Bücher von Philip Pullman ("His Dark Materials", "Sally Lockhart") gelesen habe.

So sieht es von vorne aus. Fast etwas unspektakulär, nicht?


Im Gegensatz zu den meisten anderen Kaleidoskopen hat dieses hier einen abnehmbaren Füllbecher. Man kann sich also nicht nur bunte Glassplitter ansehen, sondern viele verschiedene Formen selbst erzeugen - je nach Befüllung.

So sieht das Kaleidoskop von hinten aus, wenn man den Füllbecher abnimmt. Aus dieser Perspektive sieht man deutlich, dass der Bildeffekt durch drei zu einem gleichseitigen Dreieck verkantete Spiegel hervorgerufen wird.

Hier einmal ein Beispielbild von der prismischen Spiegelung durch das Kaleidoskop.
Was ihr hier sehen könnt, sind drei Münzen: zwei Zwei-Euro-Stücke (Europa, Saarland) und ein Ein-Euro-Stück (Slowenien). Sie sind übrigens nicht zum Ausgeben gedacht, sondern mein Vorrat für Schließfächer, die Ein- bzw. Zwei-Euro-Stücke verlangen.

Eine Kaleidoskop-Web-Simulation kann man sich übrigens hier ansehen: http://www.zefrank.com/dtoy_vs_byokal/index.html

Sonntag, 15. August 2010

Kurzgeschichten: Mittelalter-Krimis

Wie erwähnt, habe ich gerade eine Menge zu tun und deshalb (leider!) keine Zeit, mich mit Literatur zu beschäftigen – obwohl neben meinem Schreibtisch noch einige Bücher auf mich warten, die gelesen werden möchten, allen voran Miltons „Paradise Lost“.
Da ich aber trotz Arbeit nicht ganz auf ein bisschen (in diesem Fall Unterhaltungs-) Literatur verzichten möchte, habe ich neulich einen Kurzgeschichtenband mit Mittelalter-Krimis gelesen, den es einmal kostenlos zu einer Bestellung bei „Jokers Restseller“ als Beilage gab. Er enthält die folgenden sieben Kurzgeschichten:

Friederike Schmöe: Ein Pfeffersack macht Ärger
Im November 1347 wird der Geliebte der venezianischen Kaufmannsfrau Anna, der Deutsche Chunrath, erschlagen aus einem Kanal gefischt. Anna sucht seinen Mörder.

Jürgen Ehlers: Wahrheitsfindung Anno 1437
Hinrich Brodersen, Staller (= oberster Beamter) des Herzogs Adolf VIII. von Holstein (1401-1459) auf der Insel Strand, sucht den Mörder eines jungen Mannes, der als gewalttätig bekannt war. Er möchte die Witwe des Toten vor einer möglichen Verurteilung schützen. Der freigekaufte Totschläger Tetjens kommt ihm dabei gerade recht...

Friedrich Gerhard Klimmek: Des Teufels Schoß
Frederik von dem Klerkhof erzählt in einer Schenke die Geschichte, wie er Anfang der 1530er Jahre mit seinem alten Freund Johannes Ossenstert im Auftrag des Fürstbischofs von Münster, Franz von Waldeck (1491-1553), Nachforschungen über den Verbleib zweier Boten anstellen soll, die zuletzt in einem Gasthaus gesehen wurden. Er kommt zwei mörderischen Wirtsleuten auf die Spur...

Heike Reiter: Das Totenglöckchen
Roth (bei Nürnberg) 1511: Agnes sucht den Mörder ihres Verlobten, dem Kirchenbaumeister Egidius Embhart.

Wolfgang Kemmer: Fastnachtsspiel
Der Nürnberger Meistersinger und Wundarzt Hans Folz (1435/1440-1513) wird von einem mysteriösen Schreiben 1512 nach Augsburg gelockt, wo er in einer billigen Spelunke auf einen Mann trifft, der ihn 1498 in einem Kunstfehlerprozess wegen eines amputierten Arms verklagt hatte.

Brigitte Jaudes und Klaus-Joachim Frahm: Der Mühlenbrenner
Ein Darmstädter Student soll für seinen Fürsten einen Mühlenbrenner im hessischen Salzbödetal finden.

Marcus Winter: Die Prophezeiung
Palos, Spanien, Anfang August 1492: Auf der Flucht landet der Strauchdieb Diego auf Kolumbus' Schiff "Santa Maria" und tritt unfreiwillig die Reise nach Amerika an.

Mir ist aufgefallen, dass alle Geschichten zeitlich dem späten Mittelalter (Mitte 13. - Anfang 16. Jh.), drei sogar eher der Frühen Neuzeit (16.-18. Jh.) zuzuordnen wären. Neben der Tatsache, dass sich fast alle Geschichten zeitlich exakt einordnen lassen, ist außerdem auffällig, dass viele auf historisch verbürgte Persönlichkeiten Bezug nehmen.
Das Genre des historischen Romans scheint mir allerdings eher auf eine etwas "epischere" Länge angewiesen zu sein, um es dem Leser besser zu ermöglichen, ein Gefühl für die entsprechende Zeit zu entwickeln (das jedenfalls ist ein Ziel, dass ich bei Schreibern historischer Romane annehme). Richtig überzeugt hat mich deshalb keine der Kurzgeschichten. Am unglaubwürdigsten klang für mich "Des Teufels Schoß"; wenn man sie als Abenteuergeschichte eines Mannes begreift, der im Wirtshaus einen Schwank aus seinem Leben zum Besten gibt, hat diese Unglaubwürdigkeit aber durchaus ihre Begründung. Am besten hat mir die Geschichte gefallen, die am ironischsten erzählt wurde: "Wahrheitsfindung Anno 1437".

Wolfgang Kemmer (Hg.): Zeter und Mordio! Kriminelle Geschichten aus dem "finsteren" Mittelalter, Augsburg 2008. 96 Seiten.


P.S.: Zum Abschluss noch einen Geburtstagsgruß an meinen eigenen Hauptcharakter, Ken, dessen Geburtstag am 15. August (Maria Himmelfahrt) ist! (Ja, das musste jetzt sein. ;))

P.P.S.: Heute ist außerdem der 63. Jahrestag der Unabhängigkeit Indiens und Pakistans von britischer Herrschaft (15. August 1947)…

Samstag, 14. August 2010

Amaranthe (Power Metal)

Die vorletzte Woche habe ich weitgehend ohne Internet auf der CdE-Sommerakademie verbracht (siehe "Vorhaben" auf meinem WordPress-Blog), diese war ich fast ausschließlich mit einer mittelgroßen Übersetzungstätigkeit (Deutsch-Englisch) und meinen Hausarbeiten beschäftigt. Deshalb gab es von mir den ganzen August noch nichts zu hören. Ich werde mich bemühen, in der nächsten Zeit möglichst oft zu posten – was wohl ohnehin wenig genug sein wird, weil die „heiße Phase“ meiner Hausarbeiten ausgerechnet in diesen Monat und den Beginn des darauffolgenden fällt.
Aber zum Thema:

Heute bin ich über Amaranthe gestolpert, eine schwedisch-dänische Power-Metal-Band, die als Support bei der Europatournee von Kamelot aufgetreten ist.
Kamelot sind eine meiner Lieblingsbands, weil sie nicht nur großartige Musik machen, sondern auch sehr aussagekräftige Texte haben (Beispiele: "Center of the Universe", "Abandoned", "The Human Stain"). Außerdem habe sie mit "Epica" und "The Black Halo" auf zwei CDs auch eine Faust-Adaption veröffentlicht. So bin ich selbst auf sie aufmerksam geworden, denn ich mag Goethes Faust sehr.

Amaranthe bestehen aus Elize Ryd (Gesang), Jake E. Lundberg (Gesang), Olof Morck (Gitarren und Keyboards), Andy Solvestrom (Screams), Morten Lowe Sorensen (Schlagzeug) und Johan (Bass), dessen Nachnamen ich leider nicht gefunden habe. Sie hießen ursprünglich "Avalanche", mussten sich dann aber umbenennen, weil es bereits mehrere andere Bands mit diesem Namen gab bzw. gibt. Im Juli haben sie einen Vertrag mit dem großen Plattenlabel Spinefarm/Universal für ihr erstes Album abgeschlossen, das Anfang 2011 erscheinen soll. Auf ihrer MySpace-Seite sind bereits zwei ihrer Songs zu hören, "Hunger" und die Single "Leave Everything Behind".

Amaranthe bei MySpace: http://www.myspace.com/amaranthemetal
Interview mit Olof Morck: http://www.soundshock.co.uk/index.php/feature-band-interviews/2211-amaranthe-interview-at-soundshock

Sonntag, 25. Juli 2010

Edenbridge - Solitaire (2010)

Nach den doch eher buchlastigen Einträgen der letzten Zeit möchte ich ein Thema aufgreifen, das mir ebenso am Herzen liegt: die Musik - in diesem Fall das neueste Album der österreichischen Symphonic Metal Band Edenbridge, "Solitaire", das Anfang Juli erschienen ist.



Tracks:
  1. Entrée Unique (1.13 min.)
  2. Solitaire (6.15 min.)
  3. Higher (3.50 min.)
  4. Skyline's End (5.32 min.)
  5. Bon Voyage Vagabond (5.52 min.)
  6. Inward Passage (Bonus Track) (1.20 min.)
  7. Come Undone (4.11 min.)
  8. Out of this World (5.10 min.)
  9. Further Afield (5.54 min.)
  10. Eternity (Bonus Track) (3.04 min.)
  11. A Virtual Dream? (5.08 min.)
  12. Brothers on Diamir (6.52 min.)
  13. Exit Unique (2.49 min.)
"Solitaire" ist Edenbridges neuestes Studioalbum, und wie der Vorgänger "MyEarthDream" ist es abwechslungsreich geworden. Neben einem Intro gibt es diesmal auch ein Outro; beide fassen das Album ein, als wäre es ein Film. Ja, auch Edenbridge haben - wie viele Bands des Genres - ein Faible für Filmmusik-Sounds, und das zeigt sich hier deutlich. Stimmungsvoll!

Danach geht es richtig los. "Solitaire" ist im Grunde ein (mittlerweile) "typischer" Edenbridge Song: treibende Gitarren, verspielte Klassikelemente im Hintergrund und dazu die schöne Stimme von Sabine Edelsbacher (nein, kein klassischer Gesang!), der in den Strophen überraschend tief ist.

Mit "Higher" folgt sicherlich der eingängigste Song des Albums: rockig, eingängige Melodie. Wohl deshalb wurde er für ein Musikvideo ausgewählt - oder besser das Musikvideo, denn es ist das erste und bisher einzige, das die Band produziert hat. Das Video selbst ist für einen Erstling erstaunlich gut, zumal für das (Symphonic) Metal-Genre, das zum Teil mit eher gewöhnungsbedürftigen und arg kitschigen Videoclips aufwartet.

Das nächste Lied, "Skyline's End", ist (zumindest nach den ersten paar Durchläufen des Albums) mein persönlicher Liebling: der Gitarrensound deutlich im Vordergrund, außerdem leichte orientalische Anleihen. Die Art und Weise, wie Sabine hier singt, erinnert mich in den Strophen bei den leisen Stellen ein wenig an Loreena McKennitt - und das ist hier ganz und gar als Kompliment gemeint!

Nach einem etwas verträumten Beginn setzen bei "Bon Voyage Vagabond" kräftig die Gitarren ein, und der Chorus beginnt mit Gesangspassagen in Halbtonschritten, die mir gut gefallen. Allgemein finden Edenbridge in den Strophen oft eher außergewöhnliche, schöne Melodiebögen. Die Refrains fallen dem gegenüber meist etwas ab, sind alle sehr eingängig. Nicht so hier: Der Refrain ist zwar auch eingängig, aber wunderschön! Neben "Skyline's End" einer meiner Lieblingssongs auf dieser CD.

Mit dem Bonus-Track "Inward Passage" wird das Tempo dann deutlich zurückgeschraubt: ein getragenes Klavierstück, sehr ruhig, sehr schön.

Dann setzen wieder die Gitarren ein, doch das Tempo bleibt eher zurückgenommen: "Come Undone" hat klar gesungene Strophen, die etwas Balladeskes haben, unter dem zu Beginn ein eher drohender Unterton liegt. Dieser Unterton wird aber von dem klaren Refrain und der hier sehnsüchtig klingenden Stimme von Sabine fortgespült.

"Out of this World" beginnt ebenfalls verträumt: zurückgenommene Instrumentierung, Sabines klare Stimme. Dann setzen zurückhaltend Gitarren ein und der Refrain beginnt, dessen Ende einen eleganten Melodiebogen zieht.

"Furher Afield" beginnt mit Bouzuki-Klängen; dann setzen wuchtig die Gitarren und Sabines Stimme ein. Einer der eher "typischen" Edenbridge-Songs mit - wie erwähnt - leichten asiatischen Anleihen.

"Eternity", der zweite Bonustrack, ist ein schönes Akustikgitarrenstück.

Danach setzen gleich wieder die E-Gitarren ein - "A Virtual Dream?" ist der wohl schnellste und härteste Song des Albums. Die Melodielinie mit ihren Sprüngen gefällt mir sehr. Im Refrain wird wieder mit ein paar Halbtonschritten gearbeitet. Wie sich schon in "Further Afield" andeutete, tritt in "A Virtual Dream" der Hintergrundchor (kein Chor mit klassischen Stimmen, sondern eher ein Popmusik-Chor) im Refrain deutlicher hervor. (Für meinen Geschmack etwas zu sehr - die Chorlastigkeit des Vor-Vorgängeralbums "The Grand Design" war einer der Hauptgründe, warum ich das Album nicht mochte.)

Mit "Brothers on Diamir" liefern Edenbridge zum Abschluss das ruhigste und längste Stück des Albums. Schnell wird das Stück erst bei bzw. nach einer langen E-Gitarren-Passage gegen Mitte des Songs, um zum Ende hin wieder ruhig zu werden und elegant ins Outro überzugehen. Sabines wehmütige, tief gesungene Stimme fängt die traurige Stimmung des Songs gut ein: Wie Lanvall, der Gitarrist und Songwriter von Edenbridge, und Sabine in einem Radiointerview erklärten, ist das Lied nämlich ihrem Landsmann, dem Extrembergsteiger Reinhold Messner, und dessen Bruder Günther gewidmet.
Günther Messner starb 1970 bei einer Expedition, die den Achttausender Nanga Parbat (auch "Diamir", "König der Berge" genannt) erstmals über seine Südwand, die sog. Rupalwand, bestiegen hatte. Für den Abstieg entschied sich Reinhold Messner dann allerdings für die Diamirwand auf der anderen Seite des Berges - ob aus einer Notlage heraus oder geplant, ist bis heute umstritten. Sicher ist nur, dass sein Bruder beim Abstieg vom Nanga Parbat ums Leben kam.

Insgesamt ein schönes, gelungenes Album, auch wenn es meinen persönlichen Liebling, "Shine" (2004), nicht "vom Thron stoßen" kann. ;)

Anspieltipps für "Solitaire": "Higher", "Skyline's End", "Bon Voyage Vagabond", "Come Undone"

Anspieltipps für Edenbridge allgemein: "Shine", "Centennial Legend", "Red Ball in Blue Sky", "Remember Me"

Donnerstag, 22. Juli 2010

Aufklärung im Islam

Zum vorangegangenen Beitrag über den Philosophen al-Jabri: Antworten auf die Fragen: Ist der rote Faden der Aufklärung dann irgendwann liegen geblieben? Wie sieht es heute mit der Aufklärung aus?

Zur ersten Frage: Offenbar ja. In seinem „Becks Wissen“-Bändchen über Al Andalus schreibt der Romanistik-Professor Georg Bossong (Uni Zürich): „Noch bedauerlicher ist indessen, daß dieser Gigant der Philosophiegeschichte [Ibn Rushd bzw. Averroes, Anm. Jary] in seinem eigenen Kulturkreis keine Nachfolger hatte. Seine Ideen fielen im christlichen Abendland auf fruchtbaren Boden, sie haben in der Scholastik konstruktive Debatten ausgelöst; in der islamischen Zivilisation verhallten seine Worte ungehört. Was eine Saat hätte sein können, ging dort nicht auf; jahrhundertelang herrschte geistige Stagnation, wofür die Buchstabengläubigkeit gegenüber dem Koran die Hauptursache war. Ibn Rushds Idee einer allegorischen Interpretation schwieriger, mit der Vernunft unvereinbarer Koranstellen hätte schon früh zu einer Kritik des heiligen Buches führen können, wie sie im Judentum (mit Spinoza) und im Christentum (mit der Aufklärung) Jahrhunderte später zum Durchbruch kam“ (Georg Bossong: Das maurische Spanien. Geschichte und Kultur, S. 97).

Al-Jabri – und das ist das Spannende – greift nun auf Averroes zurück – mit dem Ziel, das islamische Denken von innen heraus zu erneuern. (Hier ist er: ein wichtiger Ansatz zur Weiterführung der islamischen Aufklärung in der Nachfolge Ibn Rushds.) Das ist das Besondere an Al-Jabri, deshalb möchte ich sein philosophisches Werk kennen lernen. Denn ich denke, dass eine Erneuerung des islamischen Denkens „von außen“ bzw. durch den „Westen“ nicht gelingen kann und wegen der politischen Vorbehalte in der arabischen Welt gegenüber dem „Westen“ nicht einmal geschehen sollte, um auf fruchtbaren Boden fallen zu können. Und in der Tat: Al-Jabri wird in der arabisch-muslimischen Welt gehört und gelesen. Die arabische Originalausgabe seiner „Kritik der arabischen Vernunft“ „zirkuliert zwischen dem Maghreb und den Golfstaaten mit durchschnittlich 7000 verkauften Exemplaren pro Band [...]. Das sind für arabische Verhältnisse außerordentlich hohe Auflagen- und Verkaufszahlen, zumal wenn man bedenkt, dass es sich um ein anspruchsvolles philosophisches Werk handelt“ (Vincent von Wroblewsky/Sarah Dornhof: Editorische Notiz. In: Mohammed Abed Al-Jabri, Kritik der arabischen Vernunft. Die Einführung, Berlin 2009, S. 25-27, hier S. 25).

Al-Jabri ist in Europa leider nach wie vor sehr unbekannt – eben weil er sich darauf konzentriert hat, eine Erneuerung des islamischen Denkens „von innen“ anzustoßen und die meisten Einladungen nach Europa abgelehnt hat. Es gab zwar offenbar mal einen Artikel über ihn in der „Zeit“ und jetzt gibt es ja wieder einen in APuZ, aber beide Publikationen sprechen ja nicht gerade den „Ottonormalbürger“ an. Doch ich als christliche Europäerin fände es gerade nach dem 11. September außerordentlich wichtig, Europäer (egal, ob christlich oder nicht) darauf hinzuweisen, dass es Erneuerungsbewegungen innerhalb des islamischen Denkens gibt. Das ist nun nicht unbedingt Aufgabe der islamischen aufklärerischen Philosophen – al-Jabri hat es meiner Meinung nach schon sehr richtig gesehen, dass es zunächst einmal darauf ankommt, dass man dort gehört wird, wo man dem Denken neue Impulse geben möchte. Aber es wäre meiner Meinung nach unsere Aufgabe als (einigermaßen aufgeklärte) Europäer, uns erst einmal genauer zu informieren, bevor wir Äußerungen von uns geben wie die, dass es (überhaupt) keine Aufklärung im Islam gab. Wie stark die Aufklärung als Denkströmung vorhanden war bzw. ist und Einfluss entfalten konnte bzw. kann, ist eine andere Frage.

Das wäre allerdings erst der zweite Schritt. Am wichtigsten wäre es aus meiner Sicht, dass „Islam“ zuallererst mal nicht mit „Islamismus“ gleichgesetzt wird und dass falsche Übersetzungen wie „Dschihad = Heiliger Krieg“ richtiggestellt werden. Das Wort „Dschihad“ (wörtlich: Anstrengung, Abmühen, Einsatz) verweist auf einen geistigen, gesellschaftlichen Einsatz und meint die Selbstaufopferung und die Opferung des eigenen Vermögens für Gott, während Krieg aus islamischer Sicht nie „heilig“ ist und selbst Verteidigungskriege als notwendiges Übel angesehen werden (vgl. Abdoldjavad Falaturi/Udo Tworuschka: Der Islam im Unterricht. Beiträge zur interkulturellen Erziehung in Europa (Beilage zu den Studien zur internationalen Schulbuchforschung. Schriftenreihe des Georg-Eckert-Instituts, hg. v. Ernst Hinrichs), 2. Aufl., Braunschweig 1992, S. 43f.).

Sonntag, 18. Juli 2010

Alhambra im Regen

Nein, das ist natürlich nicht die Alhambra in Granada. Es ist eine Ansicht des Kurhaus-Areals in Göggingen (bei Augsburg), das hier Elemente maurischer Architektur zitiert.

Der Saal des 1886 erbauten Kurhauses wurde einer breiteren Öffentlichkeit durch die Verfilmung des Romans "Buddenbrooks" von Thomas Mann (1875-1955) durch Heinrich Breloer im Jahre 2008 bekannt: Sämtliche Ballszenen wurden in dem klassizistischen Gebäude aus der Gründerzeit (ca. 1840-1873) gedreht, da das Kurhaus das letzte erhaltene - bzw. nach eine Brand 1972 zerstörte und 1988-1996 sanierte - Multifunktionstheater aus dieser Zeit ist.

Dies sozusagen als Nachtrag zu den Beiträgen über Al-Jabris "Kritik der arabischen Vernunft". Wahrscheinlich fahre ich in nächster Zeit noch einmal nach Göggingen, um weitere Fotos vom Kurhaus zu machen - dann vielleicht bei Sonnenschein.
Das Foto habt ihr übrigens auch dem gestern erwähnten Dozenten zu verdanken, weil er mich auf diese Ansicht des Kurhauses aufmerksam gemacht hat. ;)