Montag, 28. September 2009

Zwei Statements zur Bundestagswahl

Ministerpräsident Seehofer (CSU) hatte im Bundestagswahlkampf ziemlich heftig verbal auf die FDP und insbesondere den bayerischen Wirtschaftsminister Martin Zeil (FDP) eingedroschen.
Dazu zwei Statements, die ich hier einfach mal unkommentiert lasse:
"Ich glaube, dass die Auseinandersetzung mit der FDP nicht unbedingt zur Optimierung unseres Wahlergebnisses den entscheidenden Beitrag geleistet hat."
Alfred Sauter (CSU), ehemaliger bayerischer Justizminister
"Wir hatten viele Unterstützer - manche freiwillige, manche unfreiwillige -, aber ich bedanke mich bei jedem Unterstützer."
Martin Zeil (FDP), aktueller bayerischer Wirtschaftsminister

Bundestags-Wahlergebnisse

Am Tag nach der Bundestagswahl und den Landtagswahlen in Schleswig-Holstein und Brandenburg möchte ich mir wieder einmal einige Zahlen anschauen. Die Zahlen sind natürlich nicht das eigentlich Wichtige, das ist mir klar. Das eigentlich Wichtige kommt ja erst noch. ;-)

Die Prozentzahlen in Klammern geben wie immer die Ergebnisse der vorherigen Wahl an (also z.B. der Bundestagswahl 2005).


Bundestagswahl 2009

CDU/CSU: 33,8% 2009 (35,2% 2005)
SPD: 23,0% (34,2%)
FDP: 14,6% (9,8%)
Linke: 11,9% (8,7%)
Grüne: 10,7% (8,1%)
Sonstige: 6,0% (4,0%), davon rund 2% für die Piratenpartei
Wahlbeteiligung: 70,8% (77,7%)

Die CSU kommt bundesweit gerechnet auf 6,5% (7,4%) der Stimmen und ist damit weniger als halb so stark wie die FDP. Die ist die große Gewinnerin der Wahl: Sie hat nicht nur ihr bestes Ergebnis in der Geschichte der Bundesrepublik Deutschland erzielt, sie ist nach 11 Jahren Opposition auch endlich wieder an der Regierung beteiligt. Die SPD dagegen muss ihr schlechtestes Ergebnis seit 1949 verkraften... Schon traurig. Jetzt muss sich die Partei neu aufstellen.
Grüne und Linke haben wie die FDP Rekordergebnisse eingefahren; alle "kleinen" Parteien haben jeweils (zum Teil deutlich) über 10% erzielt. Die Zeit der großen Volksparteien in Deutschland neigt sich damit weiter dem Ende zu.
Die Piraten haben einen Achtungserfolg erzielt und insbesondere bei den Jungwählern gepunktet. Mit ihnen dürfte in Zukunft weiterhin zu rechnen sein.
Die Wahlbeteiligung war mit nur 70,8% erschreckend niedrig; der Negativrekord von 2005 wurde deutlich unterboten. Kein gutes Zeichen... Zugegeben, der Wahlkampf war nicht gerade spannend. Daran lag es wohl auch.


Bundestagswahlergebnisse 2009 in Bayern

CSU: 42,6% 2009 (49,2% 2005)
SPD: 16,8% (25,5%)
FDP: 14,7% (9,5%)
Grüne: 10,8% (7,9%)
Linke: 6,5% (3,4%)
Sonstige: 8,7%, davon wie im Bund 2,0% für die Piraten
Wahlbeteiligung: 71,8% (78,1%)

Die Zeiten, in denen die CSU auf "50% + x" kam, sind wohl endgültig vorbei. Ministerpräsident Seehofers Angriffe auf die FDP haben seiner eigenen Partei, der CSU, geschadet.
Die SPD hat mal wieder ein historisch niedriges Ergebnis; in Oberbayern und Schwaben liegt die FDP gar vor der SPD (Oberbayern: FDP 16,1% und SPD 15,5%; Schwaben: FDP 15,6% und SPD 14,4%). Immerhin hat die CSU diesmal sämtliche bayerischen Direktmandate geholt, während 2005 noch eines im Münchner Norden an die SPD ging. Karl-Theodor zu Guttenberg ist - wenig überraschend - Deutschlands Erststimmenkönig; er hat sein Direktmandat mit satten 68,1% verteidigt.


Landtagswahlergebnisse 2009 in Schleswig-Holstein:

CDU: 31,5% 2009 (40,2% 2005)
SPD: 25,4% (38,7%)
FDP: 14,9% (6,6%)
Grüne: 12,4% (6,2%)
Linke: 6,0% (0,8%)
SSW: 4,3% (3,6%)
Wahlbeteiligung: 73,5% (66,5%)

Dank Überhangmandaten reicht es knapp für Schwarz-Gelb: Die CDU kommt auf 34, die FDP auf 15 Sitze. Beide Parteien erhalten damit zusammen 49 von insgesamt 95 Sitzen. Für den Südschleswigschen Wählerverband (SSW) als Partei der dänischen Minderheit gilt die 5%-Hürde nicht; deshalb ist er im Landtag vertreten. Alle "kleinen" Parteien konnten deutlich zulegen, während die SPD ebenso deutlich verloren hat. Die Wahlbeteiligung in Schleswig-Holstein ist sogar gestiegen; sehr schön. Der Streit in der bisher bestehenden Großen Koalition sorgte wohl auch dafür, dass mehr Wahlberechtigte ihre Stimmen abgegeben haben.
Wenn es wirklich zu Schwarz-Gelb kommt, haben Union und FDP nicht nur im Bundestag, sondern auch im Bundesrat eine Mehrheit.


Landtagswahlergebnisse 2009 in Brandenburg

SPD: 33,0% 2009 (31,9% 2004)
Linke: 27,2% (28,9%)
CDU: 19,8% (19,4%)
FDP: 7,2% (3,3%)
Grüne: 5,6% (3,6%)
DVU 1,0% (6,1%)
Wahlbeteiligung: 67,5% (56,4%)

Ministerpräsident Platzeck (SPD) kann sich nun aussuchen, ob er weiter mit der CDU oder aber mit den Linken eine Koalition bilden will. SPD und CDU konnten leicht zulegen, während die Linke leicht verlor. FDP und Grüne sind nach 15 Jahren wieder in den Brandenburger Landtag eingezogen. Die rechtsextreme DVU ist mit nur noch einem Prozent draußen; gleichzeitig ist die Wahlbeteiligung ist gegenüber 2004 deutlich gestiegen. Hier sieht man, wie eine hohe Wahlbeteiligung den Einzug einer rechtsextemen Partei ins Parlament verhindern kann! Das Argument, wählen zu gehen, um eine Stimme gegen Rechts abzugeben, erweist sich also als durchaus berechtigt!

Sonntag, 27. September 2009

Wandertour - Tag 8

Am letzten Tag unserer Wandertour ging ich mit meiner Freundin durch die Altstadt von Ilmenau. Dort befindet sich ein Denkmal mit einer männlichen und einer weiblichen Ziege, in dessen Sockel der Spruch der Stadt eingemeißelt ist: "In Ilmenau / Da ist der Himmel blau / Da tanzt der Ziegenbock / Mit seiner Frau." Entsprechend steht neben dem Ortsschild auch ein hellblaues Plakat mit der Aufschrift "Ilmenau - himmelblau". Der Himmel war an diesem Tag übrigens tatsächlich blau... ;-)

In einem Buchladen blätterten die Freundin und ich durch den Angela Merkel-Polit-Comic "Miss Tschörmänie". "L'Enfant de Noé" fand ich dort leider nicht. Wir fuhren dann noch im selben Zug bis Plaue, wo ich mich von meiner Freundin verabschiedete.

Hiermit endet mein kleiner Bericht von der Wandertour. :-)

Wandertour - Tag 7

Von Ilmenau fuhren wir mit dem Zug in die thüringische Landeshauptstadt Erfurt. Dort liefen wir über die Krämerbrücke und durch die Altstadt. Außerdem besichtigten wir den Dom St. Marien und die Severikirche. Danach schauten wir uns die Zitadelle Petersberg an, die wie Dom und Kirche sehr sehenswert ist.

Dann fuhren wir nach Meiningen und gingen durch den Englischen Garten mit Kapelle, Gräbern, Denkmälern und einer in der Romantik (19. Jahrhundert) nachgebauten Burgruine. Außerdem schauten wir uns die Altstadt und eine protestantische Kirche an.

Auf der Rückfahrt nach Ilmenau hatten wir eine Stunde Aufenthalt in Plaue. Wir gingen durch das Städtchen in Richtung der dortigen Burgruine. Leider war die Zeit zu kurz, um die Burg zu erreichen.

In Erfurt hatte sich meine Freundin zwei französische Romane gekauft, "Hier" ("Gestern") von Agota Kristof und "L'Enfant de Noé" ("Das Kind von Noah" - ja, der deutsche Titel ist tatsächlich so schwerfällig übersetzt) von Éric-Emmanuel Schmitt. In Letzterem las ich auf der Fahrt nach Meiningen und der Rückfahrt nach Ilmenau, kam aber nur bis Seite 60, während meine Freundin "Hier" bereits in Meiningen ausgelesen hatte. Ihr Französisch ist auch wesentlich besser als meines.

Wandertour - Tag 6

Von Oberhof wanderten wir weiter zum "Mordfleck", der wohl wegen eines Moors so heißt. Außerdem gingen wir über den Großen Beerberg, den größten Berg des Thüringer Waldes. Es nieselte und war sehr neblig, sodass wir die Aussichtsplattform dort - im wahrsten Sinne des Wortes - links liegen ließen. Wir hätten ohnehin nur Nebel gesehen.

Dann verließen wir den Rennsteig, um nach Schmiedefeld zu gehen. Wie vor Brotterode folgten wir einem offenbar falsch gedrehten Schild und liefen um das Dorf herum. Dann wollten wir der Bundesstraße folgen - bis nach Schmiedefeld waren es noch gute drei Kilometer. Da kam uns der Zufall zu Hilfe: Wir wurden von einer Bekannten meiner Freundin und deren Lebensgefährten aufgegabelt, die mit dem Auto an uns vorbei fuhren. Bei ihnen wurden wir erst von einem lebhaften jungen Labrador begrüßt und tranken dann Tee. Die Bekannte hatte leckeren Eierscheckkuchen und Bienenstich gebacken. Beim Essen unterhielten wir uns darüber, wo genau ich herkomme und über die bevorstehende Bundestagswahl. Anschließend fuhren die Bekannte und ihr Lebensgefährte uns nach Ilmenau, wo wir uns von ihnen verabschiedeten.

Wandertour - Tag 5

Am fünften Tag fuhren wir wieder zur Neuen Ausspanne, von der wir unsere Wanderung fortsetzten. Wir wanderten unter anderem einen Berg hinauf, von dem aus wir einen schönen Blick über den Thüringer Wald hatten. Später kamen wir an der Rennsteig-Arena in Oberhof vorbei, wo gerade Weltmeisterschaften im Sommerbiathlon stattfanden. Außerdem sahen wir in Oberhof das DDR-Forstarbeiterdenkmal von 1983 und das Rondell, ein obeliskenförmiges Denkmal zum Bau der Bundesstraße 247 in den Jahren 1830-1832.

Auf dieser Etappe unserer Wanderung wuchsen besonders viele Pilze. Wir blieben immer wieder stehen, damit meine Freundin einige von ihnen sammeln konnte.

Wandertour - Tag 4

Über einen Naturlehrpfad, der an einem Bach entlang führte, gelangten wir von Friedrichroda wieder auf den Rennsteig - nicht ohne einmal eine falsche Abzweigung zu nehmen. ;-) Etwa drei Kilometer von der Ebertswiese entfernt begegneten wir einem Radfahrer, der uns ein Kätzchen zeigte. Er sagte uns, dass die Katze der Wirtin von der Ebertswiese gehörte und offenbar mit fremden Wanderern bis zu der Stelle gelaufen war, an der er sie gefunden hatte. Weil die Jungkatze zu langsam war, um mit dem Radfahrer mitzuhalten, bat er uns, sie zur Ebertswiese zurückzubringen.

Wir blieben immer wieder stehen, um uns nach der Katze umzusehen. Sie folgte uns tatsächlich! Manchmal blieb sie mehrere Meter zurück, aber weit vor uns lief sie nie. Mehrmals kamen uns andere Wanderer entgegen, aber das Kätzchen folgte trotzdem weiter uns. An der Ebertswiese verließ uns die Katze kurzzeitig, um zu Wanderern zu gehen, die gerade Rast machten. Als wir unsererseits Rast an der Neuschmalkaldener Schutzhütte bei einem Bach (Goldbach bzw. Splitter) machten und die Wanderer von zuvor an uns vorbeikamen, lief die Jungkatze wieder zu uns. Nach Streicheleinheiten zum Abschied ließen wir sie auf der Ebertswiese zurück, wo sie hoffentlich zu ihrer Wirtin zurückgefunden hat.

Von der Ebertswiese liefen wir weiter zur Neuen Ausspanne: An diesem Abschnitt des Rennsteigs ist schon Luther entlang gewandert. An der Neuen Ausspanne gibt es eine Bushaltestelle, von der drei Busse am Tag fahren - der nächste fuhr zehn Minuten nachdem wir dort angekommen waren! Schwein muss man haben... oder Katze, in unserem Fall. ;-)

In Schmalkalden sahen wir uns die Altstadt und die protestantische Kirche an. Neben der Kirche befand sich ein freigelegtes, überglastes mittelalterliches Beinhaus - ein seltenes archäologisches Zeugnis für Thüringen.

Anschließend besichtigten wir das Schmalkaldener Schloss Wilhelmsburg, wo mehrere Versammlungen des Schmalkaldischen Bundes (1531-1546) stattfanden. Der Schmalkaldische Bund war ein Verteidigungsbündnis protestantischer Fürsten gegen die katholische Politik des deutschen Kaisers Karl V. und wurde nach inneren Streitigkeiten 1846 im Schmalkaldischen Krieg von Karl V. zerschlagen.

Außerdem gibt es in Schloss Wilhelmsburg eine der ältesten noch bespielbaren Renaissance-Orgeln Europas und eine ständige Ausstellung namens "Aufbruch in eine neue Zeit" über Renaissance, Reformation und Schmalkaldischen Bund, die wir uns beide anschauten.
Des Weiteren ist stündliche eine 3D-Animation zu sehen, die Fresken zum "Iwein"-Epos von Hartmann von Aue im Schmalkaldener Schloss erläutert. Das Epos, das um 1200 entstanden ist, handelt von Iwein, einem jungen Ritter der Tafelrunde von König Artus. Es basiert auf dem altfranzösischen Roman "Yvain ou Le Chevalier au Lion" (Iwein oder Der Ritter mit dem Löwen) von Chrétien de Troyes (ca. 1140-1190). Die Animation selbst war nicht besonders spektakulär, aber die Dame, die uns den Film zeigte, konnte sehr gut erzählen. ;-)

Wandertour - Tag 3

Für den dritten Tag unserer Wanderung war eigentlich der Große Inselsberg eingeplant. In Brotterode regnete es allerdings; außerdem war es neblig. Deshalb fuhren wir mit dem Bus nach Friedrichroda und besichtigten dort die Marienglashöhle, eine Gipskristallhöhle. Der weiche Gipskristall wurde unter anderem in Kirchen für Marienbilder verwendet; daher der Name.

In der Marienglashöhle wurde von 1788 bis 1903 Gips abgebaut. Danach war sie als Schauhöhle eine Touristenattraktion, vor allem wegen der glitzernden Kristallgrotte mit dem "Marienglas". 1943, im Zweiten Weltkrieg, wurde der Schaubetrieb eingestellt. Die Höhle verfiel und lief mit Wasser voll. Seit 1968 wurde die Höhle neu erschlossen und ein zweiter Stollen wurde als Ausgang gebaut. Man pumpte das Wasser ab und errichtete einen künstlichen Wasserfall. Seit dieser Zeit gibt es außerdem einen flachen unterirdischen See, über den ein Steg führt.

Abends aßen wir in Friedrichroda Eis an einem mit Stein eingefassten Bachlauf. Danach schauten wir im Lichtspielhaus den "Wickie"-Realfilm von Michael "Bully" Herbig - für mich als altgedienten Wickie-Fan ein Muss. Der Film war auch richtig niedlich gemacht und die Schauspieler sahen tatsächlich aus wie in der Zeichentrickserie.

Wandertour - Tag 2

Am zweiten Tag starteten wir unsere eigentliche Rennsteigwanderung.
Der Rennsteig ist ein insgesamt 168,3 Kilometer langer früherer Botenweg und heutiger Höhenwanderweg, der auf dem Kamm des Thüringer Mittelgebirges entlang historischer Grenzen verläuft. Entsprechend sahen wir auf unserer Wanderung Dutzende von Grenzsteinen; laut einer Infotafel sind von ca. 1007 noch insgesamt etwa 788 erhalten.

Wir begannen an der "Hohen Sonne", einem Bauwerk, das etwa sechs Kilometer südlich von Eisenach liegt. Nach einem kurzen Abstecher zur (wenig spektakulären) Rennsteiggrotte kamen wir zum Rennsteig-Ehrenmal. Dabei handelt es sich um eine Millionen Jahre alte Granitformation, die "Glockner" oder "Klöckler" genannt wird. Ich sprang natürlich auf den höchsten Stein und genoss den schönen Ausblick über eine Schlucht und zu anderen Berggipfeln des Thüringer Waldes.

An einem der 9 erhaltenen von ehemals 13 Dreiherrensteinen des Rennsteigs nahmen wir eine Abzweigung nach Brotterode, wo wir übernachten wollten. Neben der Straße nach Brotterode sah meine Freundin ein Schild mit der Aufschrift "Jugendherberge", dem wir folgten...
Nun ja. Das war das einzige Schild.
Irgendwann landeten wir auf einer Wiese und versuchten verzweifelt, wieder auf eine Straße zu kommen. Dabei kletterten wir mehrere Böschungen hinunter. Weil wir auch nicht wieder den ganzen Weg nach oben klettern wollten, rutschten wir schließlich einen gut zweieinhalb Meter hohen, steilen Hang hinunter.

Danach gelang es uns, die Jugendherberge ohne weitere Unfälle zu finden. Die hatte allerdings noch geschlossen, also saßen wir lesend in einer Art Festzelt, bis sie öffnete.
Neben der Herberge floss ein Bach, zu dem Stufen hinunterführten. Ich kletterte auch ein wenig über die Steine im Bach, weil ich auf dem "Glockner" festgestellt hatte, wie rutschsicher meine Wanderschuhe waren. Kleine Bäche sind toll... und große Flüsse auch. ;-)

Wandertour - Tag 1

Jetzt wird es aber mal Zeit, dass ich über die Wandertour schreibe, die ich bis gestern mit einer Freundin gemacht habe: Am frühen Nachmittag des ersten Tages trafen wir uns in Eisenach. Sie kam schon vor mir am Bahnhof an und lief in die Eingangshalle, um zu sehen, auf welchem Gleis mein Zug einfahren würde... nur um zu erfahren, dass es sich um das Gleis direkt gegenüber dem handelte, auf dem ihr Zug angekommen war. ;-)

Zuerst liefen wir zum Burschenschaftsdenkmal, einem 1902 errichteten Kriegerdenkmal für die Burschenschaftler, die im Deutsch-Französischen Krieg 1870/71 gefallen waren. Das Denkmal hat die Form eines Rundtempels, der von Säulen getragen wird. Über dem Ganzen thront eine Art Krone (die für mich eher nach Fackel aussieht). Im Denkmal gibt es eine kleine Dokumentationsstätte mit Filmen. Außerdem befinden sich dort Informationstafeln zu bekannten Burschenschaftlern insbesondere der Vormärzzeit (1815-1848/49), der Zeit vor der Revolution von 1848. Außen sind unter anderem die Köpfe von Luther und Beethoven in Stein gehauen.
In der DDR wurde das Denkmal - als Zeichen des Kaiserreichs - natürlich beschädigt, aber inzwischen ist es wieder saniert.

Man kann auch auf das Denkmal steigen: Von dort aus hat man einen wunderbaren Blick über Eisenach und natürlich zur Wartburg. Dort lebte nicht nur 1211-1227 die Heilige Elisabeth von Thüringen und übersetzte 1521/22 Luther verborgen als "Junker Jörg" die Bibel ins Deutsche. Dort fand auch 1817 das Wartburgfest statt, bei dem sich einige hundert Studenten und Professoren (natürlich auch Burschenschaftler) versammelten, um für ein geeintes Deutschland und gegen reaktionäre Kräfte einzutreten.
Auf diesem ersten Wartburgfest wurde auch die Allgemeine Deutsche Burschenschaft mit ihrem Wahlspruch "Ehre, Freiheit, Vaterland" gegründet. Der Spruch ist außen in den Rand des Burschenschaftsdenkmals eingemeißelt - was mich spontan an das "Einigkeit und Recht und Freiheit" auf dem Rand der deutschen Zwei-Euro-Münzen erinnerte. ;-)
1848 und 1948 gab es übrigens zwei weitere Wartburgfeste, die allerdings nicht so bekannt sind.

Nach dem Burschenschaftsdenkmal wollten wir auf die Wartburg. Dabei landeten wir versehentlich auf dem Hügel daneben, dem Hainstein. Da bekommt die Legende, nach der die Wartburg "Wartburg" heißt, weil ihr Begründer laut meiner Freundin "Warte, Berg, ich komme" gerufen haben soll, doch eine ganz neue Bedeutung... Nun, falschen Berg runtergelaufen, richtigen Berg hochgelaufen, und wir waren auf der Wartburg. Danach war es leider zu spät, um auch noch Luther- und Bachhaus von innen zu besichtigen, aber von außen konnten wir sie uns anschauen.

Anschließend fuhren wir mit der Thüringen-Bahn nach Bad Salzungen, wo die Freundin mir noch das Gradierwerk zeigte. Diese Anlage zur Salzgewinnung besteht aus einem Holzgerüst mit Reisigbündeln. Die natürliche Verdunstung des Wassers erhöht den Salzgehalt der Sole (Salz-Wasser-Lösung), die durch das Gradierwerk geleitet wird. Verunreinigungen der Sole setzen sich im Reisig ab und bilden graue oder braune Krusten am Reisig, die "Dornstein" oder "Salinenstein" genannt werden. Die salzreiche Luft bei dem Gradierwerk wird zu Kurzwecken genutzt, weil sie wie Seeluft die Schleimhäute von Asthmatikern oder Allergikern beruhigt. Deshalb nannte meine Freundin das Gradierwerk auch eine "große Inhalationsanlage". ;-)

Freitag, 18. September 2009

PDFs erstellen: Einer der Gründe, für den ich meinen Mac liebe

Es gibt sicher viele Gründe, die für einen Mac sprechen (und natürlich auch Gründe, die für Windows sprechen), aber was mir immer wieder positiv auffällt ist, dass es mit OS X unglaublich einfach ist, PDF-Dokumente zu erstellen.

Wenn ich bei einem beliebigen Dokument "Ablage --> Drucken" auswähle, wird mir dort die Option angeboten, das Dokument, Bild oder Was-auch-immer als PDF zu sichern. Wenn ich mehrere einzelne Bilder (bzw. als .jpg gescannte einzelne Textseiten) in "Vorschau" öffne, mit cmd+a alle Bilder in der Seitenleiste markiere und dann auf "Ablage --> Drucken" gehe, kann ich sogar einzelne Bilder völlig unkompliziert zu einem PDF-Dokument zusammenfassen.

Das ist besonders praktisch, wenn beide Flachbett-Scanner an der Uni, die Bücher als PDF scannen, mal wieder stundenlang belegt sind und man deshalb den "normalen" Scanner nehmen muss. So habe ich am Ende nicht Dutzende einzelner Dateien, die in Wirklichkeit zu einem einzigen Buch gehören, sondern alles in einer PDF-Datei.

Wenn ich an dem einen Flachbett-Scanner scanne, kommt es außerdem immer wieder vor, dass er eine größere Fläche als das Buch einscannt, nach ein paar Seiten aber automatisch wieder auf das richtige Format wechselt. (Laut den Anweisungen zu diesem Scanner kann man nicht einfach die letzten beiden gescannten Seiten löschen. Bei dem zweiten Flachbett-Scanner ist das möglich.) Ich scanne dann einfach so lange dieselbe Seite, bis er wieder richtig eingestellt ist, und lösche die fehlerhaften Scans später in "Vorschau aus der PDF-Datei. Sehr praktisch!

Donnerstag, 17. September 2009

Bretonische und mittelalterliche französische Musik

Wie im letzten Eintrag erwähnt, interessiere ich mich gerade für mittelalterliche Musik. Neben dem maurischen Spanien, mit dem ich mich immer noch beschäftige, gilt mein Interesse wieder verstärkt dem Französischen. Ich hatte drei Jahre Französisch an der Schule, habe die Sprache dann aber abgelegt, weil ich unbedingt Englisch als LK nehmen wollte. Eine Französisch-Grundkurs gab es leider nicht.

Nun bin ich auf der Suche nach französischer mittelalterlicher oder bretonischer Musik. Dabei stoße ich gleich auf mehrere Probleme: Die südfranzösischen Trobadors sangen auf Okzitanisch, die nordfranzösischen Trouvères auf Altfranzösisch. Beides ist doch recht weit von der heutigen Sprache entfernt... Ich verstehe zwar einzelne Satzfetzen, aber das war es dann auch schon.

Bretonische Musik wird meist auf Brezhoneg (der bretonischen Sprache, die zur keltischen bzw. britannischen Sprachfamilie gehört) gesungen, was ich noch schlechter verstehe als Altfranzösisch... Wenn es sich denn überhaupt um Vokalmusik handelt und nicht um bretonische Reihen- bzw. Kreistänze, die "An dro" genannt werden. (Sehr mitreißende Musik übrigens.)
Bretonische Musik kann zwar mittelalterlichen Ursprungs sein, ist das aber nicht zwangsläufig.

Es gibt natürlich Musiker, die bretonische Musik in aktuellem Französisch singen... Um sie zu finden, muss ich mich aber erst ein wenig durch einige (französischsprachige) Seiten durchlesen. Ich habe ja auch erst vor Kurzem begonnen, mich mit dem Thema zu beschäftigen.


Zwei Links zu französischsprachigen Seiten über bretonische Musik:

Eine wahre Fundgrube an Hintergrundinfos zu bretonischer Musik.

Dort gibt es Texte, Noten (für mich immer besonders interessant) und Hörbeispiele zu zahlreichen bretonischen Liedern.