Am Tag nach der Bundestagswahl und den Landtagswahlen in Schleswig-Holstein und Brandenburg möchte ich mir wieder einmal einige Zahlen anschauen. Die Zahlen sind natürlich nicht das eigentlich Wichtige, das ist mir klar. Das eigentlich Wichtige kommt ja erst noch. ;-)
Die Prozentzahlen in Klammern geben wie immer die Ergebnisse der vorherigen Wahl an (also z.B. der Bundestagswahl 2005).
Bundestagswahl 2009CDU/CSU: 33,8% 2009 (35,2% 2005)
SPD: 23,0% (34,2%)
FDP: 14,6% (9,8%)
Linke: 11,9% (8,7%)
Grüne: 10,7% (8,1%)
Sonstige: 6,0% (4,0%), davon rund 2% für die Piratenpartei
Wahlbeteiligung: 70,8% (77,7%)
Die CSU kommt bundesweit gerechnet auf 6,5% (7,4%) der Stimmen und ist damit weniger als halb so stark wie die FDP. Die ist die große Gewinnerin der Wahl: Sie hat nicht nur ihr bestes Ergebnis in der Geschichte der Bundesrepublik Deutschland erzielt, sie ist nach 11 Jahren Opposition auch endlich wieder an der Regierung beteiligt. Die SPD dagegen muss ihr schlechtestes Ergebnis seit 1949 verkraften... Schon traurig. Jetzt muss sich die Partei neu aufstellen.
Grüne und Linke haben wie die FDP Rekordergebnisse eingefahren; alle "kleinen" Parteien haben jeweils (zum Teil deutlich) über 10% erzielt. Die Zeit der großen Volksparteien in Deutschland neigt sich damit weiter dem Ende zu.
Die Piraten haben einen Achtungserfolg erzielt und insbesondere bei den Jungwählern gepunktet. Mit ihnen dürfte in Zukunft weiterhin zu rechnen sein.
Die Wahlbeteiligung war mit nur 70,8% erschreckend niedrig; der Negativrekord von 2005 wurde deutlich unterboten. Kein gutes Zeichen... Zugegeben, der Wahlkampf war nicht gerade spannend. Daran lag es wohl auch.
Bundestagswahlergebnisse 2009 in BayernCSU: 42,6% 2009 (49,2% 2005)
SPD: 16,8% (25,5%)
FDP: 14,7% (9,5%)
Grüne: 10,8% (7,9%)
Linke: 6,5% (3,4%)
Sonstige: 8,7%, davon wie im Bund 2,0% für die Piraten
Wahlbeteiligung: 71,8% (78,1%)
Die Zeiten, in denen die CSU auf "50% + x" kam, sind wohl endgültig vorbei. Ministerpräsident Seehofers Angriffe auf die FDP haben seiner eigenen Partei, der CSU, geschadet.
Die SPD hat mal wieder ein historisch niedriges Ergebnis; in Oberbayern und Schwaben liegt die FDP gar vor der SPD (Oberbayern: FDP 16,1% und SPD 15,5%; Schwaben: FDP 15,6% und SPD 14,4%). Immerhin hat die CSU diesmal sämtliche bayerischen Direktmandate geholt, während 2005 noch eines im Münchner Norden an die SPD ging. Karl-Theodor zu Guttenberg ist - wenig überraschend - Deutschlands Erststimmenkönig; er hat sein Direktmandat mit satten 68,1% verteidigt.
Landtagswahlergebnisse 2009 in Schleswig-Holstein:CDU: 31,5% 2009 (40,2% 2005)
SPD: 25,4% (38,7%)
FDP: 14,9% (6,6%)
Grüne: 12,4% (6,2%)
Linke: 6,0% (0,8%)
SSW: 4,3% (3,6%)
Wahlbeteiligung: 73,5% (66,5%)
Dank Überhangmandaten reicht es knapp für Schwarz-Gelb: Die CDU kommt auf 34, die FDP auf 15 Sitze. Beide Parteien erhalten damit zusammen 49 von insgesamt 95 Sitzen. Für den Südschleswigschen Wählerverband (SSW) als Partei der dänischen Minderheit gilt die 5%-Hürde nicht; deshalb ist er im Landtag vertreten. Alle "kleinen" Parteien konnten deutlich zulegen, während die SPD ebenso deutlich verloren hat. Die Wahlbeteiligung in Schleswig-Holstein ist sogar gestiegen; sehr schön. Der Streit in der bisher bestehenden Großen Koalition sorgte wohl auch dafür, dass mehr Wahlberechtigte ihre Stimmen abgegeben haben.
Wenn es wirklich zu Schwarz-Gelb kommt, haben Union und FDP nicht nur im Bundestag, sondern auch im Bundesrat eine Mehrheit.
Landtagswahlergebnisse 2009 in BrandenburgSPD: 33,0% 2009 (31,9% 2004)
Linke: 27,2% (28,9%)
CDU: 19,8% (19,4%)
FDP: 7,2% (3,3%)
Grüne: 5,6% (3,6%)
DVU 1,0% (6,1%)
Wahlbeteiligung: 67,5% (56,4%)
Ministerpräsident Platzeck (SPD) kann sich nun aussuchen, ob er weiter mit der CDU oder aber mit den Linken eine Koalition bilden will. SPD und CDU konnten leicht zulegen, während die Linke leicht verlor. FDP und Grüne sind nach 15 Jahren wieder in den Brandenburger Landtag eingezogen. Die rechtsextreme DVU ist mit nur noch einem Prozent draußen; gleichzeitig ist die Wahlbeteiligung ist gegenüber 2004 deutlich gestiegen. Hier sieht man, wie eine hohe Wahlbeteiligung den Einzug einer rechtsextemen Partei ins Parlament verhindern kann! Das Argument, wählen zu gehen, um eine Stimme gegen Rechts abzugeben, erweist sich also als durchaus berechtigt!