Dienstag, 31. März 2009

Hintergrundmusik

Eben habe ich die neue Jokers-Depesche in meinem E-Mail-Postfach gefunden. Wenn ich sie mir so durchlese, muss "Hintergrundmusik zum entspannten Lesen" gerade schwer im Trend sein...
Wie manche Menschen während des Lesens gleichzeitig noch Musik hören können, werde ich wahrscheinlich nie so ganz verstehen; ich jedenfalls kann mich nicht konzentrieren, wenn ich denken soll und gleichzeitig irgendwelche Musik dudelt. Hintergrundmusik verwende ich deshalb - wenn überhaupt - eher für monotone Tätigkeiten, z.B. früher beim Abschreiben von Vokabeln ins Vokabelheft oder - vor allem - beim Lernen auf Matheschulaufgaben, wenn ich mal wieder etliche Beispiele für die jeweiligen Aufgabentypen gerechnet habe. Ich bin dann einfach ausdauernder und geduldiger.
Während des Zusammenfassens von Lernstoff läuft bei mir manchmal auch Musik im Hintergrund, meistens Symphonic Metal oder Ähnliches.

Aber was würde wohl der große Dirigent Herbert von Karajan sagen, wenn er noch miterlebt hätte, dass einige der von ihm dirigierten Stücke auf einer CD mit dem Titel "Karajan - Klassik zum genussvollen Lesen" erschienen sind? (Nun wäre es nur noch interessant zu erfahren, wie viel Prozent der Käufer dieser CD sie tatsächlich nur als Hintergrundmusik laufen lassen...)
Andererseits muss ich offen gestehen, dass ich beim Mathelernen sogar mal ein paar Symphonien meines geliebten Beethoven gehört habe, obwohl die als Hintergrundmusik nun wahrlich viel zu schade sind. Die betreffenden Einspielungen waren sogar von Karajan dirigiert... Also auch Asche auf mein Haupt. (Wir haben ja noch Fastenzeit.)

Apropos Asche - das deutsche Sprichwort "in Sack und Asche gehen" gibt es im Englischen fast wörtlich: "to wear sackcloth and ashes."

Montag, 30. März 2009

English for far far runaways

Heute hat mein Vater mal wieder eine E-Mail von seinem Bruder bekommen.
Ich schreibe die Power Point-Präsentation einfach mal ab:


Learning English Lesson 1
"Englisch für Anfänger" (for beginners)

Drei Hexen schauen sich drei Swatch Uhren an. Welche Hexe schaut welche Swatch Uhr an?

Und nun das Ganze in englischer Sprache:
Three witches watch three Swatch watches. Which witch watches which swatch watch?


Learning English Lesson 2
"Englisch für Fortgeschrittene" (advanced english)

Drei geschlechtsumgewandelte Hexen schauen sich drei Swatch Uhrenknöpfe an. Welche geschlechtsumgewandelte Hexe schaut sich welchen Swatch Uhrenknopf an?

(Kurze Zwischenfrage von mir: Was ist ein Uhrenknopf?)

Das Ganze wieder in englischer Sprache:
Three switched witches watch three Swatch watch switches. Which switched witch watches which Swatch watch switch?


Learning English Lesson 3
"Englisch im Endstadium" (at the end)

Drei Schweizer Hexenschlampen, die sich wünschen geschlechtsumgewandelt zu sein, schauen sich Schweizer Swatch Uhrenknöpfe an. Welche Schweizer Hexenschlampe, die sich wünscht geschlechtsumgewandelt zu sein, schaut sich welche Schweizer Swatch Uhrenknöpfe an?

(Jetzt wird's drollig...)

Das Ganze auf Englisch:
Three Swiss witchbitches, which wished to be switched Swiss witchbitches, wish to watch three Swiss Swatch watch switches. Which Swiss witchbitch, which wishes to be a switched Swiss witchbitch, wishes to watch which Swiss Swatch watch switch?


Knoten aus der Zunge lösen und weitermachen!

presented by H2K5


Ich möchte echt mal wissen, wer allen Ernstes seine Zeit damit verbringt sich solches Zeug auszudenken...
Aber es ist lustig, wenn man die englische Version auszusprechen versucht. XD

Samstag, 28. März 2009

Menetekel

Und sieh! und sieh! an weißer Wand
Da kam's hervor, wie Menschenhand;

Und schrieb, und schrieb an weißer Wand
Buchstaben von Feuer und schrieb und schwand.

(aus: Belsazar, von Heinrich Heine)
Was die Flammenhand König Belsazar geschrieben hat, dürften die meisten Menschen wissen, selbst wenn sie in ihrem Leben noch nie einen Blick in die Bibel geworfen haben:
Das Geschriebene lautet aber: Mene mene tekel u-parsin. Diese Worte bedeuten: Mene: Gezählt hat Gott die Tage deiner Herrschaft und macht ihr ein Ende. Tekel: Gewogen wurdest du auf der Wage und zu leicht befunden. Peres: Geteilt wird dein Reich und den Medern und Persern gegeben.
(Dan 5,25-28; zitiert nach der katholischen Einheitsübersetzung)
Und auch die Anmerkung zu dieser Deutung des Propheten Daniel, die ebenfalls aus der Einheitsübersetzung stammt, will ich niemandem vorenthalten:
In Daniels Deutung ist
mene = gezählt,
tekel = gewogen,
peres = geteilt; peres, Mehrzahl parsin, erinnert zugleich an "Perser."
Ich bin sowieso der Meinung, dass man Bibelanmerkungen besonders aufmerksam lesen sollte. ;)

Wie ich gerade auf dieses Thema komme?
Weil Valentine in City of Ashes eine Rune als mene mene tekel u-parsin deutete.
Davon abgesehen habe ich das Heine-Gedicht, das ich eingangs zitiert habe, immer gemocht.

Freitag, 27. März 2009

The Mortal Instruments (Cassandra Clare)

Gerade lese ich "City of Ashes" aus der Mortal Instruments-Reihe von Cassandra Clare. Mit "City of Bones" bin ich inzwischen fertig.

Schon vor einiger Zeit hatte ich mal überlegt die Trilogie zu lesen - allerdings mit der deutschen Ausgabe im Blick und ohne zu wissen, dass die "Chroniken der Unterwelt" auf Englisch "The Mortal Instruments" heißen. Ich habe es auch erst mal nicht getan, weil ich noch andere Buchreihen verfolge. Dann habe ich auf "Chrysanthemengarten" erfahren, wie begeistert Eadrea von Cassandra Clares Büchern ist und mich doch umentschieden.
Gut, dass ich es getan habe!
Ich mag die Bücher; sie sind spannend, interessant und - vielleicht am wichtigsten - die Charaktere sind total sympathisch.

Es wird noch ein paar Tage dauern, bis ich "City of Ashes" gelesen habe, weil ich drei Stunden vorbereiten muss, die ich nächste Woche halten darf. Außerdem muss ich bis Juli auf den dritten Teil warten, denn erst dann erscheint die UK-Ausgabe von "City of Glass." Für diese Ausgabe habe ich mich entschieden, weil mir die Cover besser gefallen als in den USA.
So wird das Cover von "City of Glass" im United Kingdom aussehen:

Donnerstag, 26. März 2009

Unterrichtsmitschriften in Geschichte

Gerade mache ich das Orientierungspraktikum, das Lehramtsstudenten seit einigen Jahren vor dem bzw. zu Beginn des Studiums absolvieren müssen. Nächste Woche darf ich einen Teil einer Geschichtsstunde halten und habe mir deshalb noch mal zwei Ausschnitte aus meinen alten Unterrichtsmitschriften im LK angeschaut.
Es ist doch etwas ganz anderes, ob man so etwas fürs Abitur lernt oder ob man es sich danach noch mal durchliest...
Der eine Ausschnitt der Mitschrift ist sauber gegliedert und leicht zu überblicken, der andere ein wenig durcheinander, wird aber gerade dadurch besonders spannend.

Eine Stelle daraus: "Kŏng Zĭ (Konfuzius, ca. 551-479 v. Chr.) zufolge soll man nur dann Krieg führen, wenn man sicher weiß, dass man gewinnen wird. So werden weniger Menschenleben gefordert und der Ressourcenverbrauch gering gehalten. Im Ersten Weltkrieg waren dagegen anfangs alle Gegner gleich stark; es war nicht klar, wer gewinnen würde."
Was Kŏng Zĭ über die Kriegsführung schreibt, ist natürlich kein abiturrelevanter Stoff und davon abgesehen sollte man aus heutiger Sicht überhaupt keinen Krieg führen, aber ich fand es trotzdem interessant...

Noch eine interessante Stelle:
In einer Quelle von 1897 - einer Rede des britischen Außenministers Joseph Chamberlain, der Gewalt als Mittel der Kolonialisationspolitik rechtfertigte -, findet sich ein Satz, der das fast religiöse Sendungsbewusstsein in den damaligen Kolonialmächten offenlegt.
Heute klingt er natürlich indiskutabel.
Er lautet: "You cannot have omelettes without breaking eggs; you cannot destroy the practices of barbarism, of slavery, of superstition, which for centuries have desolated the interior of Africa without the use of force". Wörtlich übersetzt müsste das heißen: "Man kann kein Omelett machen, ohne Eier zu zerbrechen; man kann die Praktiken der Barbarei, der Sklaverei, des Aberglaubens, die jahrhundertelang das Innere Afrikas verwüstet haben, nicht ohne Gewalt zerstören".
Die auf meinem Blatt abgedruckte Quelle lautet dagegen: "Um ein Omelett zu erhalten, muss man aber Eier zerbrechen; Barbarei, Sklaverei und Aberglauben kann man nur mit Gewalt zerstören."
Nichts gegen freie Übersetzungen, aber da fehlt die Hälfte des Satzes - und das ohne Auslassungszeichen!

"You cannot have omelettes without breaking eggs" wäre wohl am treffendsten mit "wo gehobelt wird, da fallen Späne" zu übersetzen, aber nachdem es kein englisches Sprichwort zu sein scheint, finde ich die wörtliche Version in Ordnung - auch wenn sie komisch klingt.

Dienstag, 24. März 2009

Doros neues Album... und Übersetzerfreuden

Nachdem ich das Album "The Night of the Warlock" nun schon seit ein paar Wochen habe, möchte ich mal ein bisschen darüber schreiben. Es war die erste Doro-CD, die ich mir gekauft habe.
Dafür gab es verschiedene Gründe:
Einmal habe ich schon ein paar Metal-Compilations, auf denen einige von Doros Liedern waren, und war einfach neugierig darauf, wie ein Album von ihr klingt.
Dann ist darauf ein Duett mit Tarja, deren Stimme ich sehr mag. Man könnte vielleicht denken, dass Doros raue und Tarjas kristallklare Stimme nicht zusammenpassen, aber das ist überhaupt nicht der Fall. Wer sich Tarjas EP "The Seer" oder die Extended Special Edition von "My Winter Storm" gekauft hat, konnte sich mit der entsprechenden Version von "The Seer" ja bereits davon überzeugen.
Außerdem gibt es auf "The Night of the Warlock" das Lied "Celebrate" zu Doros 25. Bandjubiläum, bei dem unter anderem Floor Jansen von After Forever (die ja nun aufgehört haben...) und Liv Kristine von Leaves' Eyes zu hören sind. Man hört die meisten Gaststars aber kaum heraus; eigentlich schade. Das Lied selbst ist schön und ich mag es auch ganz gerne.

Nach dieser Einleitung folgt mal die Tracklist:
  1. The Night of the Warlock
  2. Running from the Devil
  3. Celebrate
  4. Caught in a Battle
  5. Herzblut (die Ballade)
  6. On the Run
  7. Walking with the Angels
  8. I Lay My Head Upon My Sword
  9. It Kills Me
  10. Long Lost for Love
  11. 25 Years
  12. Wildfire (Limited Edition Bonus)
  13. You Won My Love (Ltd. Ed. Bonus)
Die Limited Edition habe ich mir gekauft, weil sie weniger gekostet hat als die normale Version. Das verstehe ich zwar nicht, aber mir soll's recht sein... XD

Am besten gefällt mir "Walking with the Angels", wenn ich vor allem die Musik betrachte. Der Text ist zwar auch inhaltlich schön (und steht in ziemlichem Gegensatz zu dem des Titeltracks oder von "Running From the Devil"), wird aber von "I Lay My Head Upon My Sword" ausgestochen.
In diesem Lied hört man dann Zeilen wie "It's too dark to see a better day / It's too hard to find a better way" oder "Fight for strong beliefs / Whatever one feels / Might not be the only way" - und ich denke mal wieder an Israel. (Warum eigentlich nur Israel? Es gibt doch so viele andere Kriegsschauplätze auf der Welt, und der Nahostkonflikt ist bei Weitem nicht der Einzige, bei dem Glaubensfragen eine Rolle spielen...)
Es gibt mit Sicherheit poetischere Wege die Sehnsucht nach Frieden auszudrücken, aber gerade die klare Sprache finde ich bei diesem Thema bestechend. Ebenso wie die Idee, dass das lyrische Ich selbst offensichtlich mitgekämpft hat, wie die Zeilen "I lay my head upon my sword / To end this war" aus dem Refrain zeigen.
Ja, ja, ich kann kaum mehr einen Text lesen oder hören, ohne ihn zumindest teilweise zu analysieren...
Im Großen und Ganzen finde ich die Texte des Doro-Albums übrigens recht simpel; da bin ich von Epica, Edenbridge oder Kamelot ganz anderes gewohnt.

Von den anderen Liedern mag ich noch den Titeltrack, "Running from the Devil" und "Caught in a Battle" - wobei Doro beim Letzteren sicher aufpassen muss, dass sie live die Textzeilen nicht verdreht... ;)
"The Night of the Warlock" mag ich vor allem wegen der Melodie des Refrains. Am Anfang fand ich es zu viel, dass Doro bis auf eine Stelle am Schluss jedes Mal auf die Silbe "-lock" eine Verzierung singt. Mittlerweile habe ich mich daran gewöhnt und finde es sogar sehr passend, dass aus dem Lied dadurch eine Art magic chant wird.

Wie übersetzt man magic chant eigentlich am besten - magischer Gesang? Zaubergesang? Oder einfach Zauberspruch?
Das Problem ist, dass das Wort chant an sich schon eine Art magische Bedeutung in sich trägt - vgl. to enchant = verzaubern - die dem deutschen Gesang abgeht.
Um aus William Shakespeares Macbeth zu zitieren:
And now about the cauldron sing,
Like elves and fairies in a ring,
Enchanting all that you put in.
Gerade mag ich den Titeltrack außerdem, weil ich ein Buch lese, in dem Hexer warlocks genannt werden. Was mich zu einem weiteren Exkurs führt: Was ist eigentlich der Unterschied zwischen Magier, Zauberer, Hexer bzw. wizard, sorcerer, warlock?
Mir erscheint eine solche Zuordnung sinnvoll:
  • Hexer/warlock - Gegenstück zur Hexe (wobei man im Englischen auch Männer als "witch" bezeichen kann); ist in der Regel mit dem Teufel oder anderen dunklen Mächten im Bunde
  • Magier/wizard - gelehrter Zauberer; jemand, der die magischen Künste studiert hat
  • Zauberer/sorcerer - jemand, der angeborene magische Fähigkeiten hat
Problematisch bei meiner Zuordnung ist auch wieder, dass man die Stars in diesen Zaubershows im Englischen als "magician" bezeichnet, im Deutschen dagegen als "Magier" oder "Zauberer"...
Als Fantasy-Übersetzer muss man sich wohl ganz schön den Kopf zerbrechen.

Montag, 23. März 2009

Fernsehen für Kleinkinder und die Folgen

Heute konnte ich in der Zeitung etwas Interessantes lesen:
Laut einer dpa-Meldung haben Cartoons die Leidenschaft des bekannten chinesischen Pianisten Lang Lang für die klassische Musik geweckt. Wie er gestern am Rande einer Veranstaltung in Offenburg sagte, sei er mit zwei Jahren oft vor dem Fernseher gesessen. In einer Folge hätten Tom und Jerry auf dem Klavier ein Stück des ungarischen Komponisten Franz Liszt gespielt. Lang Lang habe damals schon gespürt, dass die Klaviermusik sein Leben werde.

Es gibt da übrigens auch noch ein Mädchen, dessen Leidenschaft für Geschichte von Zeichentrickserien entfacht wurde. "Dogtanian" (D'Artagnan und die drei Musketiere als Hunde) und "Der Stern der Seine" haben insbesondere ihre Begeisterung für Frankreich, das Zeitalter der Aufklärung und die bürgerlichen Revolutionen geweckt. Allerdings war sie damals schon ein paar Jahre älter als Lang Lang; etwa vier oder fünf.
Heute studiert dieses Mädchen Englisch und Geschichtswissenschaft...
Genau. Das bin ich.

Und da soll noch einer sagen, Zeichentrickserien hätten negative Auswirkungen auf kleine Kinder...

Sonntag, 22. März 2009

Sprachwissenschaft ist spannend

Gestern hat mein Vater eine CD von seinen Eltern nach Hause gebracht, die sie zu ihrem 50. Hochzeitstag bekommen haben. Irgendetwas zwischen volkstümlicher und Volksmusik - ein typisches Wandergeschenk also. Dementsprechend ist die CD immer noch originalverschweißt - was sie in diesem Haus auch bleiben wird. XD

Mir ist allerdings etwas aufgefallen, als ich die im Dialekt geschriebenen Liedtitel auf der Rückseite betrachtet habe: dass der vor allem in skandinavischen Sprachen vorkommende Buchstabe "å" verwendet wurde, um die Aussprache anzuzeigen. "Å" ist so etwas wie ein Zwitter aus dem deutschen "a" und "o", der so ähnlich ausgesprochen wird wie der Vokal im englischen Wort pawn.
Mir war bisher gar nicht bewusst, dass der Vokal in "i måg di" - diese Umschrift übernehme ich einfach mal - genauso ausgesprochen wird wie das "å" in "Åses Tod", dem zweiten Stück aus Edvard Griegs erster Peer Gynt Suite.
So ungewöhnlich ist es wohl nicht, wenn man bedenkt, dass ich keinen Dialekt sprechen kann, aber mich fasziniert trotzdem, was ich gerade entdeckt habe... Wenn ich das nächste Mal in der Unibibliothek bin, muss ich unbedingt nachsehen, ob in einem Linguistikbuch etwas darüber steht. Bis dahin werde ich mal im Internet suchen.

Gut, das kann jetzt wahrscheinlich nur jemand nachvollziehen, der sich genauso für Sprache(n) interessiert wie ich... *hust*

Samstag, 21. März 2009

Entdeckungen beim Blättern

Eben habe ich ein Magazin einer großen deutschen Buchhandlung durchgeblättert, das ich schon vor ein paar Tagen beim Kauf von "Gegen die Finsternis" bekommen hatte. Neben dem doppelseitigen Aufmacher - natürlich über "Bis(s) zum Ende der Nacht" - war darin auch ein Interview mit Celia Rees, in dem ihr neuester Roman "Sovay" vorgestellt wurde.
Als ich etwa fünfzehn war, habe ich "Hexenkind" und "Hexenschwestern" von ihr gelesen. Die beiden Romane über ein Mädchen, das vor Hexenverfolgung mit - ausgerechnet - Puritanern nach New England flieht, fand ich sehr spannend. Deshalb hat mich dieses Interview natürlich interessiert.
Außerdem spielt ihr neuer Roman zur Zeit der Französischen Revolution - noch ein Grund, der ihn für mich interessant macht: Das Zeitalter der Aufklärung und die bürgerlichen Revolutionen sind meine Lieblingsthemen in der Geschichte, seit ich zum ersten Mal von ihnen gehört habe.

Sieht so aus, als hätte ich da wieder etwas entdeckt...
Dabei bin ich nicht gerade ein Fan solcher Magazine. Aber manchmal gibt es eben doch ein Buch darin, das mein Interesse weckt - in diesem Fall, weil ich schon etwas von der Autorin gelesen habe und ihren Schreibstil mag.

Freitag, 20. März 2009

Gegen die Finsternis (Melissa Marr)

Nein, diesmal schreibe ich keine Buchvorstellung. Nur ein paar Gedanken über "Gegen die Finsternis" ("Ink Exchange"), die Fortsetzung von "Gegen das Sommerlicht" ("Wicked Lovely") von Melissa Marr.
Ich werde mich bemühen nicht zu spoilern, damit ich niemandem den Spaß verderbe, der vielleicht darüber nachdenkt "Gegen die Finsternis" auch zu lesen. ;)

Zugegeben, nach dem doch eher "hellen" Erstling hatte ich etwas anderes erwartet. Das soll nicht bedeuten, dass ich enttäuscht wäre. Ich hätte nur nicht gedacht, dass die Story diesen Verlauf nimmt - abgesehen von der Sache mit Niall und Irial, die mir schon nach ein paar Seiten klar war.
Irial ist genau der Charaktertyp, den ich schon immer interessant fand: nicht völlig böse, aber auch nicht gut - irgendetwas dazwischen und mit normalen moralischen Maßstäben allein nicht zu beurteilen.
Offen gestanden ist mir Irial immer noch sympathischer als Keenan. Von dem hätte ich eigentlich gedacht, dass er nach dem Ende von "Gegen das Sommerlicht" positivere Charakterzüge entwickelt hätte. Aber Verhaltensweisen, die man seit neunhundert Jahren gepflegt hat, kann man wohl nicht so leicht aufgeben...

Das ist für mich auch das Schöne an den beiden Büchern: Zuerst denkt man, es gäbe in Melissa Marrs Fantasy nur Schwarz und Weiß. Dann vergehen einige Seiten und man merkt, dass es längst nicht so einfach ist.
Außerdem wird das Schlechte in der Realität der "elfenblinden" Welt genauso wenig ausgeblendet wie das in der Elfenwelt.

Der dritte Teil, "Fragile Eternity", wird in den USA am 21. April erscheinen. Leider ist die Inhaltsbeschreibung recht dürftig, aber anscheinend liegt der Fokus wieder mehr bei Ash und Seth:
In Melissa Marr's third mesmerizing tale of Faerie, Seth and Aislinn struggle to stay true to themselves and each other in a milieu of shadowy rules and shifting allegiances, where old friends become new enemies and one wrong move could plunge the Earth into chaos.
Mesmerizing - was eben so in Buchklappentexten steht.
Obwohl, wenn damit gemeint sein sollte, dass einen die Story so hypnotisiert, dass man sie innerhalb eines Tages gelesen hat - wie ich die ersten beiden Bücher - dann stimmt das vielleicht sogar... XD

Donnerstag, 19. März 2009

Fanthasianer (Buchvorstellung)

Auf meiner kleinen Seite (jetzt: http://himmelsnetz.wordpress.com/rezensionen/fanthasianer) befindet sich seit heute eine Buchvorstellung zu Diana Raths (geb. Seufert) Fanthasianer-Epos. Eine sehr kurze Zusammenfassung möchte ich aber auch an dieser Stelle hinterlassen:


Fanthasianer sind Wesen aus einer anderen Dimension, die parallel zu der unseren existiert. Sie sind die letzte Schöpfung der "Stimme", einer Gottheit, die aus Licht zu bestehen und zugleich männlich und weiblich zu sein scheint.

Die junge Wolfs-Fanthasianerin Taiga wird wegen ihrer Neugier und ihrer artuntypischen Verhaltensweisen von ihrem Rudel ausgegrenzt. Besonders die Betawölfin Serpentis setzt ihr aus Eifersucht schlimm zu, denn sie hat ein Auge auf den Alphawolf Lupus geworfen, der wiederum nur Augen für Taiga hat.
Schließlich schafft es Serpentis, dass Lupus ihre vermeintliche Konkurrentin aus dem Rudel verbannt. Damit beginnt für Taiga eine abenteuerliche Reise, auf der sie neue Freunde findet, aber auch in zahlreiche gefährliche Situationen gerät. Langsam beginnt sich das Schicksal, das ihr bei der Geburt von der "Stimme" auferlegt wurde, zu erfüllen...

Wer Fantasy, Tiere und faszinierende Welten mag, kann mit den Fanthasianer-Büchern kaum etwas falsch machen. Die Außenseiter-Thematik ist hier auf eine erfrischend neue Art dargestellt, und auch philosophische Fragen werden aufgeworfen.

Genauere Infos über die Fanthasianer, viele wunderschöne Zeichnungen und den Beginn des dritten Teils gibt es auf: www.hobby-schreiber.de

Mittwoch, 18. März 2009

Classic Vampire Stories (Buchtipp)

Jedem, der gerne Vampirgeschichten liest und sich dabei auch einmal an die Klassiker heranwagen möchte, kann ich das Buch Children of the Night: Classic Vampire Stories sehr empfehlen. Es ist auf Englisch, was auch sinnvoll erscheint, wenn man bedenkt, dass alle Geschichten bis auf zwei ("The Course of the Vourdalak" von Alexis Tolstoy - russisch - und "The Horla" von Guy de Maupassant - französisch) auch im Original in dieser Sprache verfasst wurden.
Neben den absoluten Klassikern "The Vampyre; a Tale" von - wahrscheinlich - John Polidori, "Carmilla" von J. Sheridan Le Fanu und einem Auszug aus Bram Stokers "Dracula" ("Dracula and the Three Brides") enthält das Buch noch einige weitere, zum Teil eher unbekannte short stories.

Sehr sinnvoll fand ich die siebenseitige Einleitung des Herausgebers David Stuart Davies, in der er über jede der Geschichten einige Worte schreibt und interessante Hintergrundinformationen über die Vampirliteratur liefert.


Meine Lieblingsgeschichten sind
  • The Curse of the Vourdalak (Alexis Tolstoy)
  • Carmilla (J. Sheridan Le Fanu)
  • For the Blood is the Life (F. Marion Crawford) und
  • An Episode of Cathedral History (M. R. James);
die beiden Letztgenannten fand ich am besten.

Dienstag, 17. März 2009

Die Buchhandlung - ein magischer Ort

Heute war ich einkaufen.

Eigentlich nicht besonders erwähnenswert, wäre letztes Wochenende nicht die Leipziger Buchmesse gewesen. Große Buchhandlungen sind ohnehin ganz besondere Orte für mich - vermutlich würde es mir noch nicht einmal etwas ausmachen, wenn ich ein paar Tage in einer eingeschlossen wäre XD - und wenn ich die ganzen Neuerscheinungen vor mir sehe, wirken sie um so magischer...
Gut, die Exemplare von "Bis(s) zum Ende der Nacht", die stapelweise in jeder Ecke zu finden waren, haben das Erscheinungsbild ein wenig getrübt. *g*

Wie ich es vorhatte, habe ich mir "Gegen die Finsternis" von Melissa Marr gekauft. Im aktuellen "Bella und Edward"-Newsletter von Carlsen ist sogar das Tatoo zu sehen, das Leslie, die Hauptperson, sich stechen lässt.
Außerdem habe ich einen karierten Ringblock mit einem "Favole"-Motiv von Victoria Francès entdeckt. Er passt damit zu dem linierten A6-Block "Home of Words", in dem die Beschreibungen der Charaktere aus der Ken-Geschichte stehen.
Ein karierter Block für mein Ken-Projekt, sehr schön! Leider nicht mit Doppelrand, aber den kann ich mir ja selbst ziehen. (Ja, ich habe eine Schwäche für die Lineatur 28, A4 kariert mit Doppelrand... :D)

Montag, 16. März 2009

Dupin und Holmes, die Meister der Deduktion

Wenn jeder Autor, der ein Honorar für eine Geschichte erhält, die ihre Entstehung Poe verdankt, den Zehnten für ein Monument des Meisters abgeben müsste, dann ergäbe das eine Pyramide so hoch wie die von Cheops.
Der hier zitierte Arthur Conan Doyle jedenfalls hat Edgar Allan Poe nicht weniger als seinen Nachruhm zu verdanken - wurde er doch durch Poes Figur des Detektivs C. Auguste Dupin zu seinen berühmten Geschichten um Sherlock Holmes angeregt.

Beide Detektive haben gemeinsam, dass sie sich ganz auf ihren Verstand verlassen und durch genaue Beobachtungsgabe Rückschlüsse auf Eigenschaften einer Person oder den Verlauf eines Ereignisses ziehen. Sowohl Dupin als auch Holmes werden von Ich-Erzählern unterstützt, die sich zwar nicht durch Ermittlungsgeschick hervortun, aber als Verfasser der Geschichten um die jeweiligen Detektive fungieren.
Im Gegensatz zu Holmes, der selbst einen Mordversuch vonseiten seines Schöpfers Doyle überlebt hat - nachzulesen in "Das letzte Problem" - und in zahlreichen Kurzgeschichten auftritt, hat es Dupin nur auf drei Geschichten gebracht: "The Murders in the Rue Morgue" (dt. "Der Doppelmord in der Rue Morgue"), "The Mystery of Marie Rogêt" (dt. "Das Geheimnis der Marie Rogêt") und "The Purloined Letter" (dt. "Der entwendete Brief").

Lesetipp, vor allem für Poe- und Sherlock Holmes- Fans!

Den englischen Text der Geschichten um Dupin gibt es auch kostenlos im Internet, da das Urheberrecht längst erloschen ist, z. B. auf Project Gutenberg: http://www.gutenberg.org/etext/2147. Nicht nur von Poe, auch von Doyle lässt sich dort so einiges finden.
Wer deutschen Text vorzieht, wird auf http://gutenberg.spiegel.de ebenfalls fündig, wenn auch nicht in dieser Fülle. Die drei Geschichten über C. Auguste Dupin jedenfalls sind vorhanden.

Holmes selbst hielt übrigens nicht allzu viel von Dupin:
He had some analytical genius, no doubt; but he was by no means such a phenomenon as Poe appeared to imagine.
(Holmes in "A Study in Scarlet", dt. "Eine Studie in Scharlachrot")

Samstag, 14. März 2009

Inhalt der Ken-Geschichte

Nach diversen vergeblichen Versuchen habe ich es endlich (zur Erinnerung: nach 7 Jahren!) geschafft den Inhalt des Ken-Projekts kurz zu umreißen. Man könnte auch von einem "Buchklappentext" sprechen, aber in Ermangelung der zugehörigen Buchklappe belasse ich es lieber bei dem Begriff "Inhaltsumriss." ;)
Manuel Richter liegt tot in seinem Schlafzimmer. Sind die Gerüchte, die es seit Jahren um ihn gegeben hat, am Ende doch wahr?
Ken von Sternenthal jedenfalls ist alles andere als begeistert davon, dass er sich mit Richters Tod beschäftigen muss - bedeutet es doch, dass er seinem Cousin nicht länger aus dem Weg gehen kann: Johannes mit den beunruhigenden Augen, der keine Gelegenheit ungenutzt lässt seine Überlegenheit vor Ken zu demonstrieren.

Je mehr er sich mit Richters Tod befasst, desto verwirrender stellen sich Ken die Ereignisse dar. Und auch in seiner eigenen, scheinbar heilen Vergangenheit zeigen sich mehr und mehr Risse...
Klingt vielleicht erst einmal nach Kriminalroman, aber das ist nicht das Hauptthema. Ich könnte wohl auch keine guten Krimis schreiben, weil ich selbst fast keine lese - außer der Sano Ichiro-Reihe, aber da geht es mir mehr um die interessanten Charaktere und das Japan der Edo-Zeit. XD

Donnerstag, 12. März 2009

Zum Amoklauf in Winnenden

Nachdem das Thema, auf das ich mich schon die ganze Woche gefreut hatte - der Starkbieranstich auf dem Nockherberg samt Salvatorrede und Singspiel - wegen des Amoklaufs in Winnenden ins Wasser gefallen ist, möchte ich nun doch einen Eintrag zu diesem Thema verfassen.

Ich habe das schon gestern erwogen, mich dann aber dagegen entschieden, da ich das Leid der Opfer und ihrer Angehörigen nicht einmal ansatzweise nachvollziehen kann und deshalb dazu schweigen möchte. Außerdem glaube ich kaum, dass Worte darüber in irgendeiner Weise hilfreich wären.

Worüber ich dennoch etwas schreiben möchte, sind die Reaktionen einiger Politiker, die nun reflexhaft eine ganze Reihe von Maßnahmen vorschlagen. Über einige davon möchte ich hier meine Meinung kurz darstellen:


Strengere Regelungen zum Waffenbesitz und -gebrauch
Darüber kann man natürlich immer reden. Ich bin auch fest davon überzeugt, dass es desto weniger Gewalt gibt, je weniger Waffen verfügbar sind.
Ein schärferes Waffenrecht trägt allerdings eher dazu bei, dass Jähzorn und spontane Wutausbrüche keine fatalen Konsequenzen haben; gegen lange geplante Taten ist es dagegen wirkungslos, fürchte ich. Verbrecher werden wohl immer einen Weg finden an Schusswaffen zu kommen, sei es auf dem Schwarzmarkt oder durch Diebstahl.

Einlasskontrollen und Metalldetektoren an Schulen
Um Gottes Willen! Die armen Schüler!
Schule ist ein Schutzraum. Man geht ja nicht mit dem Gedanken dorthin, dass es dort einen Amoklauf geben könnte. Was für fatale Auswirkungen es auf Schüler hätte - gerade auf jüngere - wenn Schulen plötzlich zu umzäunten Sicherheitstrakten würden, kann sich sicher jeder ausrechnen: Ängste, die sonst höchstwahrscheinlich gar nicht vorhanden wären, werden so erst geschürt.
Deshalb ist das der völlig falsche Weg.

Was diese beiden Punkte betrifft, bin ich sogar ausnahmsweise einer Meinung mit Wolfgang Schäuble - man lese und staune.

Verbot von Ego-Shootern und anderen "Gewaltspielen"
Einmal abgesehen vom Definitionsproblem - "Ist es schon ein Gewaltspiel, wenn man gegen irgendwelche Gegner mit Waffen kämpft, obwohl der Tod des Gegners nicht das Ziel des Spiels ist?" - gibt es hier zwei dicke Haken:
Erstens sind solche Spiele ohnehin für Kinder und Jugendliche unter 18 Jahren verboten. Wer sie sich wirklich illegal organisieren will, wird das aber bestimmt irgendwie schaffen.
Zweitens handelt es sich aus meiner Sicht um eine klassische Verwechslung von Ursache und Wirkung: Ein potenzieller Amokläufer begeht doch seine Tat nicht wegen irgendeinem blödsinnigen Computerspiel! Es ist, so glaube ich, eher der Fall, dass er sich mit dem Spiel beschäftigt, weil seine angestauten Aggressionen irgendwie aus ihm heraus müssen. Insofern würde man auch keinen einzigen Amoklauf verhindern, wenn man tatsächlich all diese Spiele restlos abschaffen könnte - was schlicht nicht umsetzbar ist.
(Zur Einordnung meiner Äußerung: Ich spiele keine Computerspiele. Das letzte, das ich gespielt habe, war ein Jump'n'Run aus den frühen Neunzigern, und da war ich 14 oder so.)

Mehr Schulpsychologen
Hm. Kommt auf die Kompetenz der Schulpsychologen an, würde ich sagen, insbesondere auf ihre Fähigkeit mit Kindern und Jugendlichen umzugehen und auf diese einzugehen. Kann aber letztlich nur in Kombination mit dem Punkt, den ich mir für den Schluss aufgehoben habe, etwas bringen.

Freunde, Mitschüler, Eltern, Lehrer, Kollegen, ..., die aufmerksam sind und Veränderungen an einem Menschen feststellen, ohne ihn deswegen gleich zu stigmatisieren und voreilig als potenziellen Amokläufer zu diskriminieren.
Menschen, die Auffälliges wie die Videos - die ja vor vielen school shootings im Internet aufgetaucht sind - oder gewalttätige Äußerungen in Chats wahrnehmen und ihnen nachgehen. Die hinschauen und Zivilcourage zeigen, ohne aber überzureagieren.
Eine Gratwanderung, aber das Einzige, das wirklich helfen kann. Die Polizei kann nicht überall sein, und keine Polizei eines freiheitlich organisierten Landes kann das ganze Internet ständig im Auge behalten - einmal davon abgesehen, dass es sich dazu ohnehin viel zu schnell verändert. Deshalb sind wir gefordert, jeder und jede Einzelne von uns.

Absolute Sicherheit kann und wird es aber nie geben. Darüber sollte sich niemand Illusionen machen.


Natürlich ist all das für Winnenden zu spät, aber vielleicht nicht anderswo.

Es wäre schön, wenn es nie mehr Amokläufe gäbe - vor allem nicht an Schulen, wenn Kinder betroffen sind -, aber das ist wohl leider ein frommer Wunsch.

Mittwoch, 11. März 2009

Realisieren macht Sinn

Heute mal eine Anekdote aus dem reichhaltigen Fundus "Hätte mir eigentlich schon längst auffallen können, fällt mir aber erst jetzt auf" oder - passend zum Thema - "Das habe ich erst jetzt realisiert":

Sprachpuristen wie Bastian Sick haben einen Todfeind: das Wörtchen realisieren. Schlimmstes "Denglisch", heißt es da. Man solle doch bitte das englische to realize (oder realise; ich bevorzuge die Versionen mit z) nicht einfach in die deutsche Sprache übernehmen.
Sätze wie "Ich kann es noch gar nicht glauben, dass ich die Ski-Abfahrt gewonnen habe. Das muss ich erst einmal realisieren" scheinen diese Vermutung zu bestätigen.

Tatsächlich hat das Wort aber schon viel früher Einzug in die deutsche Sprache gehalten - nachzulesen in Hegels Phänomenologie des Geistes aus dem Jahre 1807. Da heißt es an einer Stelle:
[D]er Geist, der seinem vollständigen und wahren Inhalte zugleich die Form des Selbsts gibt, und dadurch seinen Begriff ebenso realisiert als er in dieser Realisierung in seinem Begriffe bleibt, ist das absolute Wissen; es ist der sich in Geistsgestalt wissende Geist oder das begreifende Wissen.
Tja...

Der Dativ ist dem Genitiv sein Tod fand ich übrigens recht amüsant zu lesen, auch wenn ich es nicht so ganz ernst nehmen kann.

Noch ein Beispiel dafür: Bastian Sick zufolge ist die Phrase Sinn machen auch "Denglisch", eine allzu wörtliche Übersetzung von to make sense. Man solle doch bitte es ist sinnvoll oder es hat Sinn verwenden, denn Sinn könne man nicht machen (im Sinne von herstellen).

Natürlich kann man Sinn machen.
Was, bitteschön, ist Sinn denn anderes als ein aktives Konstrukt?

Dienstag, 10. März 2009

Ein Nachtrag zum gestrigen Thema

Eben habe ich erfahren, dass Tim Burton an einer Verfilmung von Alice in Wonderland arbeitet. Sie soll 2010 in die Kinos kommen. Natürlich wird wieder Johnny Depp mitspielen, diesmal als Mad Hatter (der verrückte Hutmacher), aber auch Alan Rickman hat eine Rolle als Raupe (Caterpillar).

Ach ja, Alan Rickman: Bei ihm bin ich mir nie sicher, ob ich meine Sympathien für Severus Snape nicht einfach vom Charakter auf dessen Schauspieler übertragen habe. Andererseits spielt Rickman meistens genau die Art von Charakteren, bei denen ohnehin meine Sympathien liegen: moralisch fragwürdig, aber nicht durch und durch böse - mal abgesehen von einigen Fieslingen wie dem Sheriff von Nottingham in Robin Hood: Prince of Thieves (1991).
Bei diesem Film muss ich wohl hinzufügen, dass er für mich vor allem wegen Rickman sehenswert wurde, obwohl ich eigentlich Robin Hood-Fan bin.

Ich weiß noch, dass ich Alan Rickman zum ersten Mal im Fernsehen sah, als ich recht klein war: als Terrorist Hans Gruber in Die Hard (1988).
Schon lustig: Ich habe diesen Film noch nie ganz gesehen, die Szene, in der Rickman aus diesem Hochhaus stürzt, aber schon mindestens drei Mal.


Was Robin Hood-Filme angeht, hat für mich übrigens keiner eine Chance gegen meine absolute Nummer Eins, The Adventures of Robin Hood (1938) mit Errol Flynn (1909-1959) als Robin of Locksley und Basil Rathbone (1892-1967) als Guy of Gisbourne. Das waren meiner Meinung nach die großen Zeiten von Hollywood - und zwei der größten Schauspieler.

Montag, 9. März 2009

Sweeney Todd: The Demon Barber of Fleet Street

Meine Freundin Susi, ihres Zeichens Tim Burton-Fan, hat ihre Facharbeit über Sweeney Todd geschrieben, weil sie von dem Musical Sweeney Todd: The Demon Barber of Fleet Street (2007) begeistert war.
Before Fleet Street had reached its present importance, and when George the Third was young, and the two figures who used to strike the chimes at old St Dunstan's church were in all their glory - being a great impediment to errand-boys on their progress, and a matter of gaping curiosity to country people - there stood close to the sacred edifice a small barber's shop, which was kept by a man of the name of Sweeney Todd.
So beginnt der The String of Pearls: A romance, ein Penny Dreadful aus den Jahren 1846/47, in dem zum ersten Mal ein mörderischer Barbier namens Sweeney Todd in London auftaucht.
Und da heißt es immer, lange Sätze seien vollkommen untypisch für die englische Sprache...
Aber gut, ist ja auch nur ein Groschenroman.

Ich habe den Film nun zu guter Letzt auch gesehen - auf DVD, denn bei einem englischsprachigen Musical geht doch nichts über Englisch mit englischen Untertiteln!
Und darauf, dass Musicals im deutschen Fernsehen so gezeigt werden, kann ich wohl lange warten.

Die Story selbst hat mich nicht so vom Hocker gerissen; Sweeneys Motivation zum Töten konnte ich nur teilweise nachvollziehen und "Rache an dem Richter, der mich um Frau und Tochter brachte" ist für mich auch kein gutes Motiv.
Die Songs dagegen fand ich durchweg sehr gut, vor allem "My Friend", "Johanna", "Pretty Women", "Epiphany" und "A Little Priest". Letzteres ist eine lustige Parodie auf Würdenträger und soziale Verhältnisse, die Sweeney durch sein Morden umkehrt: How gratifying for once to know / That those above will serve those down below - als Nahrung nämlich.
An "My Friend", "Johanna", "Epiphany" und "Pretty Women" gefallen mir vor allem die Melodien. Bei Letztgenanntem kommt noch diese unschlagbare Szene dazu, in der Sweeney (Johnny Depp) Judge Turpin (Alan Rickman) rasiert und die ganze Zeit über danach trachtet ihn umzubringen. Lustigerweise sieht es für Judge Turpin so aus als würde er sich perfekt mit Sweeney verstehen, während er in Wirklichkeit Sweeneys Zorn nur noch mehr auf sich zieht - sofern das überhaupt möglich ist. Und das Duett Rickman/Depp ist absolut hörenswert.
Dass Johnny Depp (so gut) singen kann, hätte ich übrigens auch nicht gedacht. Jamie Campbell Bower als Anthony fand ich auch richtig gut; insgesamt kein Vergleich mit den nicht besonders überzeugend singenden Schauspielern des Mamma Mia-Films.

Bei "Epiphany" hat mich Johnny Depp an der Stelle We all deserve to die durch seine Intonation ein wenig an Roy Khan erinnert, den Sänger der Power Metal Band Kamelot - und das ist rückhaltlos als Lob gemeint. (Manche mögen Khans Stimme nicht, aber schätze sie, vor allem ihre Musical-Qualitäten.)

Sonntag, 8. März 2009

Was dem Vatikan zum Weltfrauentag einfällt...

Diesen Text aus der Reihe "Kann ich nicht mehr zuspitzen" habe ich eben im Internet entdeckt:


Zum Weltfrauentag huldigt Vatikan-Blatt der Waschmaschine

AFP. Die Emanzipation der Frau ist aus vatikanischer Sicht mehr der Waschmaschine als der Pille geschuldet. Die Vatikan-Zeitung Osservatore Romano veröffentlichte in ihrer Ausgabe zum Weltfrauentag eine Huldigung des Haushaltsgeräts.
"Wer hat im 20. Jahrhundert am meisten zur Emanzipation der westlichen Frauen beigetragen?", fragt die Autorin Giulia Galeotti in dem Artikel. "Manche sagen, die Pille, manche nennen die Liberalisierung der Abtreibung", schrieb sie. "Andere erlauben sich noch weiter zu gehen: die Waschmaschine."
"Füll das Waschmittel ein, mach den Deckel zu und entspanne dich", titelt die Zeitung in Anlehnung an die ersten Gebrauchsanleitungen für Waschautomaten.


Sicher, ich fände es auch nicht so lustig meine Wäsche mit einem Brett über einem Kübel voll Wasser zu waschen. Aber diesen Artikel kann man ja wohl nur als Witz betrachten.
Andererseits: Wozu brauchen wir Satirezeitschriften, wenn wir den Osservatore Romano haben?

Aber - um die Frage mal aufzunehmen - was hat denn wirklich am meisten zur Emanzipation der "westlichen" Frau im 20. Jahrhundert beigetragen? Die Pille, die Liberalisierung der Abtreibung oder die Waschmaschine waren es ja nun nicht.
Meine Antwort: Die rechtliche Gleichstellung, insbesondere das Frauenwahlrecht, die freie Berufswahl ohne Zustimmung des Ehemannes und das Recht auf Privatvermögen.
Aber dass das dem Vatikan nicht einfällt, war ja mal wieder so klar.


Zum Schluss noch eine Entschuldigung an Werner Doyé, weil ich mir seine Formulierung "ein Text aus der Reihe: Kann ich nicht mehr zuspitzen" ausgeliehen habe. Dafür gibt es jetzt auch einen Link zu seinem Blog: http://blog.zdf.de/toll/
Wer auf Texte wie den mit der Waschmaschine steht, sollte unbedingt mal vorbeischauen - und sich die Sendetermine von "Frontal 21" im ZDF merken, denn in den letzten paar Minuten kommt "Toll!" Darin zeigen Werner Doyé und Andreas Wiemers Witziges und Skurriles aus dem Politikgeschehen der vergangenen Woche - und, dass es so einige Politiker gibt, die von den Kabarettisten eigentlich in Ruhe gelassen werden könnten.
Sie machen ihr Kabarett nämlich gleich selber.

Samstag, 7. März 2009

Einhörner, Tapisserien und Faune

Gestern habe ich den Roman "Der Kuss des Einhorns" (The Lady and the Unicorn) von Tracy Chevalier zu Ende gelesen. Darin wird eine fiktive Entstehungsgeschichte der millefleurs-Tapisserien von der Dame mit dem Einhorn erzählt. Diese gewirkten Wandteppiche mit Tausenden von dekorativen Blumen im Hintergrund erzählen die Geschichte der Verführung eines Einhorns durch eine Jungfrau, lassen sich aber auch auf andere Art deuten.

Wie ich zuerst auf diese Tapisserien aufmerksam geworden bin, weiß ich gar nicht mehr.
Wieder geweckt wurde mein Interesse jedenfalls 2007 mit dem Erscheinen des Albums "Tinta" der Pagan Folk Band Faun. Darin haben die Faune ein Lied des Trouvères (nordfranzösischen Minnesängers) Thibaut de Champagne (1205-1253) vertont, "Unicorne", das die Liebe eines Mannes zu einer Dame besingt und mit der Verführung des Einhorns vergleicht. Als Dekoration hat die Band dazu eine der Tapisserien verwendet, die "Sehen" darstellt. Auf ihr sitzt das Einhorn im Schoß der Dame und betrachtet sich selbst in einem Spiegel, den die Dame hält.

An Tracy Chevaliers Roman hat mir die Erzähltechnik gut gefallen, bei der jede Hauptperson abwechselnd einen Teil der Geschichte in der Ich-Perspektive erzählt. Dadurch erhält man einen Einblick in das Denken der jeweiligen Person und kann ihr Handeln besser nachvollziehen.
Die Männer finde ich relativ uninteressant, aber die Frauenfiguren sind spannend:
Da wäre zunächst einmal Aliénor, die blinde Tochter des Wirkers Georges aus Brüssel, der die Tapisserien herstellt. Sie ist für mich die sympathischste Figur, die ich auch am besten verstehen kann. Aliénor versucht sich immer möglichst nützlich zu machen, damit sie niemandem zur Last fällt. Trotzdem droht ihr eine Heirat mit einem groben, stinkenden Blaufärber, den sie verabscheut. Ihren Eltern ist gar nicht bewusst, wie beeindruckend es ist, was sie alles kann, obwohl - und zum Teil gerade weil - sie von Geburt an nicht sehen kann.
Aliénors Mutter Christine ist nicht nur die Frau, sondern auch die Tochter eines Wirkers und deshalb mit dem Geschäft von klein auf vertraut. Sie ist bodenständig, lässt sich von niemandem den Mund verbieten und sagt, was sie denkt. Als die Werkstatt ihres Mannes mit den Tapisserien für den Edelmann Jean Le Viste in Verzug gerät, darf sie selbst wirken, obwohl die Zunft es Frauen eigentlich verbietet. Das verleiht ihr etwas Modernes, obwohl sie die Sozialordnung ihrer Zeit natürlich keineswegs in Frage stellt.
Geneviève de Nanterre, die Frau von Jean Le Viste, ist die eigentliche Auftraggeberin der Tapisserien mit dem Einhorn. Sie möchte nicht, dass ihre drei Töchter beim Essen täglich eine blutige Schlacht betrachten müssen, wie es ihr Mann ursprünglich vorhatte. Geneviève hat die höfische Welt und ihren kalten Mann satt und möchte in ein Kloster eintreten, wo sie Ruhe und Frieden zu finden hofft. Doch solange Jean Le Viste lebt, erfüllt er ihr diesen einzigen Wunsch - leur seul desir - nicht.
Claude Le Viste, Genevièves Tochter, ist die Frauenfigur, die ich am wenigsten mag. Sie ist ein behütetes Edelfräulein, das wegen des in ihrem Alter verständlichen Wunsches nach ersten sexuellen Erfahrungen aus heiratspolitischen Gründen bestraft wird: Erst lässt sie ihre Mutter ständig von Zofen bewachen, dann sperrt Geneviève sie bis zu ihrer Heirat in ein Kloster - einen Ort, den sie wegen der dort herrschenden strengen Regeln verabscheut.
Sie alle werden in den Tapisserien des Malers Nicolas des Innocents verewigt.

Wer die Tapisserien einmal anschauen möchte und sich vielleicht auch für Tracy Chevaliers Roman interessiert, sollte mal einen Blick auf http://www.tchevalier.com/unicorn/tapestries/index.html werfen.

Musiktipp: Faun - Unicorne

Freitag, 6. März 2009

Meine Meinung über die "Bis(s)"-Reihe

Neulich habe ich "Bis(s) zur Mittagsstunde" gelesen, nachdem es inzwischen als Taschenbuch erschienen ist.

Eben erst war ich mit dem vierten Teil der Otori-Reihe fertig, den ich lange vor mir her geschoben habe, weil ich wusste, dass er schlimm enden würde. Ich mag es nicht, wenn Bücher schlecht ausgehen - ebenso wenig wie ich reine happy endings mag.
Jedenfalls wollte ich mich nach der nervenzerfetzenden Spannung von "Der Ruf des Reihers" beim Lesen ein wenig erholen und habe mich deshalb für einen Roman entschieden, der garantiert gut ausgeht: den zweiten Teil der "Bis(s)"-Reihe. Den ersten Teil hatte ich schon damals gelesen, als die Reihe noch völlig unbekannt war, also wusste ich immerhin schon, dass mich ein harmloses Buch erwartet, das man schnell lesen kann.

Eigentlich mag ich Vampire sehr, aber in Geschichten, in denen die Spannung überwiegt und Romantik nur ein zusätzliches Gewürz zur Abrundung des Geschmacks ist. Eine Vampirgeschichte mit Romantik, keine Liebesgeschichte mit Vampir.
Immerhin wurde es in Band 2 schon ein paar hundert Seiten früher etwas spannender als in Band 1.

Aber mal ehrlich - was ist an Stephenie Meyers Romanen eigentlich so toll?
Nein, das soll keine polemische Frage sein. Ich würde mich wirklich freuen, wenn mir jemand erklären würde, was für ihn (oder eher für sie, nachdem die Romane wohl vor allem Mädchen lesen werden) den Reiz der "Bis(s)"-Reihe ausmacht. Als jemand anderer und ich einmal dasselbe über "Faust" gefragt wurden, haben wir fünf Stunden lang mit der Fragenden diskutiert. Das gefiel mir sehr, auch wenn ich nicht glaube, dass wir sie davon überzeugen konnten, dass "Faust" genial ist.
Gut, Stephenie Meyers Romane sind amüsant, unterhaltsam zu lesen und man kann sich bei ihnen entspannen. Aber sie stecken eben auch voller Klischees, angefangen allein schon bei den ach so perfekten, wunderschönen, superstarken Vampiren. Und dieser schmalzige Monolog am Ende von Band 2, in dem Edward Bella über mehrere Seiten hinweg davon überzeugen möchte, dass er sie tatsächlich so sehr liebt wie sie ihn... brr! Außerdem hat es mich schon im ersten Band genervt, dass Bella und Edward nicht miteinander schlafen, gläubige Mormonin Meyer hin oder her.

Der einzige Grund, weshalb ich vermutlich auch die letzten beiden Bände irgendwann lesen werde, ist Carlisle.
Ja, ich gebe es zu, ich mag zuverlässige, ruhige Charaktere wie ihn - wenn meine Sympathien nicht gerade bei den gebrochenen Antagonisten wie Professor Snape liegen. Den mag ich, seitdem man in Harry Potter 3 einen Teil seiner Geschichte erfahren hat. Seit dem Ende des fünften Bandes mag ich Harry dementsprechend weniger, weil er Snape so sehr verabscheut.
Aber Carlisle ist eine Falle. Carlisle ist die Figur, in der Stephenie Meyer ihre eigenen Überzeugungen am stärksten zum Ausdruck bringt. Deshalb ist er bewusst sympathisch angelegt.
Um nur ein Beispiel über Carlisles Glauben zu zitieren:
Mit dem Glauben, wie mein Vater ihn pflegte, hatte ich also nie übereingestimmt. Und doch hat mich in den nahezu vierhundert Jahren seit meiner Geburt nichts je daran zweifeln lassen, dass es Gott in der einen oder anderen Form gibt. Nicht einmal meine eigene Existenz.
(Bis(s) zur Mittagsstunde, S. 42)
Obwohl ich das weiß, ist er meine Lieblingsfigur. Und nicht nur er, auch eine ganze Reihe anderer "Fallen"-Charaktere. Ist das nicht seltsam?

Donnerstag, 5. März 2009

Das eigentliche Thema meines Ken-Projekts

Wie sehr muss man mit Blindheit geschlagen sein, um erst nach sage und schreibe sieben Jahren zu merken, was das eigentliche Thema des eigenen Buchprojekts ist? Ich habe das ganz offensichtlich geschafft: Erst vor Kurzem wurde mir klar, worum es mir bei der Ken-Geschichte vor allem geht - und damit auch, warum es mir so schwer fällt sie aufzuschreiben.

Darum geht es:
Ken sieht zwar, dass es auf der Welt viel Schlechtes gibt, doch er möchte unbedingt an das Gute glauben. Er möchte daran glauben, dass die Welt gut ist. Doch das ist sie nicht.
Es ist sehr schwer für Ken sich das bewusst einzugestehen, auch wenn er es insgeheim schon immer gewusst hat. Dennoch ist er nicht bereit seine Überzeugungen aufzugeben.
So bleibt ihm letztlich die Erkenntnis, dass es Menschen und Ideale gibt, für die es sich zu kämpfen lohnt - trotz allem, trotz der Gefühllosigkeit einer gedankenlosen Welt. Mehr noch, die Welt bleibt für ihn schön, obwohl ihre Grausamkeit sich ihm klarer zeigt als jemals zuvor.
Ein Entwicklungsroman also.
Und ich dachte, meine Geschichten hätten nichts mit mir als Person zu tun.
Ganz schön naiv. Aber irgendwann fallen offenbar selbst mir die Schuppen von den Augen.

Es ist aber auch beruhigend zu merken, dass ich mich anscheinend weiterentwickelt habe: Das Thema wäre ein ganz anderes als heute geworden, wenn ich schon mit zwölf Jahren alles, was ich damals über Ken dachte, aufgeschrieben hätte. Das ist wahrscheinlich jedem klar, der schon mal eine Geschichte geschrieben hat. Deshalb bin ich im Rückblick sehr froh, dass ich es nicht getan habe.

Mittwoch, 4. März 2009

Weshalb ich meinen Blog "Himmelsnetz" genannt habe

In meinem Blog "Himmelsnetz" möchte ich über alles schreiben, was mir gerade einfällt - wahrscheinlich vor allem über Bücher und Musik, wie ich es auch auf meiner kleinen Schreiber-Seite http://www.gedankenwald.de.vu bereits mache.

Laotses Spruch hat dem Blog seinen Namen gegeben: Der Himmel als ein Netz, das zuerst unermesslich weit erscheint, in dem es aber doch für jeden Menschen feine Maschen gibt, in denen er sich verfangen wird. Er erinnert mich ein wenig an Kafkas "Kleine Fabel", erscheint dabei aber weit weniger düster.
Ich wurde durch eines meiner Lieblingsbücher auf ihn aufmerksam, "Die Weite des Himmels" (Heaven's Net is Wide) aus der Otori-Reihe von Lian Hearn, die ich nur weiterempfehlen kann. Der Roman ist der eigentliche Anfang der Otori-Saga, in der die Geschichte von Otori Shigeru erzählt wird. Ich habe mich sehr über sein Erscheinen gefreut, weil man durch ihn viele Hintergründe der Geschichte um Takeo erst richtig versteht.