Mittwoch, 29. August 2012

Gedicht: St Bartholomew's Night

Entgegen meiner Pläne zwei Posts vorher lese ich im Moment nicht “The Pillars of the Earth”, sondern habe mich für „Die Jugend des Königs Henri Quatre“ von Heinrich Mann entschieden. Weil ich gerade Hausarbeiten für die Uni schreibe, komme ich meistens nur vor dem Schlafengehen ein wenig zum Lesen. Gestern waren es die Kapitel über die Bartholomäusnacht (23./ 24. August 1572). Heute Morgen wachte ich dann auf und hatte dieses Gedicht im Kopf:
St Bartholomew’s Night

Wild men slaying,
Wearing white brassards,
Howling, shouting:
“Huguenots must die!”
Brave men lying
Dying in the streets.
Desperate crying:
“Oh, King Henry, help!
Can you hear us,
Can you hear our cries?
Your men are dying
On St Bartholomew’s Night!”

King Henry standing,
Staring in the dark:
The sky has reddened
On St Bartholomew’s Night.
François Dubois: Le massacre de la Saint-Barthélemy (ca. 1572-84)

Schnellschuss, ich weiß. Deshalb auch die Sofortveröffentlichung. Auch, weil es nur ein paar Tage nach dem 440. Jahrestag sind.

Why in English?
Hum. Maybe because there’s a present progressive in English and, what is more, the present progressive and the gerund appear in the same form? Because there are more monosyllabic words in English than there are in German? Well, maybe. The idea was in English, that’s all I know for sure.

Montag, 20. August 2012

L.E.A.F. - Leaf

Heute hielt ich die Debut-CD der niederländischen Pagan Folk-Band L.E.A.F. (Lark, Elk and Fable) in meinen Händen. Die Band besteht aus Kaat Geevers, der langjährigen Partnerin von Oliver Pade (Faun), sowie Chlor Bakker, Thomas Biesmeijer und Maryn Sies. Auf der CD sind außerdem die ehemaligen Mitglieder Fieke van den Hurk und Sophie Zaaijer zu hören. Kaat kannte ich schon von der CD "Folk Noir - Songs From Home Nr. 1", die sie zusammen mit Oliver aufgenommen hatte; da war die Entscheidung zum Kauf von L.E.A.F. unschwer getroffen.

Das Album Leaf ist im Juli 2012 erschienen und umfasst die sechs Titel "Under Nymånen", "Fjarilar", "Wind and Tree", "Frühlingstanz", "Bundet" und "Winter". Außerdem enthält es ein Booklet mit Texten, persönlichen Informationen der Band zu den einzelnen Stücken und Artwork von Fieke. Ihr Designstudio Orchus hatte auch schon für das wunderschöne Artwork zur Faun-CD "Eden" verantwortlich gezeichnet.

 

Die Mini-CD "Leaf" dauert zwar nur knapp 30 Minuten, kann mich aber trotz dieser Kürze vollkommen überzeugen. Für mich ist es das Pagan Folk-Album des Sommers, genau wie es "Eden" von Faun im letzten Jahr war. Tatsächlich erinnert es mich klanglich streckenweise an den Stil der Faune - was in Anbetracht dessen, wie gut sich Kaat und Oliver kennen, auch nicht verwunderlich ist. Außerdem geht der Einfluss mit Sicherheit nicht einseitig von Oliver aus, sondern ist wechselseitig. Was mich betrifft, kann es sowieso nie genug melodischen Pagan Folk mit vielen nicht-verstärkten Instrumenten und einer Mischung traditioneller und eigener Kompositionen und Texte geben. Und, noch einmal: Die Musik von L.E.A.F. ist einfach wunderschön.

 Leaf

Das erste Lied, Under Nymånen, basiert auf dem Gedicht "Flickan under nymånen" des schwedischen Schriftstellers und Literaturkritikers Bo Bergman (1869-1967), das Kaat leicht umarrangiert hat. Es handelt von einem Mädchen, das den Mond anruft, damit sie (kein Fehler, der Mond ist hier weiblich) einen Sturm heraufbeschwört, um den Liebsten des Mädchens zurückzubringen. Der Text und eine Übersetzung finden sich auf der Homepage von Leaf. Der Song wird vor allem vom Kaats schöner Stimme getragen und hat auch eine sehr schöne Geigenpassage.

Darauf folgt Fjarilar, das ebenfalls auf einem Text von Bo Bergman basiert. Hier handelt der relativ kurze, nur am Anfang des Liedes zu hörende Text vom Gegensatz zwischen (noch) unberührter Natur und Umweltverschmutzung durch rauchende Fabrikschlote. Neben der rhythmischen Melodie sind im Hintergrund auch immer wieder Naturgeräusche zu hören.

Wind and Tree beschreibt den Gegensatz zwischen männlicher und weiblicher Kraft. Die weibliche Kraft wird hier vom erdverwurzelten Baum repräsentiert, die männliche durch den Wind, der zwar die Blätter und Zweige des Baums bewegen kann, aber immer weiter fort muss. (N.B. Ich finde diese Metaphern ja sehr poetisch, aber eben auch verdammt konservativ-traditionell. Nicht, dass ich das L.E.A.F. in irgendeiner Weise vorwerfen würde, aber ich bin bei solchen Texten immer etwas zerrissen zwischen der Bewunderung für das schöne Bild und dem rationalen Hinterfragen desselben.) Die Melodie ist rhythmisch-flott, der Gesang wunderschön und der englische Text poetisch. Dem Booklet zufolge geht er wieder auf Bo Bergman zurück.

Das Instrumentalstück Frühlingstanz wirkt leicht, fröhlich und (spät-) frühlingshaft.

Laut dem Booklet ist Bundet der bisher experimentellste Song von L.E.A.F., der auf das Lied "Trøllabundin" der färöischen Sängerin und Komponistin Eivør Pálsdóttir (* 1983) zurückgeht. Der Titel bedeutet so viel wie "Verzaubert" (... und dies ist wieder mal ein Fall, in dem die deutsche Sprache in Bezug auf die Übersetzung nordischer Sprachen unzulänglicher ist als die englische, die mit "spellbound" zumindest ein Fast-Äquivalent zu verzeichnen hat). Für ihr Album haben L.E.A.F. Maria Franz, die norwegische Sängerin der Band Euzen, gebeten, "Trøllabundin" in einen alten norwegischen Dialekt zu übersetzen. Die Vocals für "Bundet" wurden mit einem Halleffekt unterlegt, wodurch sie fast zu schweben scheinen. Außerdem finde ich, dass es durch Hall bei ruhigerer Musik häufig so wirkt, als habe man nicht im Tonstudio, sondern einer Kirche oder einem anderen hohen Raum aufgenommen. Was im Gegensatz zum Original besonders auffällt, ist die deutlich stärkere Instrumentierung, die der Adaption eine völlig andere Struktur verleiht als dem Original. Auf jeden Fall sind beide Versionen sehr, sehr schön.

Seinen würdigen Abschluss findet das Album mit dem Instrumentalstück Winter, zu dessen melancholischer Melodie Kaat dem Booklet zufolge während des rauen Winters im Jahr 2007 inspiriert wurde, als sie allein auf ihrer Nyckelharpa spielte. Nach den eher frühlingshaft-sommerlichen übrigen Stücken endet "Leaf" damit in der düsteren und kalten Jahreszeit.

Und wer danach nicht den Replay-Button drückt, ist selbst schuld. ;)


Eine schöne Rezension gibt es auf der Webseite des UnArt-Magazins.
Erhältlich ist das Album wohl am einfachsten im Miroque-Onlineshop.

Sonntag, 12. August 2012

Ungelesene Bücher

Nach langer Abwesenheit melde ich mich mal wieder auf meinem Blog. Der Grund für die lange "Funkstille" war ein sehr arbeits- und ereignisreiches Sommersemester. Nachdem ich die Anzahl meiner Leistungspunkte durchgezählt hatte, war mir auch völlig klar, wieso ich aus der Arbeit kaum mehr herauskam: Ca. 30 LP sind "Standard", etwa 40 sind gut machbar, und ich zählte rund 50. 28 davon bekomme ich allerdings nur, wenn ich in den Semesterferien noch zwei Hauptseminararbeiten und zwei Essays schreibe - meine Aufgabe während der nächsten Wochen.

Arbeitsbedingt habe ich die "Shakespeare-Challenge" nicht weiter verfolgt. Es gab dazu zwar keine Posts mehr auf Karlas Buchkolumne (bzw. der letzte Eintrag überhaupt ist vom 24. April), aber wie im Februar geschrieben, hätte ich mir ja auch einfach selbst Texte aussuchen können. Habe ich dann aber nicht gemacht - zumal es noch genug andere Bücher gibt, die ich zur Zeit sehr gerne lesen möchte. Außerdem möchte ich mein "Baudelaire-Projekt" wieder aufnehmen, das ich im April unterbrochen habe - nach "Danse Macabre", Gedicht 97 aus den "Fleurs du Mal". Jeden Tag ein französisches Gedicht - ist doch eigentlich nicht so schwer, sollte man meinen. Hm. Anscheinend doch. Neujahrsvorsatz nicht eingehalten. Aber das Buch möchte ich trotzdem ganz lesen!

Apropos "andere Bücher, die ich zur Zeit sehr gerne lesen möchte": da gibt es einen ganzen Stapel. Also, einen imaginären Stapel, de facto stehen die Bücher natürlich alle schön ordentlich im Regal. (Ich habe von meinem Stapel ungelesener Bücher zwar bisher nie abgekürzt als "SUB" gedacht - das ist nämlich die offizielle Abkürzung der Niedersächsischen Staats- und Universitätsbibliothek Göttingen -, aber ich weiß, dass manche ihn so abkürzen.) Da gibt es die verschiedensten Sachen: Natürlich die kleine Auswahl, die ihr in der rechten Spalte auf diesem Blog findet und in der die Mann-Familie etwas ("etwas"?) überrepräsentiert ist. Sie besteht vor allem aus anspruchsvollen Wälzern, für die mir bisher die Zeit gefehlt hat - zumal ja immer wieder etwas Neues hinzukommt, das ich dann meistens zuerst lese. Warum ich Marlowes "Mephisto" bisher nicht gelesen habe, liegt dagegen eher daran, dass ich Marlowe zu sehr verehre und mich im Anschluss an das Lesen auch gleich auf Rezeption und Sekundärliteratur stürzen können möchte. (Don't get me wrong - wenn ich jetzt keine Hausarbeiten schreiben und mir im Anschluss ein Thema für meine Masterarbeit überlegen müsste, würde ich meine gesamten Semesterferien mit Lesen verbringen und natürlich auch die Liste rechts abarbeiten. Habe ich in meiner Schulzeit schließlich auch getan.) Außerdem mehr von Pascal Mercier a.k.a. Peter Bieri - "Nachtzug nach Lissabon" war wunderschön - und natürlich das hochgelobte "Der Hundertjährige, der aus dem Fenster stieg und verschwand" von Jonas Jonasson (neulich auch im Regal eines meiner Geschichtsdozenten gesehen - logisch, hat ja auch viel mit Geschichte zu tun, das Buch). Außerdem möchte ich gerne "Die Brücke von Alcàntara" von Frank Baer lesen, einen historischer Roman, der im maurischen Spanien spielt. Schließlich - last but not least - den (Urban) Fantasy-Jugendroman "The Mortal Instruments 5: City of Lost Souls" von Cassandra Clare und die beiden letzten "Wicked Lovely"-Bände von Melissa Marr, "Radiant Shadows" (dt. "Zwischen Schatten und Licht") und "Darkest Mercy" (dt. "Aus dunkler Gnade").

Die Aufzählung ist natürlich nicht vollständig, aber ich möchte es mal dabei bewenden lassen. Nur so viel noch: Für diese Semesterferien habe ich auf Position eins meiner (imaginären) Leseliste den aktuellen "Kluftinger"-Allgäukrimi, "Schutzpatron", von Volker Klüpfel und Michael Kobr, als zweites Buch "World Without End" (dt. "Die Tore der Welt") von Ken Follett und als drittes die Penguin Classics-Edition der nordischen "Vinland Sagas" über die Reise der Wikinger nach Neufundland. Die beiden ersteren stehen schon ewig (= seit sie erschienen sind, 2011 bzw. 2007 ;) ) auf meiner Liste. Das dritte ist hinzugekommen, nachdem ich wieder einmal das Album "Vinland Saga" von Leaves' Eyes gehört habe.

So viel also erst mal wieder von mir.

Samstag, 31. März 2012

Shakespeare-Challenge: Macbeth (3)

Macbeth also. Gelesen habe ich die zweisprachige dtv-Ausgabe, weil wir Macbeth damals im Englisch-LK gelesen haben und dafür diese Ausgabe kaufen mussten.

1) Was gefällt Euch an dieser Tragödie gut bzw. nicht so gut?
Ähnlich wie bei Hamlet gefällt mir an Macbeth eigentlich alles. Am besten natürlich die Szenen mit den Hexen: "Fair is foul, and foul is fair: / Hover through the fog and filthy air" (Act I, Scene 1). Nothing is as it seems. Und mir gefällt allgemein das Thema des eigentlich gar nicht so schlechten Menschen, dessen "tragic flaw", Ehrgeiz, ihn am Ende zu Fall bringt. Hinzu kommen Macbeths Aberglaube gegenüber der Prophezeiung der Hexen und dass er tut, was Lady Macbeth ihm sagt...

2) Welche Bedeutung hat der erscheinende Geist Banquos?
Hm... Macbeth erschrecken, den Anwesenden Macbeths schlechtes Gewissen zeigen und sozusagen den Wendepunkt anzeigen, ab dem Macbeths Fall beginnt.

3) Wie und wann hättet Ihr Euch an der Stelle Macbeths anders verhalten?
Ich denke, Macbeth hätte einfach nur nicht auf die drei Hexen hören sollen... Wäre er genauso skeptisch gegenüber ihren Prophezeiungen gewesen wie Banquo, hätte er Duncan nicht ermordet und es wäre auch alles andere nicht passiert.
Anders ausgedrückt: Ich hätte einfach abgewartet und Duncan nicht umgebracht, wenn ich Macbeth gewesen wäre.

4) Mit welcher aktuellen Situation (z.B. einem Politiker) könnte man Macbeth vergleichen?
Wie schon erwähnt, geht es um den Fall eines eigentlich gar nicht so schlechten Menschen, dessen Fehler Aberglauben, Ehrgeiz und das Hören auf einen schlechten Berater (Lady Macbeth) sind. Einmal abgesehen vom Aberglauben dürften die letzten beiden Gründe wohl wesentlich für den Fall ziemlich vieler Menschen sein, die (zu) hoch hinaus wollten... Ein konkretes Beispiel fällt mir aber gerade nicht ein.

5) Was ist Euer Lieblingszitat?
Macbeth: Methought, I heard a voice cry, "Sleep no more!
Macbeth does murther Sleep", - the innocent Sleep;
Sleep, that knits up the ravell'd sleave of care,
The death of each day's life, sore labour's bath,
Balm of hurt minds, great Nature's second course,
Chief nourisher in life's feast; -
Lady Macbeth: What do you mean?
Macbeth: Still it cried, "Sleep no more!" to all the house:
"Glamis hath murther'd Sleep, and therefore Cawdor
Shall sleep no more, Macbeth shall sleep no more!"
Der Kontext von Act II, Scene 2: Macbeth hat gerade König Duncan getötet, den er hier als "Schlaf" personifiziert. Da jeder Mensch schlafen muss, hat er mit Duncan zugleich auch einen Teil seiner selbst getötet; der Mord am König quält ihn.
Der Grund, warum ich gerade dieses Zitat so mag, ist vielleicht ein wenig obskur: Immer wenn ich bis spät in die Nacht noch was für die Uni machen muss, denke ich mir "Macbeth hath murther'd Sleep", weil es meistens meine eigene Schuld ist, dass ich nicht schon vorher fertig geworden bin...

Zum Abschluss: Omnia - Wytches'Brew
... und ein Link zu Act IV, Scene 1, auf die das Lied anspielt.

Freitag, 23. März 2012

Gaucks erste Rede als Bundespräsident

Von http://www.spiegel.de/politik/deutschland/0,1518,823277,00.html:
Freiheit ist eine notwendige Bedingung von Gerechtigkeit. […] Umgekehrt ist das Bemühen um Gerechtigkeit unerlässlich für die Bewahrung der Freiheit.
Wie schön, das aus seinem Mund zu hören!
Und liberal ist... Gauck!
Und speziell zu den rechtsextremen Verächtern unserer Demokratie sagen wir in aller Deutlichkeit: Euer Hass ist unser Ansporn. Wir lassen unser Land nicht im Stich. Wir schenken euch auch nicht unsere Angst. Ihr werdet Vergangenheit sein und unsere Demokratie wird leben. 
Die Extremisten anderer politischen Richtungen werden unserer Entschlossenheit in gleicher Weise begegnen. Und auch denjenigen, die unter dem Deckmantel der Religion Fanatismus und Terror ins Land tragen, und die hinter die europäische Aufklärung zurückfallen, werden wir Einhalt gebieten. Ihnen sagen wir: Die Völker ziehen in die Richtung der Freiheit. Ihr werdet ihren Zug vielleicht behindern, aber endgültig aufhalten könnt ihr ihn nicht.
Herr Bundespräsident, Sie sprechen mir aus der Seele!
Nur in einem schöneren, elegant schlichten Stil, der klar und deutlich sagt, was Sie meinen. So möchte ich auch schreiben - und reden - können.
Ich werde mir Ihren Stil zum Vorbild für meine Seminararbeiten nehmen. (Zumindest für die deutschen. Bei meinen englischsprachig verfassten Essays habe ich zweimal den Kommentar bekommen, sie seien "elegantly written and presentend". Nur auf Deutsch neige ich leider zum Verschwurbelt-Schreiben mit besonders komplexen Satzkonstruktionen.)

Ach... war da nicht mal was mit "ein Bundespräsident soll Vorbild sein"?
Ist er schon. Nach dieser Rede auf jeden Fall.

Mittwoch, 29. Februar 2012

Shakespeare-Challenge 2012: Hamlet (2)

Bis jetzt gibt es auf buchkolumne.de leider keine neuen Fragen oder einen Eintrag zu dem Buch, das für den Februar zu lesen war. Na ja, dann mache ich den Eintrag einfach mal selbst und ergänze ihn, wenn auf buchkolumne.de doch noch etwas kommt. Sollte es mit der Challenge wirklich nicht weitergehen, überlege ich mir ab April eben selbst Shakespeare-Texte, die ich gerne lesen möchte (z.B. Henry V, Julius Cesar, A Midsummer Night's Dream). Meine Motivation war ja nicht, bei einer Challenge mitzumachen, sondern vor allem, mehr Shakespeare zu lesen. ;)

Also: The Tragedy of Hamlet, Prince of Denmark.
Gelesen habe ich den Text auf shakespeare-navigators.com.

1) Was gefällt dir an der Tragödie gut bzw. nicht so gut?
Mir gefallen vor allem die philosophischen Fragen, die dabei aufgeworfen werden, und die vielen Zitate, die es in die Alltagssprache geschafft haben - allen voran Hamlets letzter Satz "The rest is silence" (V,2), der u.a. auch in dem Nightwish-Song "End of All Hope" zitiert wird. Außerdem mag ich generell, dass "Hamlet" so oft zitiert wird - mal zwei bildliche Beispiele:


"Alas, poor Yorick" (V,1): Links Franz Leitmayr (Udo Wachtveitl) mit einem Totenschädel im Tatort "Viktualienmarkt" (2000) - ohne direkte Anspielung auf das Zitat; rechts Prof. Dr. Karl-Friedrich Boerne (Jan-Josef Liefers) mit einem Totenschädel im Tatort "Satisfaktion" (2007) - mit direkter Anspielung auf das (hier nicht ganz passende) “To be, or not to be” (III,1).

 2) Wenn du an Hamlet in der bildenden Kunst denkst, woran denkst du zuerst?
Einmal abgesehen von Totenschädeln in barocken Stillleben: an John Everett Millais' "Ophelia" (1851/52).

 
Das Bild wird übrigens auch im Video zum Song "Where the Wild Roses Grow" von Nick Cave und Kylie Minogue zitiert.

3) Was ist dein Lieblingszitat?
"[T]here is nothing / either good or bad, but thinking makes it so" (II,2).
Stimmt zwar nicht absolut, aber wenn man die Zeitgebundenheit von Werten oder kulturellen Normen bedenkt...

Sonntag, 26. Februar 2012

Xandria - Neverworld's End: Nightwish mit Tarja reloaded?

Seit Freitag ist die neue CD von Xandria in Deutschland erhältlich. Sie heißt "Neverworld's End" und selten war ich in der Bewertung einer CD so zwiegespalten wie diesmal.


Tracklist: 01. A Prophecy Of Worlds To Fall (7:23) / 02. Valentine (4:11) / 03. Forevermore (4:59) / 04. Euphoria (4:30) / 05. Blood On My Hands (4:17) / 06. Soulcrusher (6:11) / 07. The Dream Is Still Alive (4:23) / 08. The Lost Elysion (5:26) / 09. Call Of The Wind (4:52) / 10. A Thousand Letters (4:18) / 11. Cursed (4:10) / 12. The Nomad's Crown (9:02)

Line-up: Philip Restemeier (Gitarre), Marco Heubaum (Gitarre), Manuela Kraller (Gesang), Nils Middelhauve (Bass), Gerit Lamm (Schlagzeug)

Der Grund für diese Zwiegespaltenheit ist sofort zu erkennen, wenn man Bandnamen und Albumtitel in eine Suchmaschine eingibt, um nach CD-Reviews zu suchen: Auf "Neverworld's End" klingen Xandria nach Nightwish. Und das ist keiner der üblichen nervigen Vergleiche à la: "Xandria machen Symphonic Metal und haben eine weibliche Sängerin, die mit klassischer Stimme singt. Nightwish sind die bekannteste Symphonic Metal Band und hatten bis 2005 mit Tarja Turunen eine klassisch ausgebildete Sängerin. Also klingen Xandria nach Nightwish." Nein. Katharina Beck hat völlig recht, wenn sie in ihrer Rezension auf metal.de schreibt, "dass hier nicht bloß der Stil der Band imitiert, sondern tatsächlich eine vollständige Kopie geschaffen wurde, die dem Original in allen Bestandteilen so zum Verwechseln ähnlich ist, dass man es einfach kaum glauben kann": Das Songwriting von Marco Heubaum erinnert an Tuomas Holopainens Songs für Nightwish, und die Stimme der Sängerin Manuela Kraller sehr an Tarjas.

Einige Rezensionen, z.B. auf Amboss-Mag.de oder metal-inside.de, weisen darauf hin, dass Xandria damit eine Lücke schließen können, die Nightwishs Trennung von Tarja gerissen hat. Andere Rezensenten, z.B. Jens Gellner von My Revelations, warnen eher vor den Gefahren dadurch, dass Xandria ihre eigenen Entwicklungsmöglichkeiten begrenzen, wenn sie sich so sehr an den früheren Stil einer anderen Band anlehnen.

Um es kurz zu machen: Meine Lieblingsalben von Nightwish mit Tarja sind "Wishmaster" und "Century Child", also genau die Alben, deren Sound "Neverworld's End" am ähnlichsten ist. (Nightwish mit Annette mag ich aber auch sehr gerne und finde das neue Album "Imaginaerum" fantastisch.) Das neue Album von Xandria klingt wirklich super, aber ich mochte auch die früheren Alben der Band - v.a. das vor "Neverworld's End", "Salomé - The Seventh Veil".

Mein Eindruck wird vielleicht am besten von Carl F.s Rezension auf metalunderground.com ausgedrückt: "It is hard to listen to this release and fail to draw the obvious comparisons to Nightwish, especially since the style that once made Xandria a little more unique has now melted completely away in favor of a serious charge at the symphonic power metal crown."

Sprich: ein zweifellos sehr gutes, professionell eingespieltes Album, das ich gerne und häufig hören werde - aber ein leicht bitterer Nachgeschmack bleibt für mich. Trotzdem: müsste ich eine Amazon-Bewertung abgeben, wären es wohl mindestens vier von fünf Sternen. Eher viereinhalb. Und sollte ich mal die Chance haben, Xandria mit Manuela Kraller in meiner Nähe live zu hören, würde ich das sehr gerne tun.

Xandria - Valentine

P.S.: Bei Baudelaires "Fleurs du Mal" bin ich mittlerweile bei Gedicht 71 angelangt, "Une gravure fantastique". Bis jetzt läuft's also. ;)

Sonntag, 22. Januar 2012

Shakespeare-Challenge 2012: Romeo and Juliet (1)

Dieses Jahr nehme ich an einer Shakespeare-Challenge teil; hier findet ihr meinen Organisationspost dazu. Das Buch, das für den Januar zu lesen war, ist "Romeo and Juliet". Gelesen habe ich die Version auf opensourceshakespeare.org. Die Fragen, die Karla dazu gestellt hat, sind die folgenden:


1) Was gefällt Euch an dieser Tragödie gut bzw. nicht so gut?
Am besten gefällt mir die Fechtszene zwischen Mercutio und Tybalt (Act III, Sc. 1) und dass Mercutio über seinen eigenen nahenden Tod immer noch Witze reißen kann. Überhaupt mag ich Mercutio.
Nicht so gut gefällt mir das ganze Liebesgesäusel. Ja, sorry, ich weiß, dass das zu den berühmtesten Versen der Weltliteratur zählt - "It was the nightingale, and not the lark / That pierced the fearful hollow of thine ear" (Act III, Sc. 5, V. 2099-2100) und so -, aber mit Liebesgeschichten kann ich schlicht und ergreifend nicht so viel anfangen. Das soll aber nicht heißen, dass ich Shakespeare generell nicht mag; "Macbeth" und "Hamlet", die in der Challenge als nächstes anstehen, mag ich z.B. sehr, sehr gern. Ich hab' nur keinen rechten Sinn für Liebesdramen...

2) Würden Romeo und Julia heute noch als Paar bestehen (inkl. Begründung)?
Na ja, Baz Luhrmann hat mit seinem Film "Romeo+Juliet" wohl gezeigt, dass er durchaus dieser Meinung ist... Sprich, dass es moderne Adaptionen des Stoffes gibt, deutet für mich gewissermaßen auch darauf hin, dass diese Liebesgeschichte in die heutige Zeit übertragen werden kann. Dass die Geschichte vielfach adaptiert wird oder dass es zahlreiche intertextuelle Referenzen auf "Romeo and Juliet" in anderen literarischen Werken gibt, zeigt, denke ich, auch auf die "Zeitlosigkeit" des Konzepts einer Liebe über alle Hindernisse hinweg.

3) Welche Bücher mit ähnlichem Liebeshintergrund fallen Euch dazu ein?
Also, Anspielungen gibt es natürlich zuhauf... Auf Anhieb fällt mir z.B. ein, dass in "Twilight" von Stephenie Meyer - meine Meinung dazu kann man hier nachlesen - teilweise holzhammerartige Anspielungen darauf gemacht werden. Und man könnte natürlich jedes Liebesdrama, in dem die beiden Liebenden wegen widriger äußerer Umstände nicht zusammenkommen können, mit "Romeo und Julia" vergleichen. Mit Blick auf das Letztgenannte gewissermaßen auch Goethes "Leiden des jungen Werthers": Wie "Romeo und Julia" ein Werk, das viele Leute sicher ganz toll finden, das vom ästhetischen Standpunkt definitiv über jeden Zweifel erhaben ist, das ich aber trotzdem nicht mag - wegen des allzu affektiert liebeskranken Protagonisten. Und genau wie bei Shakespeare heißt das nicht, dass ich Werke von Goethe generell nicht mögen würde - immerhin ist "Faust" ja eines meiner absoluten Lieblingsbücher (bzw. -dramen)...

4) Was macht gerade diese Tragödie von Shakespeare Eurer Meinung nach bis heute so besonders?
Wenn nach der Meinung anderer gefragt würde, wäre die Antwort wohl "die Geschichte einer Liebe über alle Hindernisse hinweg, die tragisch endet". Wenn die Frage aber nach meiner eigenen Meinung geht, lautet die Antwort: Das frage ich mich auch schon seit Jahren. Wie schon geschrieben, bin ich kein besonderer Fan von Liebesgeschichten, und "Macbeth" oder "Hamlet" mag ich deutlich lieber als diese Shakespeare-Tragödie.

5) Was ist Euer Lieblingszitat?
"No, 'tis [i.e. Mercutio's wound is] not so deep as a well, nor so wide as a
church-door; but 'tis enough,'twill serve: ask for
me to-morrow, and you shall find me a grave man. I
am peppered, I warrant, for this world."
(Mercutio in: Romeo and Juliet, Act III, Sc. 1, V.  1602-1604.)
Eine Begründung habe ich ja schon unter 1) geliefert. "Grave" (as opposed to "merry") kann man hier als Anspielung darauf verstehen, dass Tote im Grab (in the grave) keine Witze mehr machen können.

Freitag, 20. Januar 2012

Blogstöckchen - 11 Fragen

Alex hat mir ein Blogstöckchen zugeworfen - elf Fragen, die von Blog zu Blog weitergereicht werden.

Regeln:
1) Verlinke die Person, die dich getaggt hat.
2) Beantworte die Fragen, die dir gestellt worden sind.
3) Tagge anschließend 11 weitere Leute.
4) Gib den Leuten Bescheid die getaggt wurden.
5) Stelle 11 Fragen an die, die getaggt wurden.


1. Bei welchem Film tun dir die 90 Minuten leid, die du dafür verschwendet hast?
Ich sehe schon seit Jahren so wenig fern, dass ich das gar nicht mehr sagen kann. Wenn ich mir einen Film anschaue, wurde der entweder sorgfältig vorausgewählt, oder ich schaue ihn, um zusammen mit Freunden einen Film zu schauen (dann wäre es für mich keine Zeitverschwendung, selbst wenn er nicht gut ist), oder er wird abgeschaltet und ich mache was anderes, bevor ich mich 90 Minuten langweile.

2. Stehst du eher auf Zombies oder eher auf Vampire?
Vampire. Definitiv. Vorzugsweise "richtige" wie Stokers "Dracula" oder Polidoris "The Vampyre" - der geheimnisvolle Gentleman-Blutsauger eben. "Moderne" Vampir-Versionen mag ich auch, solange es nicht primär um eine Liebesgeschichte geht (Liebesgeschichten finde ich allgemein eher langweilig) oder - das andere Extrem - um hirnlosen Splatter.

3. Wer sollte deiner Meinung nach „Wetten dass..?“ moderieren?
Das ist mir herzlich egal. Ich habe da nur einen Wunsch: Es soll jemand sein, der nicht ständig die Sendezeit überzieht!

4. Welche ist die hässlichste Stadt, die du je besucht hast?
Keine Ahnung. Schönste Städte würden mir eher einfallen. Andererseits hat jede Stadt mit einem alten Industriegebiet eine hässliche Seite…

5. Was erwartest du von der Verfilmung von „Die Vermessung der Welt“?
Bis ich die Frage gelesen habe, wusste ich nicht mal, dass das Buch verfilmt werden soll. Ich sehe das mit eher gemischten Gefühlen, weil Kehlmanns ironischer Schreibstil, der vor allem durch die indirekte Rede transportiert wird, für mich das Buch ausmacht. Ob das in das Medium Film hinübergerettet werden kann? Da bin ich eher skeptisch.

6. Welcher war dein absoluter Glücksmoment des letzten Jahres?
Da gab es sicher mehrere Kandidaten. Vielleicht der Tag Ende Januar 2011, als wir zu Rilkes Grab in Raron (Kanton Wallis, Schweiz) gefahren sind und fasziniert festgestellt haben, dass das spätmittelalterliche Fresko in der Burgkirche links oben die aus Geboten erbauten Mauern des himmlischen Jerusalem zeigt (bitte auf das Bild auf der Seite klicken, dann sieht man in einer Bildstrecke zwei Ausschnitte des Freskos - leider nicht den, den ich meine).
Kann wahrscheinlich nur ein Historiker oder sonstiger Kulturwissenschaftler nachvollziehen… *hust*

7. Schaust du Filme und Serien lieber im Original oder lieber synchronisiert?
Englische und deutsche Filme lieber im Original, alle anderen lieber synchronisiert. Für Französisch im Original reichen meine Sprachkenntnisse noch nicht: ich bekomme zwar mit, worum es ungefähr geht, verstehe aber keine Details.

8. Wofür bist du deinen Eltern am meisten dankbar?
Für ihre Liebe sowie moralische und finanzielle Unterstützung in meinem Studium. :)

9. Welcher Sänger/welche Sängerin/welche Band ist deiner Meinung nach total unterschätzt und sollte viel bekannter sein?
Unterschätzt? Midnattsol und Kingfisher Sky.
Wobei es ja viele Bands gibt, die ich sehr mag und die nicht besonders bekannt sind.

10. Welche Tätigkeit hasst du wie sonst nichts?
Behördengänge machen und jegliche Art von Uni-Verwaltungskram. Mit Bürokratie kann man mich jagen.

11. Glaubst du daran, dass die Welt Ende 2012 untergehen wird?
Nein. Dass die Maya für den 21. Dezember 2012 den Weltuntergang vorausgesagt hätten, ist historisch unhaltbarer Unsinn. Soweit ich informiert bin, endet an dem genannten Tag ein Zyklus des Maya-Kalenders. Es gab auch vor dem aktuellen schon andere Kalenderzyklen in der Maya-Kultur, und wenn diese Hochkultur weiter existiert hätte, hätten die Maya wohl schon längst einen neuen Kalenderzyklus berechnet. Historiker und Anthropologen haben meines Wissens keine Hinweise darauf, dass das Ende das aktuellen Zyklus für die Maya eine besondere Bedeutung gehabt hätte.


Es folgen meine elf Fragen, die ich aber - wie Karla von der Buchkolumne, von der Alex sein Stöckchen genommen hat - nicht an bestimmte Personen weiterreichen werde. Wer sie beantworten möchte, kann seinen entsprechenden Post gerne in einem Kommentar zu diesem Eintrag verlinken.

1. Was war das Verrückteste, das du 2011 gemacht hast?
2. Mit welchem Lied verbindest du etwas ganz Besonderes und warum?
3. Welches Buch liest du gerade (bzw. hast du zuletzt gelesen) und wie findest (fandest) du es?
4. Was ist dein Lieblingsfilm und warum?
5. Wenn du dir aussuchen könntest, ein Fantasywesen zu sein, welches wäre das und warum?
6. Was motiviert dich - im Sinne einer inneren Kraft oder ganz praktisch?
7. Gibt es ein Lied, das du schon mehr als 10x am Stück hintereinander gehört hast?
8. Wofür benutzt du das Internet hauptsächlich?
9. Was hältst du von Fanfiction?
10. Hast du ein Lieblingsgedicht und wenn ja, warum magst du es so sehr?
11. Was ist dein größter Wunsch für 2012?

Donnerstag, 19. Januar 2012

Tombstone from Tombstone

Yve hat gestern im Zusammenhang mit ihrer Geschichte "Nocturnus" einen Eintrag über Geisterstädte samt Link zu einer Webpräsenz, auf der man sich Bilder von diversen amerikanischen Geisterstädten ansehen kann, gepostet. Ich habe gleich mal vorbeigeschaut und bin unter dem Link "Tombstone" auf folgendes Foto gestoßen:

"Here lies / George Johnson / hanged by / mistake / 1882 / He was right / We was wrong / But we strung / him up / and now he's / gone"?!

Na toll! Das möchte ich ja mal nicht auf meinem Grabstein stehen haben.

Weitere Infos über Tombstone, Arizona: http://www.cityoftombstone.com

Sonntag, 15. Januar 2012

Ozymandias, oder: Warum ich keine Althistorikerin bin

Das Studium der Alten Geschichte umfasst die griechisch-römische Welt der Antike. Dieses Gedicht über eine Statue des Pharao Ramses II. (griechisch "Ozymandias") ist einer der Gründe, weshalb ich finde, dass ich mich nicht unbedingt zur Althistorikerin eigne:
Percy Bysshe Shelley (1792-1822): Ozymandias
I met a traveller from an antique land,
Who said -- "two vast and trunkless legs of stone
Stand in the desert ... near them, on the sand,
Half sunk a shattered visage lies, whose frown,
And wrinkled lips, and sneer of cold command,
Tell that its sculptor well those passions read
Which yet survive, stamped on these lifeless things,
The hand that mocked them, and the heart that fed;
And on the pedestal these words appear:
My name is Ozymandias, King of Kings,
Look on my Works ye Mighty, and despair!
Nothing beside remains. Round the decay
Of that colossal Wreck, boundless and bare
The lone and level sands stretch far away." --
-- Quelle: http://rpo.library.utoronto.ca/poem/1904.html
Warum? - Ganz einfach: Jedesmal, wenn ich mit epigraphischen Quellen (= antiken Inschriften) arbeiten muss, denke ich unwillkürlich an dieses Gedicht und den Ausdruck der Vergänglichkeit menschlicher Gestaltungsfähigkeit, den es für mich verkörpert.

Wenn ich beispielsweise eine Grabinschrift des römischen Bürgers "--ilius" vor mir liegen habe, die von einem verwaschenen, teilweise zerstörten bearbeiteten Steinblock stammt, kann ich nicht anders als daran zu denken, dass die Inschrift wahrscheinlich das Einzige ist, das von diesem Menschen übrig geblieben ist: Sie ist zum großen Teil zerstört. Nicht einmal sein Name blieb der Nachwelt erhalten!

Diese "romantische" (im Sinne der Epoche) Herangehensweise ist vielleicht das Richtige für eine Literaturwissenschaftlerin, aber nicht unbedingt für eine Althistorikerin... "Mein" Gebiet in der Geschichte beginnt also erst ab dem Mittelalter. ;)

Sonntag, 1. Januar 2012

Baudelaires böse Blumen

Vor ein paar Tagen habe ich mir „Les fleurs du mal“ (dt. „Die Blumen des Bösen“) von Charles Baudelaire gekauft. Ich hatte schon länger vor, die Gedichte einmal auf Französisch zu lesen. Gerade bei Poesie finde ich es besonders schade, wenn man sie nicht in der Sprache verstehen kann, in der sie geschrieben ist. Außerdem bemühe ich mich schon das ganze Jahr darum, mein Französisch ein wenig zu verbessern. Das Vokabular in „Les fleurs du mal“ ist vielleicht etwas speziell - im realen Leben dürfte man kaum einmal die Gelegenheit haben, jemandem so etwas wie „Dans nos cerveaux ribote un peuple de Démons“ zu sagen -, aber wer liest Gedichte schon zum bloßen praktischen Nutzen? Jedenfalls nicht ich.

Mein Vorsatz fürs neue Jahr: Jeden Tag (mindestens) ein Gedicht lesen.

Natürlich „zählt“ dafür nicht nur Baudelaire oder Französischsprachiges. Aber um den Theaterdirektor Serlo aus Goethes „Wilhelm Meisters Lehrjahre“ (5. Buch, 1. Kapitel) zu zitieren:
„Man sollte“, sagte er, „alle Tage wenigstens ein kleines Lied hören, ein gutes Gedicht lesen, ein treffliches Gemälde sehen und, wenn es möglich zu machen wäre, einige vernünftige Worte sprechen.“
-- Quelle: http://gutenberg.spiegel.de/buch/3669/66
Das mit dem Gemälde dürfte für einen Menschen wie mich, der sich nie in besonderer Weise für Malerei interessiert hat, etwas zu hoch gegriffen sein, das mit den Worten lässt sich wohl nicht von außen beeinflussen und Musik ist heutzutage sowieso allgegenwärtig. Aber es würde sich vielleicht mal lohnen, es mit den Gedichten zu versuchen. Selbst wenn ich es selbst für unwahrscheinlich halte, auch nur mit den „Fleurs du mal“ durchzukommen. Mit irgendetwas muss man schließlich mal anfangen, und ein Buch, das nach Meinung von Kritikern einige der schönsten Gedichte der französischen Sprache enthält, ist sicher nicht die schlechteste Wahl.

Zu meiner „Vorgehensweise“ bei Baudelaires bösen Blumen:

  • (mindestens) ein Gedicht pro Tag
  • erstes Lesen (stumm): Vokabelklärung, Verständnis
  • Lesen des kurzen Kommentars im Anhang meiner Ausgabe
  • zweites und weiteres Lesen (laut): Flüssigkeit, Aussprache, Betonung, Verständnis

Erklärung:
Es scheint mir leichter zu fallen, ein Gedicht zu verstehen, wenn ich es laut vorlese - einmal davon abgesehen, dass ich finde, Gedichte sind ohnehin zum Vorgetragen-Werden da. Gedichte sind für mich sozusagen Lieder ohne Noten. Mit dieser Methode werde ich sehr wahrscheinlich kaum durch die ganzen „Fleurs du mal“ kommen, aber wenn ich am Ende halbwegs flüssig auf Französisch vom Blatt lesen könnte, wäre ja schon viel gewonnen. Außerdem hoffe ich, dass sich so meine französische Aussprache vielleicht etwas verbessert.

In diesem Sinne: Alles Gute für 2012!