Ich muss gestehen, dass ich ein ungutes Gefühl bei der ganzen Sache habe.
Zunächst mal handelt es sich bei der Freitagnacht erzielten Einigung um eine Absichtserklärung. Die Bundesregierung stand wegen der bevorstehenden GM-Insolvenz unter großem Zeitdruck. General Motors hat nur niederrangige Unterhändler zu dem Treffen mit der Bundesregierung geschickt. Magna nimmt zwar den Betriebsrat ernst, aber das Finanzierungskonzept scheint doch einige Fragen aufzuwerfen. Dass Magna Opel gemeinsam mit einer staatlich kontrollierten russischen Bank - der Sberbank - übernehmen will, finde ich auch nicht gerade beruhigend. Wie viel Eigenkapital hat Magna selbst? Magna und die Sberbank wollen, dass der deutsche Staat mit mindestens 4,5 Milliarden Euro (Steuergeldern, wohlgemerkt) bürgt und selbst ("nur") 700 Millionen Euro einbringen.
Die Opel-Mitarbeiter mögen das Verhandlungsergebnis jetzt gutheißen. Es ist ihr gutes Recht, an ihre Arbeitsplätze zu denken. Aber wie wahrscheinlich ist es, dass Opels Zukunft wirklich langfristig gesichert ist? Und wo führt es hin, wenn der Staat Opel hilft? Müsste er dann nicht auch Conti/Schaeffler, Märklin, Schiesser und all den anderen Firmen, die in Finanznot sind, helfen?
Da ich so denke, muss ich gestehen, dass Wirtschaftsminister Guttenberg (CSU) mich positiv überrascht hat. Er trägt die Einigung mit Magna zwar zähneknirschend mit, macht aber keinen Hehl daraus, dass er sie nicht gutheißt und eigentlich für eine "geordnete Insolvenz" wäre. Also dafür, dass ein Insolvenzverwalter dafür sorgt, dass die Firma grundlegend saniert wird. Wobei möglichst viele Arbeitsplätze erhalten werden, in der Hoffnung, dass die Firma danach besser dasteht als vorher. "Insolvenz" ist schließlich nicht gleichbedeutend mit "Pleite".
Es heißt sogar, dass Guttenberg mit seinem Rücktritt gedroht habe. Diese Information stammt zwar von der "Bild am Sonntag", aber Guttenberg weicht aus, wenn man ihn danach fragt. Was bedeutet: Er streitet es auch nicht ab.
"Das hätte ich ihm gar nicht zugetraut", soll jemand aus der Opposition dazu gesagt haben. Ich auch nicht. Respekt für sein Rückgrat.
Da wird mir mal wieder klar vor Augen geführt, dass ich ein Vorurteil hatte, obwohl ich Vorurteile doch hasse: Adlig, geschniegelt, von klein auf zur Elite erzogen - aber das sind Äußerlichkeiten. Höflichkeit, Humor, Charakter - das zählt viel mehr.